VonCarl-Christian Eickschließen
Der Wolfratshauser Stadtrat entbindet Rudi Seibt von seinem Amt. Wenige Minuten später wurde Nachrücker Hans-Georg Anders vereidigt.
Wolfratshausen – Seit Dienstagabend um 18.20 Uhr ist Rudi Seibt ein Ex-Stadtrat. Der Grünen-Politiker schied wie berichtet auf eigenen Wunsch aus dem Gremium aus. Der Rat entsprach dem Wunsch Seibts, von seinem Amt entbunden zu werden, in seiner letzten Sitzung vor der politischen Sommerpause einstimmig.
Weniger Diplomat, mehr Mann klarer Worte – Wolfratshauser Grünen-Stadtrat gibt Amt auf
Der 71-Jährige gehörte dem Stadtrat seit Februar 2016 an. Er rückte seinerzeit für seine Parteifreundin Sibylle Ulbrich nach, die aus beruflichen Gründen zurückgetreten war. „Ich hatte das Gefühl, dass man etwas bewegen kann, statt immer nur zu schimpfen und zu meckern“, erklärte Seibt am Dienstag seine Motivation, sich als Lokalpolitiker zu engagieren. Seine „verbleibende Zeit“ wolle er ab sofort „noch wichtigeren Dingen widmen“.
„Was gibt’s Wichtigeres“, als als Stadtrat zu wirken, fragte Bürgermeister Klaus Heilinglechner schmunzelnd. Er dankte dem Ausscheider im Namen der Stadt und stellte fest: „Wir waren nicht immer einer Meinung“, doch die Zusammenarbeit sei stets „gut gewesen“. Er schätze, dass Seibt sein „technisches Wissen“ eingebracht habe, „Sie waren eine Bereicherung für den Stadtrat“.
Auch die Fraktionschefin der CSU, Claudia Drexl-Weile, verhehlte nicht, „dass wir nicht immer einer Meinung waren“. Doch die Christsozialen und der Grünen-Politiker hätten trotz aller Widersprüche dasselbe Ziel vor Augen gehabt: das Wohlergehen von Wolfratshausen.
„Im Detail“ habe man sich durchaus „gerieben“, vor allem in den Sitzungen des Bauausschusses des Stadtrats, sagte Josef Praller, Sprecher der Bürgervereinigung Wolfratshausen. Er zitierte Drexl-Weile: „Wir hatten aber immer dasselbe Ziel vor Augen.“
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Ein Mann klarer Worte – ehemalige Kollegen verabschieden Seibt mit lobenden Worten
Seibt habe hohe, „manchmal zu hohe Erwartungen“ gehabt, meinte Manfred Menke (SPD). Häufig habe der 71-Jährige auf eine „schnellere Reaktionszeit“ der Mitarbeiter der Stadtverwaltung gesetzt, unterstellte Menke als Grund für die eine oder andere emotionale Nachfrage Seibts. Wichtig sei: Sieben Jahre habe Seibt die Fahne für Klima- und Umweltschutz hochgehalten, „vielen Dank für diese sieben Jahre“.
Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik sei „ein ausgemachter Fachmann auf dem Sektor Energie“, konstatierte Helmut Forster, Fraktionsvorsitzender der Wolfratshauser Liste. „Wir waren nicht immer einer Meinung“, doch er, Forster, erinnere sich gerne an „interessante Diskussionen“.
In 70 Stadtratssitzungen seit 2016 habe sich ihr Parteifreund unter anderem für die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden, für mehr Fahrradfreundlichkeit, für mehr Bürgerbeteiligung eingesetzt – und „Gutachten und Studien“ zurecht kritisch hinterfragt, bilanzierte die Sprecherin der Grünen-Fraktion, Assunta Tammelleo. Sie räumte ein, dass Seibt „bei der Wortfindung nicht in der Diplomatenschule gewesen ist“. Er sei ein Mann „klarer Worte“. Tammelleo dankte Seibt ausdrücklich dafür, dass vor allem „unsere jungen Fraktionskollegen viel von Dir lernen konnten“.
Für den 71-Jährigen in den Stadtrat nachrücken sollen hätte aufgrund des Ergebnisses der Kommunalwahl 2020 Carolin Mayr. Die, das gab Bürgermeister Heilinglechner bekannt, habe jedoch aus persönlichen Gründen auf das Mandat verzichtet. Auch der nächste Listennachfolger der Grünen – Jimi Tammelleo – wolle sein Mandat nicht antreten, so Heilinglechner. Somit vereidigte der Rathauschef am Dienstagabend Hans-Georg Andres um Punkt 18.30 Uhr als neuen Wolfratshauser Stadtrat. Der 66-Jährige, Leiter der Immobilien-Abteilung des Erzbischöflichen Ordinariats in München, schwor Treue dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaats Bayern – „so wahr mir Gott helfe“.
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