Die Pläne für ein Parkhaus am Hatzplatz lösten eine heiße Diskussion aus. „Sarkophag von Tschernobyl“ wurde das im Bauausschuss genannt. Nun soll der Investor nacharbeiten.
Wolfratshausen – In der Diskussion um das geplante Parkhaus am Hatzplatz zeichnet sich eine einvernehmliche Lösung ab. Der Investor, die Parkhaus Wolfratshausen (PaWo) GmbH, will prüfen lassen, ob das oberste Geschoss eingerückt werden kann. Das berichtete Bürgermeister Klaus Heilinglechner am Freitag bei einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz im Rathaus.
Wie berichtet hatte der Bauausschuss den Bauantrag der PaWo vergangene Woche abgelehnt. Dem Gremium erschien die Dimension des Vorhabens als zu groß. Als „Sarkophag von Tschernobyl“, „Klotz“ und „großen Schuhkarton“ bezeichneten die Stadträte das geplante Bauwerk und wünschten sich ein Gespräch mit dem Bauherrn. Das hat diese Woche hinter verschlossenen Türen stattgefunden.
In der Elefantenrunde, bestehend aus Fraktionsspitzen, Bürgermeister und dem Investor, erklärte sich letzterer bereit, Zugeständnisse zu machen, so Heilinglechner. Das obere Geschoss des sechs Halbgeschosse umfassenden Bauwerks soll nach Möglichkeit eingerückt werden. Durch die Verschlankung des Gebäudes würden Parkflächen – und damit eine künftige Einnahmequelle des Bauherren – wegfallen. „Der Investor hat aber zugesichert, sowohl eine architektonische als auch eine wirtschaftliche Prüfung vorzunehmen.“
Sollten die Änderungen für die PaWo machbar sein, „steht man als Passant nicht mehr vor einer zehn Meter hohen Mauer“, erläuterte Heilinglechner. Diese Höhe erlaubt der Bebauungsplan. „Der Investor ist uns entgegengekommen, und ich habe den Eindruck, dass es ihm wichtig ist, diese Maßnahme in einem guten Miteinander zu schaffen“, sagte der Bürgermeister.
Auch die Stadt müsste Zugeständnisse machen – indem sie eine Überschreitung der Baugrenzen genehmigt. „Es ist ein Geben und Nehmen“, fasste Heilinglechner zusammen. Er ist zuversichtlich, dass die überarbeitete Variante im Rat Zustimmung finden wird. Die Fraktionssprecher seien in der Elefantenrunde mit dem Vorgehen einverstanden gewesen. „Das Gespräch war von allen Seiten konstruktiv.“
Mit der Tektur des Gebäudes alleine sind allerdings noch nicht alle Vorbehalte des Ausschusses vom Tisch. Das Gremium hatte auch die Fassadengestaltung des Parkhauses bemängelt. Stadt und Investor einigten sich auf ein schrittweises Vorgehen. „Wenn es von der Politik positive Signale zu den Tektur-Plänen gibt, wird in einem weiteren Schritt ein neuer Vorschlag zur Fassadengestaltung erarbeitet.“
Die Stadtratsfraktionen haben dazu bereits Ideen eingebracht, die Heilinglechner erläuterte. Die CSU möchte das Gebäude analog zum Paradiesweg-Parkhaus gestalten. Die SPD regte eine Blechkonstruktion mit der Silhouette von Wolfratshauser Sehenswürdigkeiten und Motiven an. Bürgervereinigung und Grüne wünschen sich eine Holz-Verkleidung. Der Investor kennt laut Bürgermeister die Anregungen des Gremiums zur Optik des Gebäudes. Völlig frei ist der Bauherr bei der Gestaltung nicht. „Die Seite zur Wohnbebauung muss wegen des Lärmschutzes auf jeden Fall geschlossen werden, in Richtung der Loisach muss die Wand geöffnet sein“, so der Bürgermeister. Der Tekturantrag des Investors wird den Räten laut Heilinglechner frühestens im September vorliegen. Mit einem Baubeginn in diesem Jahr rechnet der Bürgermeister nicht mehr. Der Investor war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Lösung für Feuerwehr gesucht
Die Stadt lässt prüfen, ob im Parkhaus Plätze für Einsatzkräfte der Feuerwehr reserviert werden können. Es sei jedoch fraglich, wie den Frauen und Männern im Notfall die unverzügliche Zufahrt ermöglicht werden kann, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner in einem Pressegespräch im Rathaus. Zwei Varianten kommen in Betracht: eine eigene Zufahrt für die Einsatzkräfte oder eine Signalschaltung, die die Schranken des Parkhauses bei einem Alarm automatisch hochfahren lässt. „Wir versuchen, eine Lösung für die Feuerwehr zu finden“, betonte der Rathauschef. Wie berichtet hatte sich die Feuerwehr gegen die Parkhauspläne gestellt. In einem Brandbrief bemängelte sie die schwere Zufahrt zum Gerätehaus, das direkt hinter dem geplanten Bauwerk steht.
Dominik Stallein