„Einzelhandelsabend“

„Erreichbarkeit ist der Schlüssel“: Einzelhändler-Kritik an Bremer Verkehrspolitik

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Thema Karstadt – die weitere Entwicklung der Bremer Innenstadt hängt stark von der Frage ab, was mit dem Warenhaus geschieht.
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Bremen – Die Blicke in Bremen richten sich auf die Bürgerschaftswahl am 14. Mai – nicht zuletzt in Sachen Zukunft der Bremer Innenstadt. So wirkte der Schauplatz für den „Einzelhandelsabend“ der Handelskammer und des Handelsverbands Nordwest durchaus symbolträchtig, kamen die Teilnehmer doch im Festsaal des Bremer Rathauses zusammen. Politik und Wirtschaft müssen zusammenwirken, das war die Botschaft – trotz aller Konflikte um Innenstadtentwicklung, Verkehrspolitik und Gewerbeflächen.

„Der Blick in die bremische Geschichte zeigt, es ist unserem Land immer dann besonders gut gegangen, wenn Wirtschaft und Politik Hand in Hand gegangen sind“, sprach es Handelskammer-Präses Eduard Dubbers-Albrecht direkt an. „Ein kleines, aber sehr aktuelles Beispiel dafür ist die Entwicklung rund um den Bremer Hauptbahnhof, dessen Umfeld in den letzten Wochen deutlich sicherer und sauberer geworden ist.“

Vom Hauptbahnhof zur Innenstadt. Der Schock der drohenden Karstadt-Schließung wirkt noch immer nach. Eine solche Nachricht war in Bremen nicht erwartet worden – wie die Verhandlungen um Verkaufsflächen und Mieten ausgehen, bleibt abzuwarten. „Wir müssen dem Wandel unserer städtischen Zentren aktiv begegnen“, so formuliert es der Präses. Nicht abwarten, sondern handeln, soll das heißen.

„Sicherstellen, dass Bremen erreichbar bleibt“

Alle – nicht allein der Handel – müssten „Kunden aktiv einladen und willkommen heißen“, so Stefan Storch (Rabe, Am Wall), Vizepräsident des Handelsverbands Nordwest. Und dazu gehöre „aber auch, die Erreichbarkeit der Innenstädte für Einheimische und Auswärtige nicht nur zu gewährleisten, sondern auch auszubauen“. Storch: „Will man einen Handelsstandort, der über die Stadtgrenzen hinaus ausstrahlen soll, sichern, bleibt die Erreichbarkeit auch zukünftig einer der entscheidenden Schlüssel dafür.“ Das gelte nicht allein für den Einzelhandel, sondern auch für andere Felder wie „Kultur, Bildung und Tourismus“.

Problem Leerstand, hier in der Sögestraße.

Daraus folgt für Storch: „Maßnahmen, die die Erreichbarkeit einschränken, wirken abschreckend und kontraproduktiv. Für den Handel, den Frequenzbringer Nummer eins, gilt doch Folgendes: Wenn die Kunden die stationären Geschäfte in den Innenstädten meiden, geht der Handel über kurz oder lang dorthin, wo die Kunden sind – im Zweifel ist dies auch online. Und das hat die entsprechenden negativen städtebaulichen Auswirkungen zur Folge.“

„Viele empfinden Verkehrswende als Mobilitätsverlust“

Stefan Brockmann (früher Karstadt Bremen, seit nunmehr zehn Jahren mit Bo-Concept in der Innenstadt), Vorsitzender des Einzelhandelsausschusses der Handelskammer, sprach das Thema Verkehr ebenfalls ohne Umwege an: „Natürlich sorgen wir uns darum, dass die Verkehrswende von vielen Betroffenen schlicht als Mobilitätsverlust empfunden wird. Dort, wo die Wende besonders engagiert umgesetzt wird, werden die Menschen ihr Verhalten gezwungenermaßen ändern. Überzeugt und mitgenommen fühlen sich die meisten aber offenbar nicht.“

Baustellen prägen das Bild. Hier die Arbeiten für die „Fahrrad-Premiumroute“ am Wall.

Mit Blick auf „das Verkehrsexperiment in der Martinistraße“ und die „zweckfremde und offenbar auch deutlich unterfinanzierte“ neue „Fahrrad-Premiumroute“ am Wall sagte Brockmann: „Potenzielle Kunden und Nutzer wurden eher verwirrt zurückgelassen. Die Fülle der Radfahrer, die jeden Morgen über die Bischofsnadel oder die wenigen großen Weserbrücken in die Altstadt pendeln, werden jedenfalls heute und wohl auch zukünftig kaum einen Grund haben, den Premiumradweg auf Höhe der Altstadt zu nutzen.“ Und: „Was bleibt, ist eher Symbolpolitik aus dem Verkehrsressort. Wir sind weiterhin der Auffassung, dass solche Maßnahmen insgesamt deutlich mehr Kosten als Nutzen haben.“

Lob für das geplante Bremer „Stadtmusikantenhaus“

Anders sei es beim Ziel einer autoarmen Innenstadt, das man „teile“. Nur: „Dazu gehört unseres Erachtens aber auch, dass die Verlegung der Straßenbahn aus der Obernstraße glaubwürdig, unabhängig und ernsthaft geprüft wird. Das Bild einer entspannten, entschleunigten und aufgewerteten Einkaufsstraße, die zum Bummeln und Verweilen einlädt, könnte durch die Verlegung der Straßenbahn deutlich gewinnen“, so Brockmann.

Applaus gab es für das von CDU und FDP in der Bürgerschaft wegen der Millionenkosten gerade wieder scharf kritisierte „Stadtmusikantenhaus“ an der Langenstraße, ein Lieblingsprojekt von Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Mit dem „Stadtmusikantenhaus“ werde „ein weiterer Meilenstein für das ,Balge-Quartier‘ auf den Weg gebracht“, so Brockmann. Und: „Bremen strahlt in die Region und macht auf sich aufmerksam.“

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