XXXLutz kauft nur Immobilie

Aus für Möbel Mahler: Verdi kündigt Demos an

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Die Gerüchte haben sich bestätigt, dass XXXLutz in Wolfratshausen einsteigt. Bei dem Bild handelt es sich um eine Fotomontage.
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Wolfratshausen - Möbel Mahler in Wolfratshausen schließt. Inzwischen ist klar, wann das Haus schließt. Und, dass XXXLutz die Immobilie gekauft hat. Verdi hält das Vorgehen für "scheinheilig".

Möbel Mahler in Wolfratshausen schließt voraussichtlich am 31. Januar 2016. Das haben die Inhaber Gerhard und Michael Mahler am Donnerstag mitgeteilt. Am Haupteingang und vor dem Restaurant im ersten Stock lagen entsprechende Infozettel für die Kunden aus.

Die Gewerkschaft Verdi kündigt derweil Demos an - die Mitarbeiter wollen am Standort Wolfratshausen nicht kampflos aufgeben. 260 Arbeitsplätze sind in Gefahr, darunter 30 Azubis. Was aus ihnen wird, ist unklar. Die IHK versucht zu helfen.

XXXLutz übernimmt Immobilie von Möbel Mahler

Inzwischen

Mit diesem Aufsteller informiert Möbel Mahler am Donnerstag seine Kunden.

steht auch fest, dass doch XXXLutz in Wolfratshausen einsteigen wird. Der Möbelriese aus Österreich hat über eine zur Firmengruppe gehörenden Gesellschaft allerdings nur die Immobilie erworben. Aus gut informierten Kreisen heißt es, XXXLutz wolle an den Standorten Wolfratshausen und Bopfingen Filialen der Discount-Linie Möbelix eröffnen. Die Verkaufsaktion im Moment könnte dazu dienen, Mahler-Mitarbeiter freizusetzen, um sie dann später zu neuen, sehr wahrscheinlich viel schlechteren Konditionen anzuwerben, spekuliert die Gewerkschaft Verdi. Unser Redakteur Volker Ufertinger findet in seinem Kommentar, dass die Übernahme einen faden Beigeschmack hat.

Georg Waesler von Verdi hält die Stellungnahmen der Familie Mahler für scheinheilig. Tatssache sei, dass der Betriebsrat am Montag zum Flughafen München zitiert worden sei, wo den Mitarbeitern das Ende des Möbelhauses kurz und knapp mitgeteilt worden sei. Die Familie Mahler sei in Begleitung eines Anwalts der Lutz-Gruppe aufgetaucht, mit dem die Gewerkschaft schon einige harte Auseinandersetzungen ausgefochten habe. „Der Betriebsrat ist da vollkommen überfahren worden.“

Nach Aus für Möbel Mahler: Mitarbeiter planen Demonstrationen

Der langjährige Gewerkschaftsmann Waesler vermutet ein abgekartetes Spiel, eine „echte Sauerei“. Er fürchtet, dass sich XXXLutz dem gesetzlich geregelten Betriebsübergang entziehen will. Wenn nämlich ein Unternehmen ein anderes übernimmt, muss es laut Bürgerlichem Gesetzbuch eigentlich auch in dessen Pflichten eintreten und etwa die langfristigen Verträge von Mitarbeitern weiterführen. Das aber passe nicht in das Konzept von XXXLutz, wo man lieber mit Zeitverträgen und Provisionen arbeite. Es könnte also sein, so Waesler, dass Mahler Ende Januar das Haus am Hans-Urmiller-Ring quasi besenrein übergibt, XXXLutz ein paar Monate verstreichen lässt und dann wieder eröffnet – aber mit völlig neuem Personal.

