Fünf Kandidaten gibt es in Wolfratshausen für das Bürgermeisteramt. Bei der Podiumsdiskussion in der Loisachhalle erklären sie, wie sie die Stadt voranbringen wollen.
Wolfratshausen – Wolfratshausens Stadtrat gilt nicht gerade als Hort der Harmonie. Umso erstaunlicher, dass sich die fünf Bürgermeisterkandidaten, alle sitzen sie im Gremium, am Ende der Podiumsdiskussion ziemlich lieb hatten. Günther Eibl (CSU), kindlicher Berufswunsch Astronaut, würde sich mit Sozi Manfred Menke auf dem Weg zum Mond gerne die Raumkapsel teilen. „Das wäre sehr unterhaltsam, und der Text würde nie ausgehen.“ Menke, redseliger Mathelehrer am Gymnasium St. Matthias, würde Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW), falls gewünscht, mit Freuden Nachhilfe geben. Heilinglechner wiederum möchte mit allen Kontrahenten in Weidach surfen gehen. „Und wer das nicht will – gell, Herr Kugler – mit dem gehe ich Motorradlfahren.“ Die Wohngemeinschaft erprobte Annette Heinloth (Grüne) stellte sich den Bürgermeister als idealen WG-Partner vor. „Ich denke, dass Herr Heilinglechner meist gute Laune hat und bereit ist, Aufgaben zu übernehmen.“ Und Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) hielt sich auf die Frage von Susanne Weiß, Redaktions-Vize des Isar-Loisachboten-/Geretsrieder Merkur, wem in der Runde er während der Fastenzeit zu Verzicht raten würden, vornehm zurück: „Wenn, dann mir selbst. Weniger Süßigkeiten könnten helfen.“
Launig endete sie also, die zweistündige Gesprächsrunde vor 600 Zuhörern, zu der die Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen und unsere Zeitung in die Loisachhalle geladen hatten. Auch bei den Fragen, die Redaktionsleiter Carl-Christian Eick und Weiß ihnen zuvor zu verschiedenen Themenbereichen gestellt hatten, ritt keiner aus dem Quintett Attacken auf den politischen Gegner.
In vielen Bereichen gleicht sich der Weg, den die Kandidaten als Bürgermeister(in) gehen würden. Einigkeit herrschte auf dem Podium darin, dass die Schaffung von neuem Wohnraum auf dem begrenzten Stadtgebiet schwierig werden wird. Eibl, Heinloth und Menke sehen einen Ausweg darin, „mehr in die Höhe zu bauen“. Immerhin: Die Problematik sei in den Köpfen angekommen, sagt Menke, „das macht uns Entscheidungen künftig leichter“. Heilinglechner verwies auf die Wohnbauprojekte während seiner zu Ende gehenden Amtszeit – unter anderem die 52 neue Wohnungen an der Schlesierstraße. „Wo es möglich ist, passiert schon was.“
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Um die Attraktivität der Stadt zu steigern, möchte Eibl „ein Flussbad schaffen“ – eine Freizeiteinrichtung, die andere Städte längst erfolgreich umgesetzt haben. Heilinglechner setzt auf den 2018 gestarteten Bürgerbeteiligungsprozess zur Verschönerung der Altstadt und erwartet „erste Entwürfe im September“. Heinloth möchte die Innenstadt für Flaneure attraktiver machen, indem sie den Verkehr verlangsamt. „Die Autos dort ganz rauszubringen, werden wir leider nicht schaffen.“ Dafür aber „hoffentlich die Umgestaltung des Loisach-Westufers“.
Das umstrittene Parkhaus am Hatzplatz möchte bis auf Heilinglechner („Man sollte nach Beschlüssen im Stadtrat nicht ständig zurückrudern“) eigentlich keiner haben. Eibl, Menke und Heinloth würden es als Rathauschef(in) im Stadtrat zur Diskussion stellen, „obwohl es“, so der CSU-Mann, „hart wird, aus den Verträgen mit dem Investor herauszukommen“. Kugler möchte zwar ein Parkhaus, allerdings an anderer Stelle: „Die Grundstücke hinter dem Isar-Kaufhaus wären ideal, dort wäre Raum für 298 Stellplätze.“ Kuglers Idee vom Obermarkt-Parkhaus sollte sich zum Running Gag des Abends mausern, sieht der 56-Jährige in ihr doch die Lösung für weitere Probleme Wolfratshausens.
Der überbordende Autoverkehr ist ein Dauerthema in der Stadt. An verschiedenen Stellen, wie der Roma-Kreuzung, „haben wir gearbeitet“, so Heilinglechner, doch weil die Autos immer mehr werden, „läuft der Verkehr nicht flüssiger“. Der Amtsinhaber will den Individualverkehr eindämmen, favorisiert den Ausbau des ÖPNV und das Fahrrad. Denn: „Auf eine Umgehung dürfen wir nicht warten, wir wissen alle, wie lange wir schon auf S-Bahnverlängerung hinarbeiten.“ Menke möchte „den Stadtbus optimieren“, Kugler wünscht sich Fahrradstraßen und bedauert, „dass wir einen Schutzstreifen für Radler an der Faulhaberstraße nicht verwirklicht haben“. Auch Heinloth baut auf das Radl, will dafür „Straßen, Stellplätze, Leihsysteme und Ladestationen für E-Bikes“ schaffen. „Es steht dafür ein Fördergeld-Topf von 1,5 Milliarden Euro für Kommunen bereit. Daraus müssen wir uns was holen.“ Eibl plädierte für Anreize, damit die Bürger auf Pedelecs und Lastenfahrräder umsteigen. „Autos zu verbieten, hilft uns nicht weiter.“
Blick nach Eurasburg: Punktsieg für den Platzhirsch
Was die Zukunft der Stadt betrifft, möchte SPD-Mann Menke für Verkehr, Klimaschutz und Energie „gemeinsam mit den Bürgern ein Leitbild erarbeiten“. Kugler liegt am Herzen, „die Situation im Markt mit Fingerspitzengefühl zu verbessern“ – auch mit besagtem Parkhaus. Grün sind selbstredend Heinloths Pläne: Sie will aus Wolfratshausen eine „Gemeinwohl-Ökonomiestadt“ machen, „in der Wirtschaft und Handel dem Wohl aller Bürger dienen“. Eibl möchte die interkommunale Zusammenarbeit forcieren, „nicht nur mit Geretsried, sondern auch mit Icking und Egling“. Ihm schwebt ein gemeinsames Bauamt, ein gemeinsames Mobilitätsmanagement und ein gemeinsamer Flächennutzungsplan für das Mittelzentrum vor. Dem Titelverteidiger blieb das Schlusswort: Ihm werde „unser wunderschönes Wolfratshausen“ zu oft schlecht geredet, mahnte Heilinglechner. Bleibe er Bürgermeister, wisse er, wie er dagegen ankämpfen werde: mit der Aufwertung des westlichen Loisachufers, einer – im Hinblick auf den demografischen Wandel – ausreichenden Seniorenbetreuung und, als Fernziel, „einem Hochschulstandort auf der Geltinger Fläche“.
peb
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