Seit vier Jahren wird diskutiert

Untermarkt 10: Wieder keine Lösung –  Bürgermeister unterstellt „politisches Kalkül“

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Noch hat der Stadtrat die Kurve nicht gekriegt: Wie mit der maroden städtischen Immobilie am Untermarkt 10 (li.) verfahren wird, steht auch vier Jahre nach Beginn der Debatte nicht fest.
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Mit einem gemeinsamen Antrag wollten CSU, SPD und Grüne den Knoten durchschlagen. Doch die Zukunft der vier städtischen Immobilien in der Altstadt steht nach wie vor in den Sternen.

Wolfratshausen – Seit vier Jahren zählt die denkmalgeschützte Immobilie am Untermarkt 10 zu einem immer wiederkehrenden Thema auf der Agenda des Stadtrates. Ursprünglich sollte ein Bürgerladen in das Eckhaus einziehen, mal wollte die Kommune ihre prominente, aber marode Liegenschaft selbst sanieren, schließlich wurde in Erbpacht ein Investor gesucht. Ein solcher steht mittlerweile Gewehr bei Fuß, doch einen Vertrag mit dem Interessenten wollten die Bürgervertreter schließlich doch nicht unterzeichnen. In der Ratssitzung am Dienstagabend präsentierten CSU, SPD und Grüne einen neuen Vorschlag, der neben dem Gebäude am Untermarkt 10 auch die ehemalige Happsche Apotheke, den sogenannten Boodevaar-Turm und das alte Pumpenhaus am Loisachufer betrifft.

Untermarkt 10: StäWo nun doch zur Sanierung bereit

In Kurzversion: Der Untermarkt 10 soll von der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (StäWo) saniert und dann „von der Stadt genutzt und zu 100 Prozent von der StäWo zurückgemietet“ werden, erläuterte CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl. Das Heimatmuseum bleibt im Obergeschoss, im Erdgeschoss sollen das Stadtmanagement und das „Tourismusbüro“ der Stadt einziehen. Der Antrag der drei Fraktionen sieht darüber hinaus vor, die Entscheidung über die Sanierung der ehemaligen Happschen Apotheke zurückzustellen und das alte Pumpenhaus am westlichen Loisachufer weiterhin vom Verein „Bürger für Bürger“ nutzen zu lassen. Der kürzlich von der Kommune gekaufte Boodevaar-Turm, der wie berichtet der Stabsstelle Stadtmanagement, Wirtschaftsförderung und Tourismus ein Dach über dem Kopf gibt, soll mittelfristig „durch die Verwaltung“ genutzt werden. Für die Stabsstelle soll stattdessen ein Platz im (sanierten) Untermarkt 10 bereitgestellt werden.

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Er sei „verwundert“, stellte Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW) fest. Im Juli 2017 hätten SPD, Grüne und Bürgervereinigung beschlossen, dass die StäWo das Gebäude am Untermarkt sanieren soll. Dieser Plan habe sich jedoch zerschlagen, nachdem StäWo-Geschäftsführer Lothar Ortolf das Projekt abgelehnt habe. Unter anderem, weil die Wohnungsbaugesellschaft – eine hundertprozentige Tochter der Stadt – die Sanierung finanziell nicht stemmen könne. Nun habe Ortolf seine Meinung offenbar geändert und darüber „nur Teile des Stadtrates informiert“, kritisierte Heilinglechner. Zusätzlich pikant: Der Bürgermeister ist Aufsichtsratsvorsitzender der StäWo und wusste nach eigenen Worten nichts von der Rolle rückwärts des Geschäftsführers. Nach der Absage Ortolfs im Sommer 2017 hatte der Stadtrat die Vergabe des Untermarkts 10 an einen Investor beschlossen, nun wiederum solle doch die StäWo zum Zuge kommen. Dieses Hin und Her könne er nicht nachvollziehen.

Völlig unverständlich war für den Rathauschef der Vorschlag, die Stabsstelle Stadtmanagement wieder aus dem Boodevaar-Turm rauszuwerfen. 180.000 Euro seien laut Stadtratsbeschluss investiert worden, um in dem Turm Arbeitsplätze für Stadtmanager Dr. Stefan Werner und sein Team zu schaffen – und nun der geforderte Umzug: „Wenn wir so mit unserem Geld umgehen...“, meinte der Bürgermeister.

Heilinglechner wies mit Blick auf die Liegenschaft am Untermarkt 10 darauf hin, dass es einen potenziellen Erbpachtnehmer geben würde, der „großes Interesse“ an der Sanierung des mit Schadstoffen belasteten Objekts habe. Das habe dieser der Stadt schriftlich versichert. Und: Der Investor „ist auch bereit, das Heimatmuseum im Obergeschoss zu belassen“.

Heilinglechner unterstellte den Antragstellern, aus „politischem Kalkül“ zu handeln. „Es geht nicht um eine sachliche, sondern um eine politische Entscheidung.“ Der Öffentlichkeit solle der Eindruck vermittelt werden, dass in Wolfratshausen „nichts weitergeht“. Dem sei aber nicht so: Es gebe Beschlüsse, die aus ihm nicht erklärlichen Gründen immer wieder infrage oder gar auf den Kopf gestellt würden, bilanzierte der Rathauschef. „Klare Ansage: Das ist kein politisch motivierter Antrag“, entgegnete Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD). SPD-Fraktionssprecher Fritz Meixner bezeichnete die Aussagen Heilinglechners als „unlauter“ und „nicht korrekt“.

Annette Heinloth: „Animositäten bringen uns nicht weiter“

Annette Heinloth (Grüne) holte die Kuh schließlich zumindest vorläufig vom Eis: „Animositäten, wer wann was gesagt oder getan hat, bringen uns nicht weiter.“ Sie wolle eine Abstimmung auf Biegen und Brechen auf jeden Fall verhindern, „denn ich fürchte Kräfte in diesem Gremium, die die gefassten Beschlüsse torpedieren werden“. Heinloth plädierte für eine Bedenkzeit, in der ein Vorschlag erarbeitet wird, der von einer breiten Stadtratsmehrheit getragen wird. BVW-Fraktionsvorsitzender Josef Praller stieß ins selbe Horn: „Ich will keine Kampfabstimmung. Ich fälle hier auch keine Beschlüsse, um sie später wieder aufzuheben.“

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Praller beantragte um kurz vor 20 Uhr eine Sitzungsunterbrechung, um Zeit für interfraktionelle Gespräche zu haben. Sechs Minuten später formulierte Eibl einen Antrag zur Geschäftsordnung: CSU, SPD und Grüne zogen ihren Antrag zurück – bis Oktober soll die Bürgervereinigung mit ins Boot geholt werden. In der nächsten Stadratssitzung soll dann endgültig über den Dauerbrenner Untermarkt 10 sowie die drei übrigen Immobilien in der Altstadt entschieden werden. Mit diesem Vorgehen waren alle Stadträte einverstanden. cce

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