Wie knallhart das Unternehmen agiert, hat Waesler schon mehrfach miterlebt. Verdi geht es nun darum, dass die Mitarbeiter die Gehälter und Abfindungen bekommen, die ihnen zustehen. „Der Verkauf der Immobilie dürfte der Familie Mahler ja genügend Geld gebracht haben.“ Für die nächsten Tagen kündigt Waesler Demos an.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner nimmt die Nachricht mit dem XXXLutz-Immobiliendeal mit gemischten Gefühlen auf. "Ich hoffe nur, dass da kein Billigmöbelladen reinkommt." Der Rathauschef will Kontakt mit der Gesellschaft aufnehmen, die Möbel Mahler gekauft hat. "Ich will fragen, ob die sich vorstellen können, dass man auf dem Gelände noch etwas anderes außer Möbel unterbringen kann." Eine konkrete Idee habe er schon, wolle aber nicht mehr sagen, "um keine Pferde scheu zu machen".

Alles zum
">Aus von "Möbel Mahler" lesen sie hier
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Warum wird das Möbelhaus Mahler in Wolfratshausen geschlossen?

Seniorchef Gerhard Mahler sagt in dem Schreiben an die Kunden, sein Unternehme wolle sich auf den neuen Standort in Neu-Ulm konzentrieren. Für die laufenden Bestellungen in Wolfratshausen gibt Mahler Entwarnung: "Die gesamte Kaufvertragsabwicklung wird in der bewährten Mahler-Servicequalität von unseren Mitarbeitern durchgeführt", heißt es. Anzahlungen würden bestehen bleiben - "das garantieren wir Ihnen", sagt Mahler.

Nach Möbel Mahler Schließung: Was passiert mit Reklamationen?

Bis zum 31. April 2016 würden sich die Mitarbeiter der Lieferplanung und des Kundenservices in Bopfingen um die Erfüllung des Kaufvertrags kümmern, teilt das Unternehmen mit. Ab 1. Mai 2016 übernehme dann die der Standort Neu-Ulm die Aufgaben. Für alle Gewährleistungen und Garantien stehe das verbleibende Möbel-Mahler-Möbelhaus in Neu-Ulm ein.

Die Stellungnahme von XXXLutz im Wortlaut

"Wir bestätigen, dass eine zur Firmengruppe gehörende Gesellschaft die beiden Immobiliengesellschaften in Bopfingen und Wolfratshausen gekauft hat. Es ist derzeit aber nicht absehbar, wie die Immobilien in Zukunft genutzt werden. Wir müssen erst die Marktsituation und den Zustand der Häuser prüfen, bevor wir eine Entscheidung fällen. Diese Prüfung wird sicher mehrere Monate in Anspruch nehmen. Fest steht aber heute schon, dass es ein anderes Konzept als bisher sein wird."

