Gemeinde und Bahn treffen sich zu Gesprächen

Züge pfeifen wieder am Bahnübergang Bühel in Bichl: Lösung gesucht

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Der kleine, unbeschrankte Bahnübergang darf derzeit nur von landwirtschaftlichen Fahrzeugen sowie Radfahrern und Fußgängern überquert werden.
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Die Deutsche Bahn nimmt derzeit aus Sicherheitsgründen die Strecke der Kochelseebahn im Loisachtal ins Visier.

Bichl/Kochel am See – Anlass sind Vorkommnisse an unbeschrankten Bahnübergängen in Ried und in Bichl. Wie berichtet, starben im Juli zwei Menschen, als sie mit einem Quad die Gleise bei Ried überquerten. Vor wenigen Tagen übersah ein radelnder Schüler am Bühel in Bichl einen Zug und hatte dabei einen großen Schutzengel.

„Offensichtlich scheint die unbedingte Vorfahrt des Zuges an einem Bahnübergang nicht bei allen Passanten hinreichend bekannt zu sein“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn. „Auch für unsere Lokführer ist die Situation belastend.“ Aus Sicherheitsgründen habe man deshalb veranlasst, dass jeder Zug vor Passieren am Bühel in Bichl wieder einen Signalpfiff abgeben muss. „Der Übergang ist einfach nicht gut genug einsehbar“, sagt der Sprecher. In Ried will man vorerst darauf verzichten, weil hier das Gleis relativ weit einsehbar sei.

Die Gemeinde Bichl war vor drei Jahren schon einmal mit Signaltönen konfrontiert. Damals wurden zu viele Fahrzeuge an dem unbeschrankten Übergang gezählt. Die Lösung war, ihn für den allgemeinen Verkehr zu sperren. Seither durften nur noch land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge sowie Fußgänger und Radfahrer die Gleise passieren.

„Einen Zug zu übersehen, kann jedem aus Unachtsamkeit passieren“, sagt Bichls Bürgermeister Benedikt Pössenbacher. Mittlerweile hat es in Bichl schon ein Treffen mit Vertretern der Deutschen Bahn gegeben. Diese schlägt eine dauerhafte Schließung des Übergangs vor. „Dafür ist aber die Zustimmung der Gemeinde als Straßenbaulastträger erforderlich“, sagt der Pressesprecher. Aus Sicht der Bahn ist der Übergang am Bühel deshalb entbehrlich, weil nur gut hundert Meter südlich der mit einer Schranke versehene Übergang über die B 11 verläuft und etwas weiter nördlich der Übergang Falak liegt – erst vor Kurzem mit einer neuen Schranke modernisiert.

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Für die Gemeinde hingegen ist die Situation nicht so einfach. Zum einem können Landwirte am Bühel rasch zu ihren Flächen im Moos gelangen, zum anderen sind Kirche, Friedhof und Parkplatz in der Nähe. „Außerdem wird unsere Gemeinde baulich ja auch wachsen“, sagt Bürgermeister Pössenbacher.

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In den kommenden Wochen werde es deshalb viel zu diskutieren geben. Der Bürgermeister weiß, dass das Pfeifen von frühmorgens bis nach Mitternacht für die Bürger eine Belastung ist. Problematisch ist laut Pössenbacher auch, dass Landwirte von Bichl kommend am Bahnübergang B 11 nicht nach links Richtung Kloster abbiegen dürfen. Eine Schranke am Bühel sei zwar möglich, aber praktisch unerschwinglich: Die geschätzten Kosten liegen bei 1,4 Millionen Euro, ein Drittel davon entfiele vermutlich auf die Gemeinde. Zudem dauert das Planungs- und Genehmigungsverfahren lang.

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