VonAndreas Steppanschließen
Schwere Zeiten in der Nockhergasse in Bad Tölz. Wegen der Straßenbauarbeiten haben diesen Donnerstag die Bäckerei Detter sowie „Früchte Kuch“ geschlossen.
Bad Tölz – Die große Tölzer Dauerbaustelle ist mittlerweile in den unteren Teil der Nockhergasse weitergewandert. Unter den Anliegern trifft es jetzt die Bäckerei Detter und „Früchte Kuch“ besonders hart. „Jetzt laufen die Bauarbeiten direkt bei uns vor dem Gehsteig, unsere Kunden können die Straße nicht mehr gefahrlos kreuzen“, sagt Bäcker Michael Detter. Er hat daher kurzfristig entschieden, sein Geschäft von Mittwoch bis Freitag geschlossen zu lassen. Am Samstag ruhe die Baustelle ja ohnehin, Sonntag und Montag hat die Bäckerei regulär zu. „Und am Dienstag hoffen wir, dass es wieder geht.“ Die Einbußen würden „sehr wehtun“, sagt Detter.
Womit er aber vor allem hadert: Er hätte gern schon zu Jahresbeginn etwas über den zeitlichen Ablauf der Arbeiten erfahren. „Unsere Jahresplanung ist im Januar/Februar schon abgeschlossen“, sagt er. Die Urlaubspläne seiner Mitarbeiter stehen dann – die Reisen seien gegebenenfalls gebucht. Mit genügend Vorlauf hätte er seinen Betriebsurlaub verschieben und das Personal anders einteilen können, so der Bäcker.
Seit Anfang Juli tauschen die Stadtwerke in der Nockhergasse alte Strom-, Wasser- und Gasleitungen aus
Auch der benachbarte „Früchte Kuch“ hat seit gestern und noch heute geschlossen. Dass nun direkt vor seiner Tür gebaggert wird, das habe er erst am Montag erfahren, sagt Inhaber Roland Kuch. „Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich mich beim Einkaufen darauf einstellen können“, beklagt er. Immerhin: „Die Bauarbeiter haben mir versichert, dass man am Freitag wieder zu meinem Laden durchkommt“, sagt der Geschäftsmann. „Und es nutzt ja nichts, sich aufzuregen.“
Seit die Stadtwerke Anfang Juli begonnen haben, alte Strom-, Wasser- und Gasleitungen auszutauschen, und die Durchfahrt gesperrt ist, sei sein Geschäft prinzipiell zwar anfahrbar gewesen, so Kuch. „Aber viele wussten nicht, dass sie bis zum Kolber-Parkplatz und auch gegen die Einbahnstraße fahren durften“, sagt er. Wer größere Einkäufe bis zum Auto schleppen musste, dem habe er angeboten, dass ihn jemand zum Parkplatz begleitet. „Was mir gefehlt hat, waren natürlich die Kunden, die vorbeifahren und kurz vor dem Geschäft halten.“
Geschäftsleute ärgern sich über Strafzettel in der Nockhergasse
Die erschwerte Anlieferung ihrer Waren haben Detter und Kuch in der Baustellenzeit organisieren können. Ein Ärgernis erlebte dagegen Franz Decker, Filialleiter von Vizenzmurr an der Marktstraße. Als er einmal 20 Kilogramm Leberkas ausliefern wollte, stellte er sein Auto kurzzeitig im Halteverbot im Baustellenbereich ab – in dieFußgängerzone durfte er nicht mehr einfahren, weil es nach 10 Uhr war. Prompt bekam er einen Strafzettel über 25 Euro. Decker weiß, dass es mehreren anderen Geschäftsleuten genauso erging ist. Er ärgert sich, „dass man so mit uns umspringt“. Die Anlieger hätten schon mit genug Beeinträchtigungen zu kämpfen. Da müsse man sie nicht zusätzlich mit penibler Parküberwachung traktieren.
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Vom Tölzer Kurier darauf angesprochen, sagt Bürgermeister Josef Janker: „Ich habe mit dem Bauleiter gesprochen, und er hat mir zugesichert: Wenn man auf ihn zukommt und es abspricht, dann wird er schauen, es zu ermöglichen, dass man kurz im Baustellenbereich stehen bleiben kann.“ Aber einfach im Halteverbot zu parken, das gehe eben nicht. Es sei „wohlüberlegt“, wo ein Halteverbot eingerichtet werde – und das müsse dann auch kontrolliert werden. „Sonst wird die Baustelle zugeparkt.“
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Keinen Grund zur Klage sieht unterdessen Christa Pölt, die an der Nockhergasse Molkereiprodukte verkauft. Als bei ihr vor der Tür gearbeitet wurde, „da habe ich auf meine Kunden aufgepasst und jeden hinausgeleitet“, sagt sie. Manche Lieferung sei zwar „etwas holperig“ gewesen. Aber immerhin werde „schnell und fleißig“ gearbeitet.
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Mit der Situation arrangieren musste sich auch Blumen Fritz. Als das Geschäft nicht per Lkw anfahrbar war, konnte er mit seinen Lieferanten vereinbaren, dass sie weiter oben oder unten stehen bleiben und die Ware das letzte Stück per Hubwagen transportieren, berichtet Inhaber Jochen Weber. Das ging freilich nur, wenn die Fahrer auch Deutsch sprachen. „Es hat letztlich funktioniert – wenn auch mit Haken und Ösen“, sagt Weber. Der Umsatzausfall sei „schleichend“ und schwer zu beziffern. „Wenn wir am Tag einen Blumenstrauß weniger verkaufen, spüren wir das am Monatsende dann schon.“ Eines kann Weber aber ganz klar sagen: „Ich freue mich riesig, wenn bei uns alles wieder normal läuft.“
