SPD diskutiert

Zu wenig Sozialwohnungen im Süden des Tölzer Landkreises

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Mangelnder Wohnraum und immens hohe Immobilienpreise sind ein Thema, das viele Menschen in der Region besorgt. Wie sich die Probleme lösen lassen könnten, diskutierte nun die  der Tölzer Kreisverband der SPD.

Bad Tölz-Wolfratshausen –  In die Lenggrieser „Ratsstuben“ war Bundestagsmitglied Florian Pronold (Umweltstaatssekretär) zusammen mit den Landtagskandidaten Robert Kühn und Verena Schmidt-Völlmecke gekommen, begrüßt von einigen Mitgliedern des Kreis- und Ortsvorstands: Gabriele Skiba und Reiner Berchtold sowie Tobias Raphelt und Franziska Baumann.

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Eigentlich war auch Robert Huber eingeladen, der Aufsichtsratsvorsitzende der Lenggrieser Baugenossenschaft. Er musste den Termin jedoch absagen, was der Rest der Runde mit Bedauern zur Kenntnis nahm – das Fachwissen von Huber zur Situation vor Ort hätte der Diskussion sicher gut getan.

Gab es 1999 in Bayern noch 250 000 Sozialwohnungen, seien es derzeit nur 125 000, sagte Verena Schmidt-Völlmecke, die SPD-Zweitstimmenkandidatin aus Holzkirchen. Sie kritisierte: „Es fallen mehr Wohnungen aus der Preisbindung weg als neue gebaut werden.“

Grund dafür ist laut Florian Pronold unter anderem eine Schieflage im Förderprogramm. Die CSU-Regierung im Freistaat habe „vieles verschlafen“, beispielsweise, dass man Kommunen und Baugenossenschaften die gleiche Höhe des staatlichen Förderanteils zukommen lasse. Wie sich Projekte des sozialen Wohnungsbaus effizienter organisieren lassen, darüber herrschte in der Gesprächsrunde aber keine Einigkeit. Während Pronold die Einführung von Kreisbaugesellschaften sinnvoll findet („kleine Gemeindeverwaltungen können diese Aufgaben oft nicht leisten“), ist der Wolfratshauser SPD-Kreisrat Reiner Berchtold der Meinung, dass die im Landkreis bestehenden Baugenossenschaften schon bestens vernetzt seien und diese Aufgaben übernehmen könnten, etwa, wenn es um interkommunale Zusammenarbeit gehe.

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Laut Berchtold gibt es derzeit die meisten Sozialwohnungen in Geretsried, nämlich über 1200. „Der Nordlandkreis ist hier sehr gut aufgestellt, aber im Süden hapert es“, kritisierte er. Die Zahlen zum Vergleich: In Lenggries gibt es 113 Sozialwohnungen, in Bad Tölz sind es 84 (Stand: 2016). Vor allem für junge Leute wäre es wichtig, zu Beginn ihres Berufslebens günstig wohnen zu können: „Nur so haben sie die Möglichkeit, mal etwas zu sparen und sich später etwas Eigenes leisten zu können.“

Pronold fordert zudem mehr „intelligente Nachverdichtung“. Dazu präsentierte er mehrere Punkte. Man müsse in Regionen, die über ein gutes Nahverkehrsangebot verfügen, die örtlichen Stellplatzsatzungen überarbeiten und verschlanken, denn auch der vorgeschriebene Platz für Parkplätze würde die Baukosten verteuern. „Bei guten Bus- und S-Bahn-Anbindungen lassen sich die Menschen schneller von Car-Sharing-Angeboten überzeugen.“ Er wünscht sich zudem, dass mehr Kommunen davon Gebrauch machen, in die Höhe zu bauen, etwa auf Supermärkte mit Flachdächern bauen oder gar deren Parkflächen überbauen. Gute Ideen von Architekten gebe es, so Pronold. Er ist sich sicher: „In Zukunft sind intelligente, barrierefreie Geschosswohnungen gefragt. Auch das sollten die Gemeinden bei ihrer Planung berücksichtigen.“  

Rubriklistenbild: © dpa / Roland Holschneider

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