Busunternehmen Wiesheu setzt auf innerdeutsche Ziele

Busreisen ab Montag erlaubt – aber „wirtschaftlich ist das Jahr gelaufen“

+
Einsteigen, bitte: Johann Wiesheu darf ab kommenden Montag wieder Busreisen anbieten. Die ersten Ziele sollen in der näheren Umgebung liegen.
  • schließen

Ab Montag sind Gruppenreisen im voll besetzten Reisebus wieder erlaubt. Johann Wiesheu vom gleichnamigen Bustouristik-Unternehmen ist erleichtert. Er weiß aber auch, dass die nächste Zeit anstrengend wird - und Corona lange nicht gebannt ist.

Oberappersdorf – Sie dürfen wieder rollen: Ab Montag, 22. Juni, sind Gruppenreisen im voll besetzten Reisebus mit Maske wieder erlaubt. Johann Wiesheu vom gleichnamigen Bustouristik-Unternehmen in Oberappersdorf (Gemeinde Zolling) ist erleichtert. Der 53-Jährige weiß aber auch, dass eine anstrengende Zeit auf sein 20-köpfiges Team zukommt – und Corona noch lange nicht gebannt ist.

„Das Telefon war quasi tot“

Die vergangenen drei Monate seien nicht leicht gewesen: Die gesamte Firma, die sowohl Linien- und Schulbusse unterhält als auch den Reiseverkehr bedient, sei in Kurzarbeit gewesen, sowohl Bürokräfte als auch Busfahrer, erzählt Wiesheu. Das kleine Reisebüro in Freising war ebenfalls verwaist. „Nur meine Frau und ich haben die Notversorgung aufrechterhalten. Aber das Telefon war quasi tot.“

Jetzt kann der Busunternehmer seinen Betrieb langsam wieder hochfahren: „Zum Glück dürfen wir die Busse wieder voll besetzen.“ Der Ausfall sei jedoch nicht zu kompensieren: „Wir können weder das Doppelte fahren, noch das Doppelte verlangen.“ Jeder Betrieb müsse derzeit selbst schauen, wie er über die Runden kommt. Daher demonstrierten am gestrigen Mittwoch fast 1000 Busfahrer in Berlin für staatliche Unterstützung. Für den Neustart hat sich Wiesheu ein Konzept zurechtgelegt: Fürs Erste plant er Tagesfahrten in die nähere Umgebung, besucht werden Klassiker wie die bayerischen Seen, die Zugspitze oder Berchtesgaden. „Und zwar unter der Woche, denn am Wochenende herrscht dort Chaos.“ Ebenfalls verstärkt anbieten will er innerdeutsche Fahrten, zum Beispiel Richtung Mecklenburgische Seenplatte. „Die Reisen, die wegen Corona im ersten Halbjahr ausgefallen sind, wollen wir nächstes Jahr 1:1 so durchführen.“ Alle für den Herbst bereits gebuchten Fahrten in die umliegenden Länder sollen nach Möglichkeit stattfinden. Dazu zählen Ziele wie der Lago Maggiore, der Plattensee, Istrien, Prag oder Paris.

Ausfall der Oberammergauer Passionsspiele schmerzt besonders

Was die beliebten Ausflüge zu Weihnachtsmärkten angeht, müsse man abwarten. „Die Nachfrage ist groß, aber einige wurden schon abgesagt“, berichtet Wiesheu. Dazu gehören zum Beispiel der Porzellanmarkt im oberfränkischen Selb oder der Klostermarkt in Altötting. Besonders schmerze die Branche der Ausfall der Oberammergauer Passionsspiele. Viele Kollegen hätten sich neue Busse gekauft, um internationale Besucher aus den USA, Japan oder China gen Süden zu transportieren, sagt Wiesheu. „Die Fahrzeuge müssen jetzt bezahlt werden, setzen aber kein Geld um.“

Das Geschäft laufe nun wieder an, das Telefon klingle wieder. „Aber viele wollen sich nur informieren. Nicht jeder Anruf ist gleich Umsatz.“ Zudem würden eigentlich viele ältere Menschen, die jetzt zur Corona-Risikogruppe gehören, Busreisen machen. Wiesheu sagt: „Die Kunden sind zweigeteilt: Die einen wollen unbedingt, die anderen haben Angst.“ Wie viele tatsächlich Reisen buchen, werde sich zeigen.

„2020 ist wirtschaftlich eigentlich gelaufen. Aber wir müssen etwas machen, um finanziell noch das ein oder andere zu retten“, sagt Wiesheu. „Wir haben viel Arbeit, freuen uns aber natürlich sehr, dass wir wieder arbeiten dürfen.“ Insgesamt blickt der Busunternehmer mit gemischten Gefühlen in die Zukunft: „Corona ist noch da und es wird uns noch begleiten.“ Er betont: „Das Wichtigste ist nach wie vor die Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter. Sie hat immer Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen.“

Aktuelles im Landkreis Freising

Bayerns Innenminister hat des Ende des Corona-Katastrophenfalls festgestellt. Der Landkreis Freising fährt sukzessive zurück - bleibt aber gewappnet.

Im Zuge der Neugestaltung der Oberen Hauptstraße inklusive der Moosachöffnung wird seit Montag das zentrale Freisinger Kriegerdenkmal abgebaut. Es wird restauriert und erhält danach einen neuen Platz im Zentrum.

Kommentare