VonCarl-Christian Eickschließen
Die Wolfratshauser Altstadt soll aufgewertet werden. Angesichts eines leeren Stadtsäckels ein ambitioniertes Vorhaben.
Wolfratshausen – Unsere Altstadt soll (noch) schöner werden: Diesem Ziel haben sich die Stadträte verschrieben. Der Prozess zur beschlossenen Aufwertung der Altstadt begann im Herbst 2018 – im Moment ist ein Mosaikstein des Gesamtbilds Gegenstand einer kontroversen Diskussion: die Versetzung des Marienbrunnens. Ein Argument der Gegner: Das Vorhaben kostet 200 000 Euro. Wie viel Geld die Kommune voraussichtlich insgesamt in das Großprojekt investieren muss, kann der Bürgermeister noch nicht sagen: „Wir sind erst in der Vorentwurfsphase“, erklärt Klaus Heilinglechner auf Nachfrage unserer Zeitung.
Wolfratshauser Bürgermeister zu Kosten der Altstadt-Aufwertung: „Aktuell reine Kaffeesatzleserei“
Wie berichtet soll dem Bereich zwischen der städtischen Musikschule am Untermarkt und der Littig-Villa im Süden ein frischer Anstrich verpasst werden. Unter anderem soll die Marktstraße breiter und der Verkehr mehr oder minder aus der Innenstadt verbannt werden. Stattdessen soll sich die Aufenthaltsqualität erhöhen, um mehr Menschen in die historische Altstadt zu locken.
Im Mai 2019 fasste der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss, im Herbst vergangenen Jahres präsentierte das Münchner Büro Mahl-Gebhard-Konzepte (mgk) wie berichtet Vorentwürfe. Wenig später legte der Stadtrat noch einmal nach: Gegen die Stimmen der drei Vertreter der Wolfratshauser Liste erweiterte das Gremium den Planungsauftrag um die Neugestaltung des Platzes vor der Littig-Villa an der Beuerberger Straße.
Wolfratshauser Bürger schlug Versetzung des Marienbrunnens vor
Die Entscheidung, den Marienbrunnen einige Meter in Richtung Marktstraße zu verschieben, fiel heuer im April. Den Vorschlag machte im Rahmen der Bürgerbeteiligung der Wolfratshauser Wilhelm Eilers – die Stadträte Helmut Forster, Richard Kugler (beide Wolfratshauser Liste) sowie Helmuth Holzheu, Josef Praller und Maximilian Schwarz (alle Bürgervereinigung) lehnten das Ansinnen ab. 15 Räte votierten dafür, legten aber Wert darauf, dass nicht die Axt an die Platanen rechts und links neben dem Brunnen gelegt werden dürfe. Wie berichtet hadert die Wolfratshauser Liste mit dem Beschluss und sammelt derzeit Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt des Marienplatzes in seiner jetzigen Form.
Altstadt-Aufwertung: Das ist der Stand der Dinge
Wie aber steht’s um das Gesamtprojekt? „Aktuell finalisieren unsere Planungsbüros Mahl-Gebhard-Konzepte und BPR Dr. Schäpertöns Consult die Vorentwurfsplanung“, antwortet Bürgermeister Heilinglechner. „Der Vorentwurf muss dann in einer der nächsten Sitzungen im Stadtrat beschlossen und die Entwurfsplanung, die Detailplanung für den Einbahnstraßenbereich zwischen Johannisgasse und Bahnhofstraße eingeleitet werden“, so der Rathauschef weiter. Genau dies sehe der Grundsatzbeschluss vom Mai 2019 vor.
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Für die Fortsetzung der Planungen im laufenden Jahr seien „ausreichend Restmittel im Haushalt eingestellt“. Der fertige Entwurf werde bei einer Bürgerinformation in der Loisachhalle der Öffentlichkeit vorgestellt. Heilinglechner: „Dann kann die Ausführungsplanung fortgesetzt werden und ein konkreterer Zeitplan entstehen.“ Der Bürgermeister verweist auf das Onlineportal zur Stadtentwicklung auf der Homepage der Kommune. Dort könne sich jedermann persönlich ein Bild von „bisherigen Meilensteinen“ machen und sich über den aktuellen Sachstand von Einzelvorhaben informieren. Dass sich in der Flößerstadt „viel bewegt“, betont Heilinglechner, „zeigt dieser Überblick sehr schön auf“.
Wir sind erst in der Vorentwurfsphase, jegliche Aussage zu Kosten wäre aktuell reine Kaffeesatzleserei.
Noch kein Sterbenswörtchen sagten Planer und Bürgermeister bisher zu den voraussichtlichen Gesamtkosten der Altstadt-Aufwertung. Zu dem Thema will sich Heilinglechner auch jetzt nicht einlassen: „Wir sind erst in der Vorentwurfsphase, jegliche Aussage zu Kosten wäre aktuell reine Kaffeesatzleserei.“ Das Büro mgk äußert sich als Auftragnehmer der Stadt grundsätzlich nicht zu dem konkreten Projekt. Die Anfrage zum Thema Investitionskosten wird ganz pauschal beantwortet: „Die Kosten für Innenstadt-Aufwertungen sind sehr individuell, je nach Umfang, Ausstattung, Sanierungsgrad, etcetera und werden immer projektspezifisch ermittelt.“
Wolfratshausen derzeit finanziell nicht auf Rosen gebettet
Die finanzielle Lage der Loisachstadt ist alles andere als rosig. Vor allem die anstehende Generalsanierung und Erweiterung des Schulstandorts am Hammerschmiedweg ist kostspielig. Rund 50 Millionen Euro wird die Stadt in den nächsten Jahren investieren. Die Kommunalaufsicht hat bereits den Zeigefinger gehoben und Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung angemahnt. Zweimal trafen sich Rathauschef und Fraktionssprecher bereits aus diesem Grund zu internen Gesprächen, das nächste Mal nach Informationen unserer Zeitung am 18. Juli. Nicht ausgeschlossen sind Steuer- und Gebührenerhöhungen. (cce)
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