Am Freitagmittag bleibt die Küche kalt

Darum ändert das Traditionsgasthaus Humplbräu seine Öffnungszeiten

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Zu wenig los: Im Humplbräu gibt es künftig am Freitag keinen Mittagstisch mehr.
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Das Traditionsgasthaus Humplbräu am Obermarkt ändert ab diesem Freitag seine Öffnungszeiten. Inhaber Otmar Fagner hat sich schweren Herzens dafür entschieden – aus einem bestimmten Grund.

Wolfratshausen – Otmar Fagner seufzt. „Mei, es geht einfach kein G’schäft mehr“, sagt der Inhaber des Gasthofs Humplbräu am Obermarkt. Deshalb haben sich er und seine Familie schweren Herzens dazu entschieden, freitags keinen Mittagstisch mehr anzubieten. Das älteste Wirtshaus der Stadt öffnet ab diesem Freitag erst um 17 Uhr.

„Eher rentiert es sich einfach nicht mehr“, sagt der Geschäftsführer in vierter Generation. Gründe für die fehlende Kundschaft zur Mittagszeit gibt es mehrere. Die Schließung des Isar-Kaufhauses „hat schon wehgetan“, doch ausschlaggebend seien die Auswirkungen des Grünen Marktes gewesen. Er findet seit 2014 in der Altstadt statt, weshalb die Marktstraße freitags von 5 bis 13 Uhr für den Verkehr gesperrt wird. Vom Untermarkt bis zum Humplbräu reihen sich dann Obst- und Gemüsestände. „Die Leute kaufen dort ein und danach bringen die Sachen nach Hause in den Kühlschrank – nicht zum Mittagessen ins Wirtshaus“, sagt der 53-Jährige.

Familie Fagner probierte es mit Aktionen wie einem Weißwurstfrühschoppen, sperrte mal früher, mal später auf. Doch geholfen habe nichts. „Wenn man statt 60 bis 100 Mittagessen nur noch zwischen 15 und 30 verkauft, ist das nicht wirtschaftlich“, sagt Fagner. Hinzukomme der Lohn für die bis zu sechs Bedienungen, „die mittags aber kaum Arbeit haben“.

Neben dem Markt macht der Gastronom die Verkehrsführung in der Innenstadt für das Ausbleiben der Gäste verantwortlich. Fagner ist überzeugt: „Wenn die Einbahnstraßen-Regelung für die Marktstraße in die andere Richtung gelten würde, kämen viel mehr Leute in die Altstadt.“ Dann würden nämlich die Autos von der Autobahn über die Äußere Beuerberger Straße in die Marktstraße fahren. Durch die Einbahnstraße werden sie außenrum durch die Stadt geleitet. Dort fehle es wiederum an ausreichender Beschilderung, wie man in die Innenstadt gelangt. „Die Auswärtigen, die uns nicht kennen, finden nicht zu uns rein. Und die, die uns kennen, kommen nicht, weil sie nicht vor der Haustür parken können.“

„Früher waren wir der beste Mittagstisch hier. Und heute?“

Zudem habe sich das Essverhalten im Laufe der Zeit geändert. „Am Mittag nimmt sich kaum einer mehr die Zeit, zum Essen ins Wirtshaus zu gehen. Und eine Leberkaassemmel gibt’s mittlerweile bei jedem Bäcker.“ Otmar Fagner seufzt noch einmal. „Früher waren wir der beste Mittagstisch hier. Und heute?“

Aufgeben will der Wirt, dessen Urgroßvater den Humplbräu vor über 100 Jahren gekauft hat, trotzdem nicht. „Wir schauen mal, wie das neue Konzept läuft.“ Abends kämen immer noch viele Gäste gezielt in den Gasthof am Obermarkt. Für Familienfeiern und Gruppen ab 25 Personen wird das Wirtshaus weiterhin am Freitagmittag öffnen. mh

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