Fünfmal gegen verschlossene Glastür

Wolfratshauser (24) randaliert in Tankstelle - und greift zu ungewöhnlicher Maßnahme

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Betrunken ist ein Wolfratshauser (24) ausgerastet. (Symbolbild)
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Ein Wolfratshauser (24) gerät betrunken außer Kontrolle - nicht zum ersten Mal. Nach seinem Ausraster in einer Tankstelle nimmt sein Leben eine überraschende Wendung.

Wolfratshausen – Der Mann auf der Anklagebank vermittelte das Bild eines „völlig unproblematischen jungen Mannes“, wie sein Verteidiger feststellte. Aber das ist nur die eine Seite des 24-Jährigen, der in Handschellen ins Gericht geführt worden war. „Wenn er getrunken hatte, ist er regelmäßig ausgetickt“, erzählte ein ehemaliger Freund (41).

Besonders extrem war es am 29. Mai 2017. An jenem Montag verbrachten die beiden Männer den Nachmittag gemeinsam und leerten dabei auch die eine oder andere Flasche. Gegen 22.50 Uhr wollte der Angeklagte in der Shell-Tankstelle an der Königsdorfer Straße noch zwei Bier kaufen. Als die Verkäuferin ihm dies verweigerte, weil er augenscheinlich betrunken war, drehte der junge Bursche durch. Mit zwei Flaschen in der Hand wollte er laut Zeugenaussagen flüchten. Dabei rannte er gegen die inzwischen automatisch verriegelte Glastür. Vier, fünf Mal wuchtete er seinen Körper gegen die Tür, bis sie aus den Angeln flog. Seinem Freund gelang es mithilfe eines Passanten, den Randalierenden zu Boden zu bringen. Als die alarmierte Polizei eintraf, brüllte der Mann herum, beleidigte die Polizisten als „Scheiß-Bullen, Hurensöhne, Arschlöcher“, und trat wild um sich. Vier Beamte konnten ihn schließlich überwältigen.

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Er habe an den Vorfall so gut wie keine Erinnerung, erklärte der 24-Jährige, der sich nun wegen Beleidigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Bedrohung vor Gericht verantworten musste. „Ich weiß nur, dass ich zwei Flaschen in der Hand hatte, ab dann habe ich einen Filmriss.“ Die Erinnerung setzte erst wieder ein, als die Polizisten ihn mit Handschellen und zusammengebundenen Füßen aus der Tankstelle trugen. Am nächsten Tag habe ihm sein Freund erzählt, „ich sei total außer Kontrolle gewesen“. Ein Zeuge berichtete, der Mann sei „voll besoffen und nicht mehr zurechnungsfähig“ gewesen. Diese Vermutung teilte eine medizinische Gutachterin. Sie bestätigte, dass die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit mindestens sehr stark eingeschränkt, vermutlich aber vollständig aufgehoben gewesen sei.

Dass die Verhandlung mit fast zweijähriger Verspätung stattfand, lag daran, dass der Angeklagte sich längere Zeit auf Sizilien aufhielt. Dorthin hatte er sich bald nach dem Ausraster abgesetzt, weil er zuvor vom Amtsgericht München zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden war. „Ich wollte den Kopf freibekommen“, begründete er seine Flucht. Nach einem Jahr als Schafhirte habe er beschlossen, nach Deutschland zurückzukehren und sich zu stellen. „Ich will ein neues Leben anfangen“, beteuerte der 24-Jährige. Richter Helmut Berger verurteilte ihn wegen fahrlässigen Vollrauschs zu weiteren sechs Monaten Gefängnis.

rst

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