VonFabian Raddatzschließen
Nächtliches Anwohnerparken auf Supermarkt-Stellplätzen? Eine Machbarkeitsstudie soll nun zeigen, wie Quartiersparken in Bremen zukünftig aussehen kann.
Bremen – Wie der Weser Kurier berichtet, bereitet die Stadt Bremen derzeit eine Machbarkeitsstudie zum Quartiersparken vor. Unter anderem soll geprüft werden, welche Möglichkeiten es gibt, das Anwohnerparken zukünftig zu gestalten – etwa anhand von Quartiersgaragen oder mittels Stellplätzen vor Supermärkten.
„Wir tauschen uns zu diesem Thema auch mit anderen Städten aus, unter anderem mit Düsseldorf“, so Linda Neddermann, Sprecherin des Bau- und Verkehrsressorts, zum Weser Kurier.
Quartiersgaragen oder Supermarktparkplätze: Bremen grübelt weiter über Autostellplätze
In der nordrhein-westfälischen Hauptstadt sei man schon einen Schritt weiter. Auto-Besitzer sollen künftig die Möglichkeit haben, ihr Fahrzeug auf einem der Kundenparkplätze außerhalb der Geschäftszeiten abzustellen. Düsseldorfs Bürgermeister, Stephan Keller (CDU), und Vertreter von Penny, Netto, Lidl und Aldi haben vergangene Woche eine entsprechende Absichtserklärung unterschrieben.
Auch ein Nachtparkregister, um die entsprechenden Flächen bekannt zu machen, sei in Planung. Dass so ein Vorhaben auch in Bremen großes Potenzial besitze, habe eine Bestandsaufnahme in Findorff gezeigt. Dort – im Viereck Hemmstraße, Admiralstraße, Finndorffstraße und Plantage – seien fast 750 private Stellplätze gezählt worden, schreibt der Weser Kurier. Unter anderem hätten sie sich rund um einen Getränkemarkt, bei einem Bowling-Center sowie vor einem Netto-Supermarkt befunden und selbst zu Spitzenzeiten tagsüber nur zu rund einem Drittel belegt gewesen.
Anwohnerparken in Bremen wie in anderen Städten? In Düsseldorf kann per App bezahlt werden
In Düsseldorf hätte es im Vorfeld Praxisversuche bei einzelnen Supermärkten gegeben. „Wir bieten seit Juni 2020 im Rahmen eines Tests die Möglichkeit an, nachts auf extra ausgewiesenen Parkflächen einer unserer Lidl-Filialen zu parken“, sagt Dennis Miesen, Leiter des Lidl-Immobilienbüros Düsseldorf.
So gebe es für Nutzer die Möglichkeit, sich per App einen Parkplatz zu buchen und das Auto von montags bis sonntags von 18 bis 8 Uhr am Folgetag abzustellen. Das Bezahlen ist bargeldlos über die App möglich. Ein Platz kostet 0,50 Euro pro Stunde und wird pauschal mit drei Euro pro Nacht abgerechnet.
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Laut Miesen soll geprüft werden, ob diese Form des Parkens in den Nachtstunden auch an weiteren Standorten möglich ist. Zudem habe Aldi erklärt, das eigene Angebot ebenfalls ausbauen zu wollen.
Supermarkt-Plätze fürs Anwohnerparken freigeben: „Bislang sind mir entsprechende Planungen nirgendwo bekannt“
Gegenüber dem Weser Kurier räumte Lidl-Sprecherin Julie Simone Berger ein, dass dieses Vermieten bestimmter Stellplätze nicht dem Konzept städtischen Anwohnerparkens entspreche. „Unser Angebot richtet sich grundsätzlich an alle interessierten Personen, wird jedoch insbesondere von Anwohnern genutzt.“
Üblicherweise entrichtet man bei der Stadt jährlich eine Gebühr für eine Parkplakette – in Bremen sind es aktuell 30 Euro. Obwohl es zur kostenfreien Nutzung von ausgewiesenen Flächen berechtigt, wird jedoch kein fester Parkplatz garantiert.
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Supermarkt-Plätze in Wohngebieten fürs Anwohnerparken freizugeben, wäre bei jedem Preismodell Neuland. „Bislang sind mir entsprechende Planungen in unserem Gebiet nirgendwo bekannt“, sagt Jan König, Geschäftsführer des Handelsverbandes Nordwest, der aus 16 Landkreisen und kreisfreien Städte im Viereck Verden, Ammerland, Vechta und Cuxhaven besteht.
Auch bei Aldi Nord lägen entsprechende Anfragen nicht vor, heißt es.
Zoff zwischen Anwohnern und Supermärkten bereits in der Vergangenheit
Grundsätzlich könnten wohl alle Beteiligten davon profitieren – Anwohner, Unternehmen und auch die jeweilige Kommune, so König. „Interessant könnte diese Idee auch in Verbindung mit Ladestationen für Elektroautos sein.“
Je nach Größe der Verkaufsstätte seien diese dazu verpflichtet, die vorgegebene Anzahl an Kundenparkplätzen bereitzuhalten. Laut König käme es samstags zu Problemen, nämlich dann, wenn die Anwohner ihre Autos morgens nicht für den Arbeitsweg bräuchten. König: „Viele Supermärkte öffnen auch dann zwischen sieben und acht Uhr früh und benötigen ihre Kundenparkplätze.“
Bereits in der Vergangenheit sei es zu Streit um Strafgebühren wegen zu langem Parken gekommen. Viele Supermärkte hätten bereits spezielle Dienstleister beauftragt, um ihre Parkplätze zu bewirtschaften und zu kontrollieren. Um die Parkzeiten minutengenau kontrollieren zu können, kommen in Düsseldorf Systeme zur Kennzeichenerkennung zum Einsatz.
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