Auf der Strecke „ist ständig irgendwas“

Zugverkehr im Pfaffenwinkel: Zwischen Verspätung und Vollsperrung

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Auf die Pünktlichkeit der Bayerischen Regiobahn war zuletzt nicht immer Verlass. Aufhebung dreier Langsamfahrstellen

Lange Gesichter waren auf den Bahnsteigen der Pfaffenwinkelbahn wegen Verspätungen zuletzt ein gewohntes Bild. Nun kam der Zugverkehr abschnittsweise sogar ganz zum Erliegen.

Landkreis – „Eigentlich müssten die hier Boxsäcke aufhängen“, ärgerte sich ein Pendler kürzlich am Peißenberger Bahnhof. Gerade war eine Durchsage der monoton freundlichen Computerstimme ertönt – nur selten ein gutes Zeichen. „Heute etwa 15 Minuten später“, lautete ihre Botschaft. Doch woraus resultieren diese zuletzt beinahe planmäßig anmutenden Unregelmäßigkeiten und wann wird es wieder besser?

Die Bayerische Regiobahn (BRB) hatte die Hitze in diesem Jahr zum Schuldigen erklärt. Wie Pressesprecherin Annette Luckner erklärte, sei es vorrangig dem Sommer geschuldet, dass sich die Gleise „bei großer Hitze verbiegen“. In der Folge drücken sogenannte „Thermo-Langsamfahrstellen“ die Geschwindigkeiten auf ein Minimum herab. Mehrere Abschnitte hätten auf der Linie zwischen Augsburg und Schongau für Verspätungen gesorgt, die sich im Laufe der Fahrt dann „aufschaukeln“ würden.

Warten auf Gegenzüge führt zu Verspätungen zwischen Augsburg und Schongau

Doch Annette Luckner hatte für die Pendler auch eine hoffnungsvolle Botschaft: „Drei Langsamfahrstellen werden gegen Ende des Monats aufgehoben“, sagte sie noch vergangene Woche. Die anderen würden jedoch noch bis 2024 bestehen bleiben. Die Anordnung der Langsamfahrstellen erfolge im Übrigen durch die DB Netz AG, die jährlich wiederkehrend einen Termin zur Aufhebung der hitzebedingten Langsamfahrstellen festlege.

Mitunter werden die Verspätungen allerdings auch durch das Warten auf Gegenzüge verursacht. Derartige Zeitverluste „ziehen sich dann durch“, merkte Luckner an. „Das löst sich auf, aber es dauert“, sagte sie und verglich dieses ermüdende „Stop&Go“ mit einem Stau auf der Autobahn.

BEG erklärt Infrastrukturprobleme zur Hauptursache für Zugverspätungen

Außerdem sei die Infrastruktur bisweilen einfach schlecht. Zu diesem Schluss kommt auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die in ihrer Veröffentlichung der Jahrespünktlichkeitswerte die Infrastrukturprobleme sogar zur Hauptursache für Verspätungen erklärt.

Spätestens mit der Beseitigung der ersten Langsamfahrstellen am 31. Oktober seien die ganz großen Verspätungen aber wohl vom Tisch, zeigte sich Luckner zuletzt noch optimistisch. Der Fahrgastverband Pro Bahn kam zu ähnlichen Ergebnissen: Laut eines Auszugs aus der „La-Süd“, die auch regionale Langsamfahrstellen auflistet, wurden zwei dieser Abschnitte zwischen Schondorf und Dießen am 31. Oktober aufgehoben. Gleiches gilt für einen dritten Abschnitt zwischen Peißenberg und Hohenpeißenberg, wo ab November ebenfalls wieder Normalbetrieb herrschen sollte.

Wieder Schienenersatzverkehr zwischen Peißenberg und Schongau

Doch das ist seit Wochenbeginn bereits wieder Makulatur: „Kurzfristigen Bauarbeiten“ der DB Netz AG machen – wie schon vor einem Jahr – den Einsatz von Bussen zwischen Peißenberg und Schongau notwendig. Erneut sind Gleisverwerfungen der Grund. Auf der besagten Strecke „ist ständig irgendwas“, kommentierte Annette Luckner die momentanen Baumaßnahmen.

Pro Bahn: „Das Schienennetz verfällt weiter in drastischem Tempo“

Dass zuletzt Anfang der Woche drei Langsamfahrstellen auf der Strecke Schongau-Augsburg beseitigt wurden, begrüßt der Fahrgastverband Pro Bahn natürlich. Allerdings bleibe ein den Fahrgästen als schaukelig-wackelige Stelle zwischen Weilheim und Peißenberg wohlbekannter Abschnitt „uns wohl noch länger erhalten“, vermutet Norbert Moy. Dort gebe es seit Monaten Probleme, der Zustand „hat sich weiter verschlechtert, ohne dass etwas dagegen getan wurde“. Bleibt ein baldiger Eingriff aus, fürchtet Moy in Zukunft eine Streckensperrung in diesem Bereich.

Er habe den Eindruck, dass wohl weder die Deutsche Bahn noch die Politik an Lösungen für die Nebenbahnen oder den Problemen der Fahrgäste interessiert sind. „Im Bereich Süd“, verzeichne man seit Juli 2022 nämlich einen Anstieg der Langsamfahrstellen um 75 Prozent. „Das Netz verfällt also weiter in einem drastischen Tempo“, sagt Moy über die aktuell „alarmierende“ Situation.

Dass einige der Langsamfahrstellen eine hitzebedingte Ursache haben, erscheint Moy „durchaus plausibel“. Seiner Ansicht nach besteht dort dringender Handlungsbedarf, „sonst haben wir nächstes Jahr den gleichen Zirkus“.

Ein großes Problem würden heute die „durchgehend geschweißten Schienen“ darstellen. Früher habe man kurze Schienenstücke verlegt und mit Laschen verbunden. Auch bei Hitze hätten diese „einen Längenausgleich zugelassen“. Bei schlechtem Oberbau und „oft noch vorhandenen Stahlschwellen“ könnten die geschweißten Gleise durch die vom Zug ausgelösten Kräfte in Querrichtung, ausknicken, erklärte Moy. Eine Langsamfahrstelle sorge demnach für eine geringere Belastung der Gleise.

Florian Zerhoch

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