Einige Mitglieder des Burgvereins wollen in der Altstadt eine Burgschenke eröffnen.
Wolfratshausen – Vor dem Ofen ist eine schwarze Ritterrüstung platziert, an der Wand hängt eine angeschmorte Flagge mit einem weißen Wolf darauf. Davor haben es sich auf zwei Holzbänken vier Menschen gemütlich gemacht und prosten sich mit historischen Humpen zu. Sie sind Mitglieder des Burgvereins und wollen in der Altstadt eine Burgschenke eröffnen.
Im historischen Kellergewölbe am Humplgassl 3 möchte der 70 Mitglieder starke Burgverein künftig Bier, Wein und Met ausschenken. „Es wird keine Vollgastronomie geben, sondern ein reines Ausgehlokal werden“, erklärt Vize-Vorsitzender Ernst Gröbmair in einem Pressegespräch. Geöffnet sein soll die Schenke donnerstags bis samstags jeweils von 17 bis 23 Uhr. Als Wirt stünde der Wolfratshauser Michael Ballon bereit. „Die Schenke soll auch für Vereinsveranstaltungen, Vorträge und Geburtstage zur Verfügung stehen“, sagt der IT-Systemtechniker.
Die Immobilie in der Seitengasse der Marktstraße sei für eine Burgschenke prädestiniert. „Das war ein alter Bierkeller“, erklärt Gröbmair. Erkennen könne man dies an dem hohen Kellergewölbe, das „sonst nicht so gebaut worden wäre“. Bis vor wenigen Monaten war in dem Gebäude ein Familiencafé untergebracht. Bis 2004 wurde dort Feinkost verkauft.
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Vor vielen Jahren war das Restaurant im „Zeno Keller“ ein beliebter Treffpunkt. Eine Historie, an die der Burgverein anknüpfen möchte – und zwar am liebsten bald. „Wir würden gerne noch vor den Sommerferien eröffnen“, sagt Gröbmair. Noch fehlt dem Verein allerdings ein Teil des notwendigen Kapitals. 15 600 Euro haben die Mitglieder in einem Businessplan als nötiges Startkapital ausgemacht. Der Verein hofft nun auf Spender, um das Geld zusammen zu bekommen. „Jeder Spender wird auf einer Tafel namentlich genannt“, erklärt Gröbmair. Besonders großzügige Geldgeber, die mehr als 1250 Euro spendieren, sollen auf einer Werbetafel vor dem Lokal gewürdigt werden.
An Ideen für die Burgschenke fehlt es nicht. Das Team um Michael Ballon möchte in dem Keller Veranstaltungen in einer besonderen Atmosphäre ermöglichen. Die schwarze Ritterrüstung ist eine von vier Exemplaren, die in dem Gewölbe ausgestellt werden sollen. Die Heizungen will man hinter einer altertümlich anmutenden Holzverkleidung verschwinden lassen. Die kleine moderne Bar wird gegen ein antik aussehendes Modell eingetauscht. An den Wänden könnten historische Wolfratshauser Motive aufgehängt werden. „Es soll alles so stilecht aussehen, wie möglich“, betont Max Prestel, der die Einrichtung plant. Der Wolfratshauser hat sein handwerkliches Geschick bereits beim Bau eines maßstabsgetreuen Modells der alten Wolfratshauser Burg und als Bühnenbauer der Loisachtaler Bauernbühne unter Beweis gestellt. Für die Burgschenke hat er sich ein hohes Ziel gesteckt. Prestel: „Wir wollen das Mittelalter hier unten so gut es geht wieder erlebbar machen.“
dst
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