VonCarl-Christian Eickschließen
Der Wolfratshauser Ex-Stadtrat Paul Brauner hat das Maßband zur Hand genommen - und die Breite zahlreicher Parkplätze in der Stadt ausgemessen. Nun stellte er dem Bürgermeister eine Frage.
Wolfratshausen – Wer den ehemaligen Wolfratshauser CSU-Kreis- und Stadtrat Paul Brauner kennt, der weiß: Er beherrscht den großen Zahlenraum und nimmt’s mit den Zahlen auch sehr genau. Nun hat Brauner die Breite von zahlreichen Parkplätzen im Stadtgebiet akkurat nachgemessen – und wollte in der jüngsten Bürgerfragestunde vor Beginn der Stadtratssitzung von Bürgermeister Klaus Heilinglechner wissen: Warum werden die „unguten“ Parkplatzbreiten am westlichen Loisachufer hinter dem Rathaus nicht den Zeichen der automobilen Zeit angepasst?
Ex-Stadtrat misst Breite von öffentlichen Parkplätzen - und stellt „Ungutes“ fest
Folgendes Rechercheergebnis präsentierte Brauner dem Rathauschef: Die Pkw-Plätze in der neuen Tiefgarage unter dem Edeka-Markt an der Sauerlacher Straße sind 285 Zentimeter breit. Dies habe er „zu seiner Freude“ festgestellt. Zum Vergleich: Die von der Baugenossenschaft Wolfratshausen Am Floßkanal angelegten Stellflächen sind laut Brauner 250 Zentimeter breit, die auf dem Loisachhallenparkplatz 247 bis 257 Zentimeter und die im Parkhaus von XXXLutz am Hans-Urmiller-Ring 245 Zentimeter breit.
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Stellplätze hinterm Wolfratshauser Rathaus für SUVs zu schmal
Die Stellflächen hinterm Rathaus „haben eine Breite von 227 bis 234 Zentimetern“, dozierte Brauner. Die seien sozusagen aus der Zeit gefallen. Denn aller Empörung von Umweltschützern zum Trotz erfreuen sich sogenannte SUVs großer Beliebtheit. Laut der Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ rollten im ersten Halbjahr dieses Jahres fast 572 000 neue Geländewagen und SUVs auf die Straße. Bei insgesamt 1 396 870 Neuzulassungen in Deutschland kommen die häufig überbreiten Fahrzeugmodelle damit auf einen Marktanteil von 41 Prozent. Mehr als jeder dritte in Deutschland neu zugelassene Pkw ist ein SUV beziehungsweise Geländewagen.
Brauner, selbst Halter eines handelsüblichen Modells eines bayerischen Motorenwerks, hat sich schlau gemacht: Ein „Sport Utility Vehicle“ nimmt links und rechts bis zu zehn Zentimeter mehr Platz ein als ein „normales“ Auto. Vor diesem Hintergrund fordere der ADAC 15 bis 20 Zentimeter breitere Parkplätze, die in Berlin beheimatete Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen sogar eine Breite von 265 Zentimetern.
Mit Blick auf die Stellflächen südlich der Andreasbrücke erwarte er nun Taten, sagte Brauner. Die Antwort „das werden wir mit der Altstadtsanierung mitmachen“ werde er nicht akzeptieren – „die habe ich schon vor sieben Jahren vom Bürgermeister gehört“. Gegenüber unserer Zeitung ergänzte Brauner, dass ihm sehr wohl bewusst sei, dass eine Verbreiterung der Parkplätze mit dem Verlust einiger Stellflächen einhergehe.
Ex-Stadtrat Brauner: „Kleinigkeiten können auf Dauer zum Ärgernis werden“
Da er als ehemaliger Stadtrat wisse, dass Investitionswünsche immer mit einem Finanzierungsvorschlag versehen sein müssten, legte er diesen Rathauschef und Räten vor: „An der Sudetenstraße in Waldram befinden sich bei der Brücke über den Loisach-Isar-Kanal 24 Parkplätze auf städtischem Grund.“ Diese würden von „immer denselben“ belegt. Die Kommune könnte von jenen 24 Dauerparkern eine monatliche Gebühr von zehn Euro verlangen, regte Paul Brauner an. Das wären – großer Zahlenraum – 2880 Euro im Jahr. Mit diesem Geld könnte eine Fachfirma hinterm Rathaus neue Markierungen auftragen. „Eine provisorische Änderung“ bis zum Beginn der beschlossenen Altstadt-Aufwertung. Man könne seinen Vorschlag als „Kleinigkeit“ bezeichnen, „aber Kleinigkeiten können auf Dauer zum Ärgernis werden“.
Wie von Brauner gewünscht, „werde ich Ihnen jetzt keine Antwort geben“, sagte Bürgermeister Heilinglechner zum Thema Parkplatzbreiten. Die angebliche Dauerbelegung öffentlicher Parkplätze an der Sudetenstraße „werden wir prüfen“. (cce)
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