- VonPeter Herrmannschließen
Bei der Bergwaldbühne kommen die Stadträte ins Schwärmen. Die Veranstaltungsstätte ist aber marode - nun soll ein Experte die Kosten für eine Sanierung ermitteln
Wolfratshausen – Als „touristisches Alleinstellungsmerkmal“ und „einmaligen Ort“ würdigen Stadträte aller Fraktionen die oberhalb der Altstadt gelegene Spielstätte, die Bergwaldbühne. Die in diesem Jahr vor Ort festgestellten Mängel ließen einen Rückbau der Veranstaltungsstätte wahrscheinlich wirken (wir berichteten). Doch noch ist nicht aller Tage Abend.
Wolfratshausen: Stadträte wollen Bergwaldbühne erhalten - Kostenfrage ist ungeklärt
Der von Dritter Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) geleitete Kulturausschuss des Stadtrats beauftragte den Ersten Bürgermeister Klaus Heilinglechner am Donnerstag einstimmig, einen Sachverständigen einzuschalten. Der soll die Kosten für verschiedene Varianten einer Sanierung der Spielstätte ermitteln. Dabei soll besonders die Wahrung des Bestandsschutzes der Freiluftbühne berücksichtigt werden.
Bergwaldbühne hat Bestandsschutz - deswegen ist eine grundlegende Sanierung ein Risiko
„Nach Rücksprache mit der Unteren Bauaufsichtsbehörde kann von der bestehenden Baugenehmigung nur noch dann Gebrauch gemacht werden, wenn lediglich Ausbesserungsarbeiten an der Bühne vorgenommen werden“, erläuterte Heinloth den Ausschussmitgliedern. Bei einer grundlegenden Sanierung müsste ein gänzlich neuer Bauantrag gestellt werden. „Ob dieser genehmigungsfähig sein wird, ist jedoch fraglich“, hieß es in der Sitzungsvorlage des Ausschusses.
Die 2018 erstellte und inzwischen aktualisierte Mängelliste ist lang. So gibt es im Bergwald beispielsweise keine öffentlichen Toiletten, sodass die Mitarbeiter der Stadtwerke zu den bisherigen Kulturveranstaltungen Dixi-Klos aufstellten. Zudem mussten ein Notstromaggregat für die Technik und ein Technikturm aufgebaut werden. Für Künstler steht nur ein Pagodenzelt auf der Bühne, aber keine Garderobe zur Verfügung. Außerdem bestünden bei Gewitter Risiken für die Besucher. Für kurzfristige Verlegungen mussten stets Ausweichmöglichkeiten wie beispielsweise das Foyer der Loisachhalle freigehalten werden.
Vorschlag der Liste Wor: Marienbrunnen nicht verschieben - und mit diesem Geld die Bergwaldbühne sanieren
Trotz dieser Probleme lehnten alle Gremiumsmitglieder einen Rückbau ab. „Wir sind für den Erhalt der Bergwaldbühne, wenn es finanziell stemmbar ist“, sprach Dr. Manfred Fleischer für die Wolfratshauser Liste. Sein Finanzierungsvorschlag: Der Stadtrat soll in seiner öffentlichen Sitzung am kommenden Dienstag (18 Uhr, Loisachhalle) den Beschluss zur Verschiebung des Marienbrunnens in der Altstadt aufheben. Die dadurch eingesparte Summe in Höhe von rund 200 000 Euro könnte in die Renovierung der Bergwaldbühne investiert werden.
„Einzigartige Spielstätte“ und ein „Alleinstellungsmerkmal“: Wolfratshauser Stadtrat möchte Bergwaldbühne erhalten
Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen) nannte die Naturbühne eine „einzigartige Spielstätte“. Vor einer endgültigen Entscheidung sei jedoch eine Schätzung der Wiederherstellungskosten notwendig. Jugendreferentin Jennifer Layton (Grüne) befürwortete ebenfalls den Erhalt eines „Alleinstellungsmerkmals, um das uns alle beneiden“. Dr. Patrick Lechner (FDP) empfahl neben einer Sanierung auch Instandhaltungsmaßnahmen. „Sonst stehen wir in zehn Jahren vor demselben Problem“, warnte er.
Renate Tilke, Vize-Vorsitzende der CSU-Fraktion, erinnerte an die derzeit sehr knapp bemessenen Haushaltsmittel. „Mehr als 20 000 Euro sollte die Kostenprüfung nicht betragen“, so Tilke. Welche Gesamtsumme für die Ertüchtigung der seit Jahren verwaisten Freiluftbühne tatsächlich in die Hand genommen werden muss, ist vor dem Sachverständigengutachten nicht abzusehen.