Die Reaktionen auf die Schließung von Möbel Mahler

Gerald Syska (67), Rentner aus Geretsried: "Ich habe es gerade im Radio gehört. Deshalb ist unter den Mitarbeitern so eine gedrückte Stimmung. Und für Wolfratshausen ist die Schließung ein sehr großer Verlust. Wie konnte das eigentlich passieren? Waren die Bücher denn so schlecht?"
Gerald Syska (67), Rentner aus Geretsried: "Ich habe es gerade im Radio gehört. Deshalb ist unter den Mitarbeitern so eine gedrückte Stimmung. Und für Wolfratshausen ist die Schließung ein sehr großer Verlust. Wie konnte das eigentlich passieren? Waren die Bücher denn so schlecht?" © sh
Sigrid Riedmann (71), Angestellte aus Wolfratshausen: "Möbel Mahler und Wolfratshausen gehören doch zusammen. Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich davon gehört habe.. Vielleicht war der Konkurrenzkampf schuld. Niederschmetternd ist es aber in erster Linie für die Mitarbeiter."
Sigrid Riedmann (71), Angestellte aus Wolfratshausen: "Möbel Mahler und Wolfratshausen gehören doch zusammen. Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich davon gehört habe.. Vielleicht war der Konkurrenzkampf schuld. Niederschmetternd ist es aber in erster Linie für die Mitarbeiter." © sh
Thomas Freiburger (49), Offsetdrucker aus Schongau: "Das ist doch der Wahnsinn. Ein Verkauf an ein anders Möbelhaus wäre auf alle Fälle die bessere Lösung gewesen – auch für die Mitarbeiter, egal ob schon länger hier oder Azubis. Vor Weihnachten so eine Hiobsbotschaft zu bekommen, ist mehr als hart."
Thomas Freiburger (49), Offsetdrucker aus Schongau: "Das ist doch der Wahnsinn. Ein Verkauf an ein anders Möbelhaus wäre auf alle Fälle die bessere Lösung gewesen – auch für die Mitarbeiter, egal ob schon länger hier oder Azubis. Vor Weihnachten so eine Hiobsbotschaft zu bekommen, ist mehr als hart." © sh
Kurt Volkmann (46), Angestellter aus Penzberg: "Das kann ich nicht glauben! Jetzt wird mir klar, warum das Penzberger Möbelhaus erweitert hat. Die haben bestimmt etwas geahnt. Ich halte die Schließung für fragwürdig. Wollte denn wirklich niemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen? "
Kurt Volkmann (46), Angestellter aus Penzberg: "Das kann ich nicht glauben! Jetzt wird mir klar, warum das Penzberger Möbelhaus erweitert hat. Die haben bestimmt etwas geahnt. Ich halte die Schließung für fragwürdig. Wollte denn wirklich niemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen? " © sh
Jörg Singert (51), Soldat aus Ohlstadt: "Ich bin entsetzt. Wir sind seit gut 20 Jahren Kunde hier. Ganz klar, dass ich meine ersten Möbel hier gekauft habe. Wo sollen wir denn jetzt hin? Bleiben nur München und Penzberg. Was den Kundendienst betrifft, habe ich keine Bedenken. Der wird weiter laufen."
Jörg Singert (51), Soldat aus Ohlstadt: "Ich bin entsetzt. Wir sind seit gut 20 Jahren Kunde hier. Ganz klar, dass ich meine ersten Möbel hier gekauft habe. Wo sollen wir denn jetzt hin? Bleiben nur München und Penzberg. Was den Kundendienst betrifft, habe ich keine Bedenken. Der wird weiter laufen." © sh
Marcus Herbrik (41), Angestellter aus Geretsried: "Das ist einfach nur schade. Möbel Mahler hatte einfach alles, was man zum Wohnen braucht, vom Handtuch bis zum Möbelstück. Wie soll das Gebäude denn eigentlich weiter genutzt werden? Als Indoorspielplatz mit Rollschuhbahn?"
Marcus Herbrik (41), Angestellter aus Geretsried: "Das ist einfach nur schade. Möbel Mahler hatte einfach alles, was man zum Wohnen braucht, vom Handtuch bis zum Möbelstück. Wie soll das Gebäude denn eigentlich weiter genutzt werden? Als Indoorspielplatz mit Rollschuhbahn?" © sh
klaus heilinglechner - bürgermeister wolfratshausen - No Model-Release! No Property-Release! Foto Sabine Hermsdorf
Klaus Heilinglechner, Bürgermeister in Wolfratshausen: "Wenn ich könnte, würde ich Gerhard Mahler umstimmen. Aber seine Entscheidung steht - leider. Ich habe heute früh eine halbe Stunde mit ihm telefoniert und man hat deutlich gemerkt, wie nahe ihm das geht. Für Wolfratshausen war Möbel Mahler unheimlich wertvoll. Jede Rundfunkwerbung, jede Taxiwerbung war gut für das Image der Stadt. Überrascht hat mich die Entscheidung nur insofern, als Mahler 2013 noch einen Antrag auf Erweiterung um 20000 Quadratmeter gestellt hatte und auf Wunsch des Stadtrats auch ein Parkdeck gebaut hätte. Nach den jüngsten Entwicklungen und den Gesprächen mit XXXLutz konnte man sich aber nicht mehr so sicher sein, in welche Richtung es geht." © archiv
