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Schüler und Senioren sollen in Wolfratshausen kostenlos mit dem Stadtbus fahren können. Der Stadtrat beschloss in seine Sitzung am Dienstag einen einjährigen Probebetrieb.
Wolfratshausen – Der Wolfratshauser Stadtbus soll attraktiver werden und mehr Bürger dazu bewegen, auf Fahrten mit dem eigenen Pkw zu verzichten. Dies ist der Hintergrund eines Antrages, den Alfred Fraas (CSU), Manfred Menke (SPD), Peter Ley (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW)) und Dr. Hans Schmidt (Grüne) am Dienstagabend dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorlegten.
Die vier Gremiumsmitglieder bilden eine Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit der Linienführung sowie der Möglichkeit einer Kostenbefreiung für Schüler und Senioren auseinandergesetzt hat. „Wir wollen den Individualverkehr verringern“, betonte Peter Ley. Zwar hat das Stadtbussystem nach Ansicht von Alfred Fraas derzeit einen „attraktiven Takt“, der an Werktagen an den S-Bahn-Fahrplan angepasst ist. Dennoch gebe es noch Optimierungspotenzial.
So seien beispielsweise die klein ausgedruckten Fahrpläne an einigen Haltestellen gerade für Menschen mit Sehbehinderungen nur schwer zu entziffern. „Die Pläne könnten Augenärzte für ihre Sehschärfetests verwenden“, witzelte Peter Plößl (CSU). Alfred Fraas hat deshalb einen übersichtlicheren Fahrplan-Entwurf angefertigt, der an die jeweiligen Haltestellen angebracht werden könnte.
Zudem gibt es schwach genutzte Anfahrtsorte des Stadtbusses, die zugunsten einer besseren Linienführung aufgelöst werden könnten. Fraas nannte hier die Schießstättstraße. Sinnvoller wäre seiner Ansicht nach, dass neben der Linie 301 auch die Linie 302 die Margeritenstraße anfährt, damit die dortigen Discountmärkte noch bequemer zu erreichen sind.
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Für eine rege Debatte sorgte im Stadtrat der Vorschlag, für zwei Nutzergruppen einen gebührenfreien Stadtbusverkehr einzurichten. „Schüler sollen ganzjährig kostenlos fahren, damit eine Alternative zu den weitverbreiteten Mama-Taxis entsteht“, wünscht sich Manfred Menke. Diese Regelung soll auch für Senioren ab einem Alter von 65 Jahren gelten. Die Mehrkosten, die der Stadtverwaltung für die Realisierung dieser Maßnahmen entstehen, bezifferte Menke mit rund 44 000 Euro. Der Vorteil: Wenn die Stadt Freikarten ausgibt und diese bezahlt, erhöhen sich damit auch die Einnahmen des Stadtbusses. Hans Schmidt rechnete vor: „Die Stadt bekommt diese Auslagen zwei Jahre später wieder zurück: Sie verliert also nur den Betrag, den diese Personengruppen bisher selbst getragen haben.“
Dagegen hatten die Stadträte zwar nichts einzuwenden. Die Meinungen gingen jedoch auseinander, wie und in welcher Form die kostenlosen Tickets ausgegeben werden sollen. Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) plädierte dafür, eine Jahreskarte an die betreffenden Altersgruppen zu verschicken. Der Stadtrat beschloss letztlich, dass die Stadt möglichst schon ab September im Bürgerbüro gegen Vorlage eines Personalausweises personenbezogene Monatsfahrkarten für Wolfratshauser Bürger ab 65 ausgibt. Schüler sollen unabhängig von der Entfernung Wohnung-Schule ab dem kommenden Schuljahr kostenlos fahren dürfen. Zeitkarten werden wie bisher für den jeweiligen Ausbildungstarif zur Verfügung gestellt.
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Die Kosten für diese Maßnahmen sollen über die im Verwaltungshaushalt 2019 bereitgestellten Gelder für den Stadtbus finanziert werden. Nach Erhalt der Abrechnung des ersten Jahres soll der Stadtrat über eine Fortführung dieser Maßnahme beraten. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob eine Veränderung der Linienführung an der Margeritenstraße möglich ist. Bürgermeister Klaus Heilinglechner wurde beauftragt, die beschlossenen Maßnahmen mit dem Landkreis und dem MVV abzustimmen – eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.