VonThomas Kuzajschließen
Eine Weserquerung weniger: Seit Montag ist die Bürgermeister-Smidt-Brücke in Bremen gesperrt. Die Arbeiten zur Ertüchtigung des maroden Bauwerks haben begonnen. Umleitungen und Änderungen betreffen auch viele Pendler.
Bremen – Am Anfang fliegen gleich die ersten Funken. Mit der Demontage der provisorisch aufgestellten Ballast-Blöcke aus Metall haben am Montag die Arbeiten an und auf der Bürgermeister-Smidt-Brücke begonnen. Die wichtige Weserquerung – Einfallstor für Pendler aus dem Umland und Verbindung von Neu- und Innenstadt – ist marode und bleibt mindestens bis Februar 2025 voll gesperrt. Das gilt für alle: Auto- und Radfahrer; Fußgänger, Busse, Bahnen.
Am Montagvormittag blieb das große Verkehrschaos zunächst einmal aus. Offenbar hatten sich alle auf die Brückenbaustelle – seit Tagen eines der Top-Themen in Bremen und „umzu“ – eingestellt. Bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln, wenn es auf den Ausweichstrecken einmal zu Störungen und Staus kommt. Spannend dürfte es auch werden, wenn am Montag, 25. November, der Weihnachtsmarkt und der „Schlachte-Zauber“ beginnen.
Ein bisschen spannend wurde es aber zuweilen auch schon am Montag. Auf der Neustadt-Seite (Höhe Weserburg/Teerhof) tauchten immer wieder mal Fußgänger und Radfahrer an der Absperrung auf und fragten, ob sie nicht doch mal eben über die Brücke dürften: „Ich komme sonst zu spät zur Arbeit.“ Ein Argument, das natürlich nicht zog bei den Kräften auf der Brücke, die schließlich einen Mann an der Absperrung postierten – zumal manche Passanten versucht hatten, die Gitter beiseite zu räumen, um doch über die Brücke zu huschen. Ein massiverer Bauzaun soll derartige Versuche nun ausbremsen. Ein legaler Schleichweg für Fußgänger führt über Teerhof und Teerhofbrücke.
Bremens älteste Weserbrücke ist marode
Eine der Ausweichstrecken für den öffentlichen Nahverkehr ist die Wilhelm-Kaisen-Brücke zwischen Franziuseck und Balgebrückstraße/Domsheide. Auch sie ist nicht im besten Zustand. Da die Straßenbahnlinie 1 jetzt über die Wilhelm-Kaisen-Brücke umgeleitet wird, hat die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) den Fahrplan der Linien 4 und 6 zeitweilig ausgedünnt, um eine Überlastung der Wilhelm-Kaisen-Brücke zu vermeiden. Nicht auszudenken, wenn zwei Weserbrücken parallel gesperrt werden müssten. . .
Die Bürgermeister-Smidt-Brücke wurde 1952 als Stahlkonstruktion errichtet und ist Bremens älteste Weserbrücke. Sie überspannt die Große und Kleine Weser; nach Angaben des Bau- und Verkehrsressorts fahren im Normalfall gut 15.000 Autos sowie 750 Straßenbahnen und Busse über die Brücke. „Im Zuge von Materialprüfungen und Werkstoffdickenmessungen“, so das Ressort in einer Deputationsvorlage, wurden 2023 „an den Zugankern am Widerlager Nord mehrfach Risse und Materialschwächungen“ festgestellt.
Zuganker? Sie sollen verhindern, dass sich die Brücke an ihren Übergängen „anhebt“, wenn durch das Gewicht der Fahrzeuge in ihrer Mitte (ganz normale) Senkbewegungen ausgelöst werden. Zur Sicherheit waren tonnenschwere Blöcke als Ballast aufgestellt worden, um ein Anheben an der „Naht“ zur Fahrbahn zu verhindern. Zuvor hatte das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) den Verkehr auf der Brücke eingeschränkt. Zwei Spuren wurden gesperrt, schwere Laster durften nicht mehr hinüber („Beschränkung auf Fahrzeuge bis 30 Tonnen“).
Neue Brücke für 2032 bis 2039 geplant
Die Ertüchtigung der Zuganker kostet nach Ressortangaben etwa 2,3 Millionen Euro. Eine weitere Instandsetzung für die Restlaufzeit der Brücke soll bis spätestens 2028 über die Bühne gehen und wird auf drei Millionen Euro beziffert. Ein Ersatzneubau soll im Zeitraum 2032 bis 2039 errichtet werden, Kosten: noch unbekannt.
Zurück in die Gegenwart. Während der Brückensperrung werden etliche Bus- und Bahnlinien umgeleitet und neue eingeführt. Die Straßenbahnlinie 8 sowie die Buslinien 26 und 27 überqueren die Weser nicht mehr. Die 8 pendelt als 14 zwischen Huchting und Arsten, die Linien 26 und 27 enden am Hauptbahnhof beziehungsweise an der Haltestelle Pappelstraße in der Neustadt. Links der Weser pendeln sie als neue Linie 46 zwischen Kattenturm und Pappelstraße sowie als neue 47 zwischen Brinkum-Nord und Pappelstraße.
Die Regionalbuslinien enden ebenfalls in der Neustadt. Fahrgäste der Buslinien 46 und 47 sowie der Regionalbusse 101, 102, 120, 226 und 750 können auch an der Haltestelle Gastfeldstraße in die Straßenbahnlinie 6 umsteigen, um aus dem Bremer Süden die Weser zu queren.

