Energiekrise

Preishammer bei SWB: Neukunden müssen das Dreifache für Gas zahlen

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Der Energieversorger SWB in Bremen erhöht die Grundpreise für Neukunden um das Dreifache. Möglich ist dies nur aufgrund einer Gesetzesänderung vom Sommer.

Bremen – Die Energiepreise explodieren in Bremen und Niedersachsen derzeit an allen Ecken und Enden. Grund dafür ist der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende Energiekrise, die bereits jetzt schon ihre ersten sozialen Opfer fordert, weil Menschen ihre Stromrechnungen oder gar Mieten nicht mehr bezahlen können. Jeden Tag wird ein neuer Superlativ dafür benötigt, weil es vermeintlich noch schlimmer geworden ist als am Tag zuvor. Jetzt kommt in Bremen und Bremerhaven der nächste Hammer in Sachen Energiepreise und das liegt noch nicht einmal an der Gasumlage.

Preisschock bei SWB: Neukunden müssen das Dreifache zahlen – jetzt werden 30,19 Cent pro kWh fällig

Denn laut einem Bericht des Weser-Kurier sind die Energiepreise für Neukunden beim Grundversorger SWB drastisch erhöht worden. Wer aktuell zu dem Gas- und Stromlieferanten wechselt, der 1999 aus den Stadtwerken Bremen hervorgegangen ist, muss damit rechnen, das Dreifache des Grundtarifs in Rechnung gestellt zu bekommen. Aktuell beträgt der Verbraucherpreis bei der SWB in der Grundversorgung mit Gas inklusive Warmwasserzubereitung für Bestandskunden laut Webseite des Unternehmens 11,88 Cent pro kWh, hinzu kommen noch 8,44 Euro im Monat als Grundpreis.

Der Energieversorger SWB hat die Gas- und Strompreise für Neukunden auf das Dreifache erhöht. (Archivbild)

Kommt man nun als Neukunde zur SWB, weil beispielsweise der alte Energieversorger pleite gemacht hat, so kommt man bei den Bremern zunächst in den ersten drei Monaten in die sogenannte Ersatzversorgung. Und dort wartet ein versteckter Preishammer, der es aufgrund einer Gesetzesänderung in diesem Sommer so richtig in sich hat. In der Ersatzversorgung der SWB kostet nämlich die Kilowattstunde nicht mehr nur 11,88 Cent, dort werden unglaubliche 30,19 Cent pro kWh fällig. Und auch hier kommen noch die 8,44 Euro Grundpreis darauf. Da hilft auch die Energiepreispauschale über 300 Euro nicht.

Energiepreisschock in Bremen: Single-Haushalt soll statt 873,48 Euro nun rund 1160 Euro zahlen

Das ganze durchgespielt mit einem Single-Haushalt, der auf 50 Quadratmetern lebt und neben der Heizung auch die Warmwasserversorgung mit Gas betreibt, ergibt sich für einen Bestandskunden in der Grundversorgung eine jährliche Abschlagszahlung von 873,48 Euro. Kommt man nun als Neukunde zur SWB, erhöht sich der Betrag drastisch, und zwar auf rund 1160 Euro – je nach tagesaktuellem Gaspreis. Gas ist allerdings nicht der einzige Energieträger, der derzeit drastisch teurer wird. Auch die Preise für Holzpellets schießen aktuell nach oben.

Genommen werden die Preise laut dem Bericht des Weser-Kurier bereits seit Anfang des Monats. Grund für die drastische Preissteigerung ist natürlich zum einen der Krieg in der Ukraine. Doch auch eine Gesetzesänderung im Sommer macht es Energieversorgern in Deutschland künftig einfacher, die Preise zu erhöhen. Zumindest in den ersten drei Monaten bei Abschluss eines neuen Vertrags zur Versorgung. Danach wird dann schließlich der günstigere Tarif in der Grundversorgung fällig und der Neukunde zahlt dann das gleiche wie alle anderen. In Kraft getreten ist die Gesetzesänderung bereits am 28. Juli 2022, viel Zeit hat man sich also mit der Umsetzung in Bremen nicht gelassen. Der Preisdruck auf das Unternehmen scheint enorm zu sein.

Das Gesetz zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts stammt noch aus dem „Osterpaket“ der Bundesregierung und wurde durch diese bereits im April beschlossen, der Bundestag hat es schließlich im Juni durchgewunken. Darin wird geändert, dass Versorger bei Neukunden in der Ersatzversorgung nun nicht mehr standardmäßig den Grundpreis nehmen müssen. Bisher war es so, dass dieser Preis 1:1 auch an die Neukunden weitergeben wurde.

SWB-Neukunden müssen das Dreifache zahlen: durch Gesetzesänderung drei Monate höhere Energiepreise

Nun dürfen die Versorger in den ersten drei Monaten einen wesentlich höheren Preis pro kWh in der Ersatzversorgung erheben. Dies aus dem Grund, weil Versorger mit ihren Kunden in der Regel langfristig planen. Mit der Ersatzversorgung wird sichergestellt, dass in Deutschland kein Haushalt ohne Strom oder Gas sein muss, nur weil der Lieferant nicht mehr liefern kann. Dann kommen die sogenannten Grundversorger zum Einsatz. In Bremen ist das mit den ehemaligen Stadtwerken die SWB.

Jetzt ist es so, dass bei einer langfristigen Planung mit einem Kunden der aktuelle Gaspreis auf dem Markt eine eher marginale Rolle spielt. Kommt ein Kund hingegen neu in die Ersatzversorgung, muss der Energielieferant das Gas zu teuren, tagesaktuellen Marktpreisen nachkaufen. In der momentanen Situation könnte ein Energieunternehmen aus diesem Grund schnell in finanzielle Schieflage geraten, weil sie die Energie teurer einkaufen müssten, als sie sie verkaufen können. Dies gilt sowohl für Gas als auch für Strom.

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