VonThomas Kuzajschließen
Ende eines langen Bremer Streits: Die Straßenbahn wird nicht in die Martinistraße verlegt. Zwei gewichtige Gründe sprachen dagegen.
Bremen – Nach drei Jahrzehnten hat eine kontroverse Innenstadt-Diskussion nun ihre Endstation erreicht – mit der Entscheidung von Bau- und Verkehrssenatorin Özlem Ünsal (SPD), die Straßenbahnlinien 2 und 3 nicht von der Obern- in die Martinistraße zu verlegen. Die Bahnen fahren weiter direkt am Rathaus, an Lokalen und Geschäften vorbei. Die Entscheidung ist eine Weichenstellung für die Zukunft der Bremer City.
Wirklich überraschend ist sie nicht, wenn auf die Fakten geblickt wird, die in einer Machbarkeitsstudie zum Thema noch einmal aufgeführt sind. Acht bis zwölf Jahre dürfte es dauern, bis alles fertig ist, schätzen die Gutachter. Jahrelange Bauarbeiten in dieser Größenordnung wären „der Entwicklung der Innenstadt nicht zuträglich“, so Ralph Baumheier, Staatsrat im Ressort von Senatorin Ünsal. Baumheier vertrat am Dienstag die schwer erkältete Senatorin.
Bremen müsste Kosten von 140 Millionen Euro allein tragen
Zur langen Bauzeit kommen die enorm hohen Kosten. Eine Straßenbahn-Verlegung würde, so die Schätzungen, bis zu 140 Millionen Euro kosten. Und Bremen müsste das allein bezahlen. Mit Geld aus Berlin wäre nicht zu rechnen. Das nämlich fließt nur, wenn durch die Baumaßnahme der öffentliche Personen-Nahverkehr verbessert wird. Eine Verlagerung allein gilt nicht als Verbesserung. Vielleicht wäre es sogar eine Verschlechterung, weil durch die Straßenbahn die vielfach kritisierte trennende Wirkung der Martinistraße wieder betont werden würde. Dabei soll sie doch leichtfüßig überwunden werden, um Innenstadt, Schlachte und Weser besser zu verbinden.
Keine Straßenbahn-Verlegung also – ganz so, wie Bremens frühere Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) es vor Jahren schon gesagt hat. Die Handelskammer und die Fraktion des Grünen-Koalitionspartners SPD stellten sich einst gegen Schaefer und votierten für die Straßenbahn-Verlegung. Nun hat die SPD-Senatorin Ünsal das Projekt beerdigt. „Der Streit zwischen Rot-Rot-Grün über die Zukunft der Obernstraße hat Bremen viel Zeit gekostet. Nun gibt es endlich Klarheit“, so Michael Jonitz, Sprecher für Mobilität in der CDU-Bürgerschaftsfraktion.
So soll es werden: Maßnahmen-Bündel für die Bremer Innenstadt
Ünsals Ressort sieht die Entscheidung im Zusammenhang mit verschiedenen weiteren Innenstadt-Entwicklungsthemen, so Staatsrat Baumheier am Dienstag.
- Die Obernstraße, eine lange City-Achse, wird durch die Aufwertung ihrer Querungen stärker strukturiert, kündigte Baumheier an. Die Achse Papenstraße/Pieperstraße etwa wird zu einer Wall-Weser-Verbindung ausgebaut. Details dazu nannte der Staatsrat noch nicht. Ausnahme: für eine Umgestaltung des Ansgarikirchhofs stehen bereits 400.000 Euro bereit. Mehr Grün, mehr Spiel- und Sportmöglichkeiten, mehr Infrastruktur, das sind einige der ersten Stichworte.
- Die Domsheide soll barrierefrei werden. Es gelte, die Haltestellen an dieser zentralen Bremer Bus-und-Bahn-Umsteigestation „angemessen und selbstverständlich“ in ihre Umgebung zu integrieren, hieß es am Dienstag. Als Vorbilder wurden die Anlagen in Huckelriede und Gröpelingen genannt. Mit der Entscheidung gegen eine Straßenbahn-Verlegung ist der Weg frei für Bauarbeiten an der Domsheide. Die Planer sehen sie einerseits an Entrée zur Innenstadt, andererseits auch als Entrée zur Bremer Neustadt.
- Die Dechanatstraße soll stärker als Tor zum Schnoor wirken und wird zu einer „Klimastraße“ mit Grün und Wasserläufen umgestaltet.
- Die Martinistraße, deren Bushaltestellen im nächsten Jahr neu gestaltet werden, soll in Zukunft einfacher zu überqueren sein – eben wegen ihrer Verbindungsfunktion zwischen Innenstadt und Weser.

