VonThomas Kuzajschließen
„Sögestraße“. Seit Montagmittag ist die Bremer Innenstadt-Achse buchstäblich in aller Munde. Und das mindestens alle 90 Sekunden.
Bremen – Die Sögestraße ist eine der zentralen Verbindungen in der Bremer Innenstadt. „Eine starke Achse“, wie Bau- und Verkehrssenatorin Özlem Ünsal (SPD) findet. Um das noch stärker zu betonen, wird ihr Name seit Montag täglich deutlich häufiger als bisher erwähnt – nicht der Name der Senatorin, der Name der Sögestraße.
Gemeinsam mit Harald Knigge (Café Knigge) vom Eigentümerverband Business Improvement District (BID) Sögestraße, Claudia Wiest vom Vorstand der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) und Carolin Reuther, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbands City-Initiative, hat die Senatorin am Montagmittag ein Schild enthüllt. Die Haltestelle Herdentor heißt damit nun Herdentor/Sögestraße. Der BID hatte die Namensergänzung angeschoben. Ziel ist es, den Namen der Sögestraße im Innenstadt-Verkehrsalltag weiter zu verankern.
Was unter anderem eben bedeutet, dass der Straßenname nun dauernd (an-)gesagt wird – in den Bussen und Bahnen der BSAG nämlich, die die Haltestelle passieren. „Die Sögestraße ist in aller Munde“, sagt BSAG-Vertreterin Wiest denn auch. „Alle 90 Sekunden kommt hier ein Fahrzeug der Bremer Straßenbahn AG an die Haltestelle. Alle 90 Sekunden also heißt es am Herdentor nun „Sögestraße“. Wiest: „6.600 Menschen steigen hier täglich ein, aus und um. Die Haltestelle ist eine der wichtigsten auf der Strecke von der Uni zum Flughafen.“
Senatorin Ünsal: „Hier tobt das Leben“
In der Sögestraße, da „tobt das Leben“, so Senatorin Ünsal. Da sei es „nur folgerichtig“, das auch im Namen der Haltestelle zum Ausdruck zu bringen. „Fragt man Menschen von außerhalb Bremens, welche Straße in der Bremer Innenstadt sie kennen, ist die Sögestraße ganz vorn dabei. Sie ist ein Identifikationsort.“
Ein Identifikationsort mit einem weit über Bremen hinaus bekannten Wahrzeichen – und das seit nunmehr genau 50 Jahren. Die so berühmten wie populären Bronze-Schweine des Bildhauers Peter Lehmann (1921 in Bremen geboren, 1995 in Großenkneten gestorben) verweisen auf die Geschichte der Sögestraße, die eine zentrale Hauptstraße im mittelalterlichen Bremen gewesen ist. Im Jahr 1261 wurde sie als „platea porcorum“ erstmals erwähnt, 1306 dann in der Übersetzung als „Soghestrate“. Das bedeutet „Saustraße“ oder eben „Schweinestraße“. Über Sögestraße und Herdentor wurden damals Schweine getrieben. „Vom Viehhandel auf dem Markt zur Bürgerweide und auch wieder zurück“, so Knigge.
Hirte, Hirtenhund und Schweine gehören also zur Historie der Sögestraße und der Bremer Altstadt. Lehmann bildete genau das ab. Seine Gruppe wurde schnell zum Markenzeichen der Sögestraße – was ganz im Sinne der Kaufleute der Straße gewesen sein dürfte, die die Skulpturengruppe damals finanziert haben. 1974, als die Figuren aufgestellt wurden, waren weite Teile der Sögestraße gerade von Grund auf neu gestaltet worden: Kanalarbeiten, neue Pflasterung, Umwandlung in eine Fußgängerzone. Dieser Abschnitt der Sögestraße gilt seither als Bremens erste autofreie Straße. Die Schweine an der Ecke zur Knochenhauerstraße und zum Schüsselkorb symbolisieren, wo die Fußgängerzone beginnt. Die Sögestraße selbst reicht bis zur Wall-Kreuzung.

