Wolfratshausen

Stadtrat übt in Rathaus-Magazin Kritik an Kollegen: Das sagt der Bürgermeister dazu

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Die druckfrische Ausgabe der Rathaus-Broschüre „Wolfratshausen aktuell“ sorgt für Diskussionen.
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Im Interview mit dem Rathaus-Magazin nimmt ein Wolfratshauser Stadtrat kein Blatt vor den Mund. Der Bürgermeister verteidigt den Beitrag.

Wolfratshausen – Die druckfrische Ausgabe des Rathaus-Magazins „Wolfratshausen aktuell“ wird im Kreis der Stadträte fleißig diskutiert. Der Grund ist ein Interview mit Stadtrat Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste). In dem Interview, dessen Verfasser in der Rathaus-Broschüre nicht genannt wird, kritisiert Fleischer die „Gutachteritis“, an der einige Bürgervertreter seiner Diagnose zufolge leiden – und er kritisiert die vom Stadtrat beschlossene Versetzung des Marienbrunnens in der Altstadt. Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung), für das Druckwerk im Sinne des Presserechts verantwortlich, verteidigt den Beitrag.

Wolfratshausen: Stadtrat übt in Rathaus-Magazin Kritik an Kollegen: Das sagt der Bürgermeister dazu

Das Magazin (Auflage: rund 9200 Stück), das dreimal im Jahr kostenlos an die Bürger verteilt wird, erscheint seit Anfang 2021 in neuem Gewand. Das erklärte Ziel der Macher: Die Stadt solle „positiv“ präsentiert werden, betonte seinerzeit der Rathauschef. 40.000 Euro lässt sich die Kommune diese Öffentlichkeitsarbeit pro Jahr kosten. Es gehe nicht um Politik, so Heilinglechner. Allerdings haben die fünf Fraktionen im Stadtrat insgesamt zwei DIN A4-Seiten Platz, den sie eigenverantwortlich mit Inhalten füllen. Ansonsten nehme der Stadtrat keinen Einfluss auf die Rathausbroschüre. „Es geht allein um den Transport von Informationen“, erklärte Heilinglechner bei der Vorstellung des Magazins nach der Frischzellenkur vor gut einem Jahr.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass manche Stadtratskollegen vergessen haben, warum sie im Stadtrat sind.

Stadtrat Dr. Fleischer im Interview mit dem Rathaus-Magazin

Das doppelseitige Interview mit Stadtrat Fleischer allerdings steht nicht im Verdacht, unpolitisch zu sein. Anlass des Gesprächs mit dem ehemaligen Sprecher der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag war eine Ehrung durch Innenminister Joachim Herrmann. Er zeichnete den Waldramer kürzlich mit der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze aus (wir berichteten). Fleischer, Ex-Bürgermeisterkandidat der Wolfratshauser CSU, blickt in dem Interview („Ich bin ein wertkonservativer Ökologe“) unter anderem auf sein politisches Wirken zurück – und erklärt, welche Positionen er für die Wolfratshauser Liste im Stadtrat vertritt: Die Gruppierung habe stets den Stadtsäckel im Blick und sei gegen „Nice to have“-Projekte „wie die Surfwelle“ oder „eine unnötige Brunnenversetzung, die mehrere Hunderttausend Euro kostet“.

Stadtrat Fleischer geißelt „Gutachteritis“ in Wolfratshausen

Stets nur „Ingenieurbüros und Agenturen zu beauftragen“, die „Ideen präsentieren, die keiner braucht“, hält Fleischer für „Berateritis“. Er habe „den Eindruck, dass manche Stadtratskollegen vergessen haben, warum sie im Stadtrat sind“; nämlich weil die Bürgerschaft ihnen Vertrauen geschenkt hat „und wir ihre Interessen vertreten sollen“. Seine Amtskollegen lässt er wissen: „Stadtrat zu sein, ist kein Selbstzweck.“

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Auch die beschlossene Aufwertung der Altstadt werde von „Gutachteritis“ geplagt, moniert der 67-Jährige. Die beschlossene Versetzung des Marienbrunnens sei reine Geldverschwendung. Wie berichtet hat die Wolfratshauser Liste, Fleischers Gruppierung, ein Bürgerbegehren gegen die 15:5-Entscheidung des Stadtrats initiiert. „Wo sind denn die Wolfratshauser, die eine Brunnenversetzung wollen? Die würde ich gerne mal sehen“, so Fleischer im „Wolfratshausen aktuell“-Interview.

40.000 Euro pro Jahr: Rathaus-Broschüre wird vom Steuerzahler finanziert

Einigen Mandatsträgern ist das zu viel Lokalpolitik in der vom Steuerzahler finanzierten Bürgerinformationsbroschüre. „Wir bekommen nur ein paar Zeilen im hinteren Teil des Blatts – und Herr Dr. Fleischer darf groß für die Wolfratshauser Liste Werbung machen“, kritisiert eine Stadträtin, die anonym bleiben möchte. Und Bürgermeister Heilinglechner? Der erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass das Interview „gelungen“ sei und ihm der Beitrag als Verantwortlicher nicht „durchgerutscht ist“. Stadtrat Fleischer, so der Rathauschef, „äußert im Interview seine persönliche politische Meinung, die von uns selbstverständlich respektiert und nicht zensiert wird“. Die „Haltung“ des Liste-WOR-Vertreters „zu unterschiedlichen Themen der Stadt ist kein Geheimnis“.

Im Übrigen zeige das Interview auch auf, dass das Rathaus-Magazin nicht „die Zeitung des Bürgermeisters ist“, so Heilinglechner, sondern „das Magazin der Stadt, das in seiner Pluralität die breite Meinungsvielfalt der gewählten Stadtratsmitglieder respektiert und abbildet“. (cce)

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