Martin Ziegler, Hausleiter in Wolfratshausen: "Anfragen beantwortet unsere Firmenzentrale in Bopfingen. Ich kann nur so viel sagen, dass unsere Kunden zeitnah über die anstehende Schließung informiert werden. Wie genau, werden wir sehen. Das ist in Arbeit."
Martin Ziegler, Hausleiter in Wolfratshausen: "Anfragen beantwortet unsere Firmenzentrale in Bopfingen. Ich kann nur so viel sagen, dass unsere Kunden zeitnah über die anstehende Schließung informiert werden. Wie genau, werden wir sehen. Das ist in Arbeit." © archiv
Peter Fischer, ehemaliger Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen: "Ich war Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen, als Möbel Mahler sich 1996 bei uns Mitglied wurde. Es gab viele Bedenken, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Innenstadt. Im Werbekreis hat man das pragmatisch gesehen und eine Vernunftentscheidung getroffen, nach dem Motto: Jetzt ist er da, dann nehmen wir ihn auch mit ins Boot. Die Zusammenarbeit war insgesamt gut. Ich glaube aber nicht, dass die Schließung eine große Lücke reißt. Für dieses Filetstück zwischen zwei Städten an der Autobahn wird sich jemand finden."
Peter Fischer, ehemaliger Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen: "Ich war Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen, als Möbel Mahler sich 1996 bei uns Mitglied wurde. Es gab viele Bedenken, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Innenstadt. Im Werbekreis hat man das pragmatisch gesehen und eine Vernunftentscheidung getroffen, nach dem Motto: Jetzt ist er da, dann nehmen wir ihn auch mit ins Boot. Die Zusammenarbeit war insgesamt gut. Ich glaube aber nicht, dass die Schließung eine große Lücke reißt. Für dieses Filetstück zwischen zwei Städten an der Autobahn wird sich jemand finden." © archiv
Möbel-Mahler Firmeninhaber Gerhard Mahler: Er möchte sich diese Woche nicht mehr persönlich zu der angekündigten Schließung äußern. Laut einer Mitarbeiterin aus der Unternehmenskommunikation ist er sehr beschäftigt. Außerdem gehe ihm die Entscheidung sehr nahe.
Möbel-Mahler Firmeninhaber Gerhard Mahler: Er möchte sich diese Woche nicht mehr persönlich zu der angekündigten Schließung äußern. Laut einer Mitarbeiterin aus der Unternehmenskommunikation ist er sehr beschäftigt. Außerdem gehe ihm die Entscheidung sehr nahe. © archiv
Ingrid Schnaller, Vorsitzende Werbekreis Wolfratshausen: "Der Werbekreis verliert einen finanziell und logistisch wichtigen Partner, ein sehr zuverlässiges Mitglied. Die Stadt ist jetzt gefordert, in Richtung Wirtschaftsförderung deutlich aktiver zu werden. Schließlich gilt es, für das riesige Areal mit den großen Gebäuden möglichst bald einen Nachfolger zu finden."
Ingrid Schnaller, Vorsitzende Werbekreis Wolfratshausen: "Der Werbekreis verliert einen finanziell und logistisch wichtigen Partner, ein sehr zuverlässiges Mitglied. Die Stadt ist jetzt gefordert, in Richtung Wirtschaftsförderung deutlich aktiver zu werden. Schließlich gilt es, für das riesige Areal mit den großen Gebäuden möglichst bald einen Nachfolger zu finden." © archiv
Christian von Stülpnagel, Vorsitzender der UWW: "Wir bedauern das sehr. Wolfratshausen verliert einen seiner "Namensgeber". Gerhard Mahler hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Allerdings verwundert uns die Entscheidung auch ein bisschen, weil immer wieder von Erweiterung und dem Bau eines Parkhauses die Rede war. Man muss allerdings auch sagen, dass die Anbindung an die Innenstadt nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, wenn er ein größeres Randsortiment hätte anbieten dürfen."
Christian von Stülpnagel, Vorsitzender der UWW: "Wir bedauern das sehr. Wolfratshausen verliert einen seiner "Namensgeber". Gerhard Mahler hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Allerdings verwundert uns die Entscheidung auch ein bisschen, weil immer wieder von Erweiterung und dem Bau eines Parkhauses die Rede war. Man muss allerdings auch sagen, dass die Anbindung an die Innenstadt nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, wenn er ein größeres Randsortiment hätte anbieten dürfen." © archiv

dor/kg

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