Konzept vorgestellt

Wolfratshauser Jugendbeirat wird ganz anders als in Geretsried und Penzberg

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Geburtsstunde: Aus dem vergangenen Jugendforum kam die Anregung, einen Jugendbeirat zu gründen.

Fünf Wolfratshauser Jugendliche hatten sich mehr politische Mitbestimmung für ihre Altersgruppe gewünscht und den Stein so ins Rollen gebracht. Die Lösung: ein Jugendbeirat.

Wolfratshausen – „Wir wollen ein Jugendparlament“ – vier Mädchen und ein Junge aus Wolfratshausen forderten vergangenes Jahr im Jugendforum mehr Mitbestimmung für junge Wolfratshauser. Familienreferentin Gerlinde Berchtold (SPD) und Jugendreferentin Kathrin Kugler (Bürgervereinigung) erarbeiteten daraufhin gemeinsam mit den Initiatoren ein Konzept, das nun umgesetzt werden soll. Cordula Schnellbach von der mobilen Jugendarbeit stellte die Eckpunkte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Jugend, Sport und Soziales vor.

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Künftig soll ein Gremium im Kinder- und Jugendförderverein (KJFV) Wolfratshausen eingerichtet werden. Darin wieder finden sich die fünf Initiatoren, Vertreter beider Kirchen-Jugenden, ein Vertreter des Jugendhauses La Vida sowie ein Mitglied der Roll-Active-Initiative, die sich um den Skateplatz in Waldram kümmert. Das Alter der Mitglieder soll zwischen 13 und 18 Jahren liegen. Für ein Jahr gehören die Jugendlichen dem Gremium an, das sich im monatlichen Rhythmus treffen soll. Laut Familienreferentin Berchtold ist diese Periode sinnvoll: „Eine langfristige Bindung über mehrere Jahre schreckt viele junge Leute ab.“

Den Nachwuchs-Politikern zur Seite stehen Fritz Meixner, Geschäftsführer des KJFV, Schnellbach, Berchtold und Kugler. „Wir haben aber keine Stimmrechte, sondern sind lediglich in beratender Funktion dabei, um die Jugendlichen zu unterstützen“, erklärte Jugendarbeiterin Schnellbach.

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Einige Punkte sind vorab noch zu klären, wie Meixner erläuterte: „Wir sollten uns überlegen, den Jugendlichen ein Budget für ihre Planungen einzurichten. Außerdem steht eine Entscheidung aus, in welcher Form der Jugendbeirat Anträge und Wünsche an den Stadtrat formulieren kann.“ Geplant sei ein halbjährlich stattfindendes Treffen des Beirats mit dem Bürgermeister. Außerdem sollen die Sprecher des Gremiums regelmäßig in Ausschuss- und Stadtratssitzungen angehört werden, wenn dessen Mitglieder über jugendspezifische Themen diskutieren.

Meixner begrüßte die dezentrale Ansiedelung des Parlaments: „Der Jugendbeirat entsteht bei uns von unten nach oben.“ Jugendliche hätten die Initiative ergriffen und ein Konzept erarbeitet. „Es wird ihnen nichts von städtischer Seite übergestülpt.“ In Geretsried und Penzberg, wo der Weg andersherum gegangen wurde, sei es daher schwierig, ausreichend Beteiligte zu finden, die sich engagieren möchten. Sollte sich der Beirat etablieren, könne man zu einem späteren Zeitpunkt immer noch darüber nachdenken, den Beirat in einen städtischen Rat umzuwandeln.

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CSU-Stadtrat Peter Plößl regte an, für dieses Projekt an die Schulen heranzutreten: „Es gibt dort Jugendliche, die sich in einer Schüler-Mitverantwortung engagieren.“ Einige davon könnten Interesse haben, sich auch über die Schule hinaus zu engagieren. Grünen-Rätin Anette Heinloth reagierte erstaunt auf die Präsentation: „Ich höre davon zum ersten Mal.“ Sie begrüße eine jugendliche Mitsprachemöglichkeit. „Aber ich befürchte, dass sich durch die Ansiedelung im KJFV eine Gruppe zusammentut, die eh affin zum Verein ist.“ Da das aber kein repräsentativer Querschnitt durch die Wolfratshauser Jugendlichen sei, hadere sie damit. „Auf der anderen Seite hat es den Charme, dass es so natürlich schnell und einfach umsetzbar ist.“ Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) lobte das Engagement: „Es ist positiv, wenn die Wünsche der Jugendlichen ein Sprachrohr erhalten.“

Dominik Stallein

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