Kulturausschuss des Stadtrats hat entschieden

Posthume Ehrung von Wehrmachtsoffizier: Dieser Text kommt auf die Gedenktafel

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Die Zeitzeugen Hans Reiser (li.) und Christian Steeb – hier auf der Andreasbrücke in Wolfratshausen – stießen im Herbst 2020 die posthume Ehrung des Wehrmachtsoffiziers Dr. Karl Luber an. Er verhinderte am 30. April 1945 unter anderem die Sprengung der Andreasbrücke durch die „SS“.
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„Der „Retter von Wolfratshausen“, Major Dr. Karl Luber, wird posthum geehrt. Nun hat sich der Kulturausschuss des Stadtrats auf den Text für die Gedenktafel geeinigt. Sie wird an der Andreasbücke angebracht.

Wolfratshausen – Vor zwei Jahren stießen die Zeitzeugen Christian Steeb und Hans Reiser die posthume Ehrung von Major Dr. Karl Luber an. Jetzt einigten sich die Mitglieder des Kulturausschusses des Stadtrats auf den Text für die Gedenktafel, die an den „Retter von Wolfratshausen“ erinnert. Spätestens am 30. April 2024 soll die Messing- oder Bronzetafel an der Andreasbrücke angebracht werden. Für Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) hätte das vor dem historischen Hintergrund „einen gewissen Charme“: Luber bewahrte am 30. April 1945 zwei Wolfratshauser vor der Ermordung durch „SS“-Schergen – und verhinderte die kurz bevorstehende Sprengung der Andreasbrücke.

Posthume Ehrung von Wehrmachtsoffizier: Dieser Text kommt auf die Gedenktafel in Wolfratshausen

Der Umgang mit Protagonisten aus der Zeit des „Dritten Reichs“ ist heikel. Daher verließen sich Rathauschef Klaus Heilinglechner und die Stadträte nicht allein auf die akribische Recherche von Hobby-Historiker Steeb. Im März 2021 wurde Stadtarchivar Simon Kalleder beauftragt, die Vita Lubers noch einmal penibel zu durchleuchten. Kalleder forschte im Bundesarchiv, im Militärarchiv in Freiburg und im Personenarchiv in Berlin, um alle Zweifel auszuräumen. Fazit: Steebs Erkenntnisse hätten sich „bestätigt“. Es spreche nichts gegen die Würdigung des 1977 verstorbenen Wehrmachtsoffiziers.

Luber rettete unter Lebensgefahr zwei Wolfratshauser vor der „SS“

Luber war wie berichtet Ende des Zweiten Weltkriegs Kommandant des Landesschützenbataillons in Wolfratshausen – und rettete am 30. April 1945 unter Lebensgefahr Vize-Mesner Ignaz Leeb und Mesner-Witwe Karoline Engelhardt. Die hatten – verfrüht – am Kirchturm der Sankt-Andreas-Kirche am Marienplatz eine weiße Fahne gehisst, das Zeichen der Kapitulation. Schwer bewaffnete, fanatische „SS“-Männer wollten die zwei sofort aufhängen – Luber steckte Leeb und Engelhardt in der damaligen Knabenschule (dem späteren Isar-Kaufhaus) in „Schutzhaft“ und rettete sie so vor dem sicheren Tod.

War in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs Kommandant des Landesschützenbataillons in Wolfratshausen: Major Dr. Karl Luber.

Noch am selben Tag durchkreuzte Luber den Versuch der „SS“, die Andreasbrücke, damals Untere Loisachbrücke genannt, zu sprengen. Auf seinen Befehl hin wurde das mit der Zerstörung betraute Kommando mit vorgehaltener Pistole überrascht. Die „SS“ flüchtete, beherzte Bürger warfen die mit Sprengstoff gefüllte Kisten in die Loisach. Er habe als Fünfjähriger zu dem Zeitpunkt nur wenige hundert Meter entfernt von der Brücke gespielt, so Steeb. „Ich hätte die Explosion sicher nicht überlebt.“

Am Abend ging Major Luber den vorrückenden Panzern der US-Armee entgegen – und rief den Besatzungen zu: „Hier wird nicht gekämpft. Ich übergebe Ihnen hiermit den Markt Wolfratshausen.“

„Gegen das Vergessen“

Auf der Gedenktafel, die an der Andreasbrücke angebracht werden soll, wird folgender Text unter dem Titel „Gegen das Vergessen“ zu lesen sein:

„Dr. Karl Luber war Major des Landesschützenbataillons in Wolfratshausen. Er rettete unter Lebensgefahr zwei Geiseln am 30.4.1945 vor der Ermordung durch die SS. Ebenso konnte er durch die Verhinderung der Sprengung der Andreasbrücke, sowie die kampflose Übergabe des Marktes an die US-Armee am Abend des gleichen Tages, Wolfratshausen vor weiteren Kriegshandlungen bewahren. Am Vormittag hatten schon fünf Anwohner die erste Sprengladung unter Einsatz ihres Lebens in die Loisach geworfen.“

Auf der Messing- oder Bronzetafel wird laut Beschluss des Kulturausschusses des Stadtrats zudem ein QR-Code angebracht. Der führt zu weiteren Texten über das Geschehen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in der Loisachstadt. (cce)

Geboren wurde Luber am 8. April 1896 in München als Sohn eines Bierbrauers. Fast vier Jahre verbrachte er im Ersten Weltkrieg an der Westfront. Zunächst politisch weit rechts stehend, näherte er sich der Sozialdemokratie an. 1923 heiratete er eine Tochter von Erhard Auer, von 1918 bis 1933 SPD-Vorsitzender in Bayern.

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Der NSDAP trat der Apotheker Luber nicht bei. Im November 1933 schloss er sich dem „Stahlhelm“ an, ein Bund von Ex-Frontsoldaten. 1934 wurde der „Stahlhelm“ in die Reserve der „Sturmabteilung“ (SA) überführt und diese 1937 in die Partei. Somit war Luber seit 1937 automatisch Mitglied der NSDAP. Zeitzeugen berichten, dass er aus seiner Abneigung gegen die Nazis kein Hehl machte. Den „Heil-Hitler“-Gruß soll er verweigert und stattdessen konsequent „Grüß Gott“ gesagt haben.

Bei Entnazifizierung nach dem Krieg wird Luber freigesprochen

Bei der Entnazifizierung nach Ende des Krieges wurde er freigesprochen. Luber arbeitete als Oberregierungsrat bei der Bayerischen Ärzteversorgung. Für seine Verdienste beim Aufbau der Ärzteversorgung in Bayern erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Luber starb am 7. Februar 1977.

Zeitnah, so der Tenor im Kulturausschuss, soll die rund 3000 Euro teure Gedenktafel an der Andreasbrücke angeschraubt werden. Eine kleine offizielle Feier am 30. April nächsten Jahres wäre für Dritte Bürgermeisterin Heinloth vorstellbar, „gerne aber auch schon früher“. Den Initiatoren der Würdigung Lubers, Christian Steeb und Hans Reiser, kann es zwei Jahre nach ihrem Vorstoß natürlich nicht schnell genug gehen.

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