Bäume, Wasser und wenig Verkehr

Workshop: Bürger sammeln Ideen für die „Neue Mitte“

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Konzentrierte Gesichter: Am Freitagabend ließen sich die Teilnehmer auf den Stand der Dinge bringen. Am Samstag entwickelten sie Ideen.

„Danke für die vielen Inputs“, sagte Bürgermeister Michael Müller am Ende. Stadtplaner Klaus Kehrbaum und der Stadtrat haben in der Tat jede Menge Anregungen aus dem Bürger-Workshop „Neue Mitte Geretsried – Gestaltung des öffentlichen Raums“ vom Wochenende erhalten.

Geretsried 45 Geretsrieder nutzten am Freitagabend und Samstag die Chance, bei der Gestaltung des künftigen Zentrums mitzureden. Teils waren sie gezielt von der Stadt ausgewählt worden, weil sie Interessensgruppen wie Einzelhändler oder Menschen mit Behinderung vertreten. 300 Bürger waren per Zufallsprinzip angeschrieben worden, davon sagten 20 zu. Der Rest hatte sich selbst angemeldet. Auch Alt-Bürgermeisterin Cornelia Irmer sowie zwei neu gewählte Jugendräte machten mit. In drei Arbeitsgruppen entwickelten sie unter der Moderation der Architektin und Stadtplanerin Stephanie Utz und ihrem Team Ideen für die Neue Mitte, auch T-Zone genannt, das heißt für Karl-Lederer-Platz und Egerlandstraße. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Verkehr

Die Gruppe, für die Stephan Heinle und Thomas Martin bei der Abschlusspräsentation sprachen, wünscht sich einen Karl-Lederer-Platz, auf dem Begegnungen, Veranstaltungen und „Entschleunigung“ stattfinden können. Fußgänger und Radfahrer sollen in der gesamten T-Zone Vorrang erhalten. Martin: „Wir wünschen uns so wenig Autoverkehr wie möglich.“ Geparkt werden soll in der Tiefgarage und in den Nebenstraßen. Harald Abel schloss sich dem im Namen der zweiten Gruppe an. Nur bei wenig Verkehr entstehe eine Wohlfühl-Atmosphäre: „Man kann sich in ein Café setzen, Kinder können draußen spielen.“

Etwas anders sieht das Ludwig Schmid, Vorsitzender des Einzelhändlervereins ProCit und Sprecher der dritten Gruppe. Er will den Verkehr nicht aus der Innenstadt verbannen, weil eine Fußgängerzone oder ein „shared space“-Modell (Vorrang für Radfahrer und Fußgänger) seiner Meinung nach in Geretsried nicht funktionieren würden. Wenn das Parken in der Tiefgarage oder etwas außerhalb doppelt so lange dauere wie das Einkaufen, würden kleine Geschäfte wie Bäckereien, Apotheken und Lottoläden leiden. Schmids Vorschlag sind wenige, oberirdische Kurzzeitparkplätze, die allerdings strikt überwacht werden müssten. Erst nach der Verlegung der Bundesstraße 11 sollte man über eine Fußgängerzone oder Ähnliches nachdenken.

Stephanie Utz ermunterte die Geretsrieder, sich planerisch alle Möglichkeiten offen zu halten. Bürgermeister Müller zeigte sich positiv überrascht, dass die Mehrheit eine Verkehrsberuhigung wolle, die auch ihm persönlich gefallen würde, wie er sagte.

Zentraler Platz

Die Teilnehmer möchten den Karl-Lederer-Platz als Treffpunkt für alle gestalten. Darüber hinaus könnte sich eine Gruppe vor Waldmanns Café-Lounge und im Rathaus-Innenhof weitere kleine Plätze vorstellen. Schmid regte an, auf einer Fläche wie eine Art „Stolperstein“ die Größe einer Baracke farblich abgesetzt abzubilden, um an die Geschichte der Heimatvertriebenen zu erinnern. Auch an einen Platz für den Maibaum der Egerländer Gmoi solle gedacht werden.

Bäume und Wasser

Wasser gehört für alle drei Gruppen in die Stadt an der Isar. Einige wünschen sich einen Bachlauf vom Rathaus bis hin zum Bauernladen, um noch den Fasanenweg in die T-Zone einzubeziehen. Auch Bäume wollen die Geretsrieder in ihrer guten Stube. Schmid meinte, der Baum, das Wasser und das Gewerbe seien schließlich schon im Stadtwappen verewigt. Hochbeete, essbare Pflanzen und Wildblumenrabatte waren weitere Vorschläge.

Bodenbelag
und „Möblierung“

So schön manche Natursteine sind, im Sinne der Barrierefreiheit votierte die Mehrheit der Teilnehmer doch für einen ebenen, glatten Bodenbelag. Den hellen Betonboden in Bregenz, der bei der Fahrt der Stadt nach Memmingen und Bregenz kürzlich besichtigt worden war, nannten einige als Vorbild.

Bänke, Stühle, Pflanzentröge und Poller sollten mobil sein, damit sie bei Veranstaltungen auf die Seite geräumt werden könnten. Originelle Spielgeräte für Kinder, Trinkbrunnen und eventuell ein paar kleine Skaterrampen für Jugendliche stehen ebenfalls auf der Wunschliste. Die Brunnenfiguren sollen wieder einen Ehrenplatz erhalten. Der Vorschlag einer Teilnehmerin, eine Marienfigur zu errichten, fand keine Unterstützer.

Weiteres Vorgehen

Bürgermeister Michael Müller wird die Ergebnisse des Workshops dem Stadtrat vorlegen. Dieser wird die Ideen zusammen mit Fachleuten diskutieren und entscheiden, was davon umsetzbar ist. „Verkehrsrechtlich oder rechtlich lässt sich manches vielleicht nicht verwirklichen“, räumt Müller ein. Der Karl-Lederer-Platz könne Mitte bis Ende nächsten Jahres, wenn die Gebäude „Puls G“ und „Centrum 20“ stehen, gestaltet werden. Die Egerlandstraße werde voraussichtlich 2020 aufgerissen, wenn die Baugenossenschaft mit dem Bau ihres Wohn- und Geschäftsgebäudes, das sogenannte „BGZ Zwo“, beginne.

Tanja Lühr

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