VonMagdalena Höcherlschließen
Floßfahrten durch die Altstadt: Der Stadtrat beriet über den Vorschlag von Alfred Fraas – und kam zu einem einstimmigen Ergebnis.
Wolfratshausen – Floßfahrten durch die Loisachsstadt wünscht sich Kulturreferent Alfred Fraas, um „die Flößerei in unserer Stadt erlebbar zu machen“. Der CSU-Stadtrat möchte, dass die Flöße künftig auf Höhe des Wertstoffhofs ablegen und auf der Loisach durch die Altstadt fahren können. Über diesen Vorschlag beriet der Stadtrat am Dienstagabend – und kam einstimmig zu dem Ergebnis, die Grundvoraussetzungen prüfen zu lassen.
Im Vorfeld hatten die Floßmeister Franz und Josef Seitner im nichtöffentlichen Teil der Sitzung einmal mehr betont, dass sie von der Idee nichts halten. „Das ist ein richtiger Schmarrn“, sagt Josef Seitner auf Nachfrage unserer Zeitung. Er ist davon überzeugt, dass sich der finanzielle Aufwand nicht lohnt und fürchtet, dass Anwohner gegen den Lärm klagen würden. Da die Floßfahrten selbst von „Gaudi, Bier, Brotzeit und Musik“ lebten, sei der Fahrbetrieb durch die Stadt schlicht „nicht möglich“.
Stadtrat Fraas stört die Absage der Flößer nur wenig. Er ist der Meinung, dass auch ein anderer Betreiber die Floßfahrten durch die Altstadt durchführen könnte. Seitner beruft sich jedoch auf das Flößerrecht, das seine Familie seit Generationen innehat. „Das gibt es seit dem 13. Jahrhundert, die Flößer waren dadurch geschützt und deren Familien bei Todesfällen abgesichert.“ Nach seinen Worten besitzen nur drei Unternehmen dieses Erbrecht in Wolfratshausen: Er, sein Cousin Franz Seitner sowie Michael Angermaier aus Arzbach. Dass die Regierung von Oberbayern in und um Wolfratshausen niemand anderem das Recht erteilen könne, davon ist Floßmeister Seitner überzeugt. „Denn so wie wir es können, beherrscht das Handwerk niemand mehr.“ Die Ratsmitglieder wollen sich dahingehend informieren. Renate Tilke erinnerte an den Titel Internationale Flößerstadt, den Wolfratshausen nicht umsonst tragen würde. „Wir sollten an die nächsten Generationen denken – auch an die nächste Flößergeneration. Vielleicht kommt da ein Umdenken“, sagte die CSU-Rätin. Ihr Fraktionskollege Dr. Manfred Fleischer erklärte, die Kommune wolle „keine Konkurrenz zu den Flößern, sondern eine zusätzliche Attraktion für Wolfratshauser und Touristen“. Es sei eine „gewisse Posse“, dass – abgesehen von der Johanni-Floßprozession – nie ein Gefährt durch die Internationale Flößerstadt fahre.
CSU-Rat Helmuth Holzheu berichtete von einer Information des Landesfischereiverbands, der die Pläne problematisch sehe und die Notwendig einer Umweltverträglichkeitsprüfung betone. Manfred Menke (SPD) plädierte dafür, zunächst einmal die Wasserrechte für das am Kastenmühlwehr geplante Schachtkraftwerk zu prüfen.
„Sonst vergibt man sich eine Chance, die man vielleicht bereut“
Grünen-Fraktionssprecher Dr. Hans Schmidt stieß ins selbe Horn und sprach sich dafür aus, zugleich grundsätzlich die Flößerrechte abzuklären, bevor weitere Einzelheiten diskutiert werden. Helmut Forster von der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) pflichtete ihm bei. Er sprach sich dafür aus, die Rechtslage von der Regierung klären zu lassen. „Sonst vergibt man sich eine Chance, die man vielleicht bereut.“
Der Stadtrat beschloss einstimmig, den Bürgermeister damit zu beauftragen, mit den Fachbehörden und der Regierung von Oberbayern abzuklären, welche Voraussetzungen nötig sind, um einen Floßbetrieb zwischen dem Wertstoffhof und der Floßlände in Weidach zu etablieren. mh
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