Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg

Tuberkulose-Fälle in Bremen nehmen deutlich zu

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In Bremen ist jüngst die Anzahl der gemeldeten Tuberkulose-Fälle gestiegen. Das Gesundheitsressort sieht einen Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg.

Bremen/Hannover – Seit rund zweieinhalb Jahren hat das Coronavirus Bremen und Niedersachsen fest im Griff. Und der Corona-Herbst 2022 wartet schon. Jetzt aber lassen Zahlen einer anderen Statistik aufhorchen. Laut einer Mitteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI) soll die Anzahl der gemeldeten Fälle mit einer Tuberkulose-Infektion im kleinsten Bundesland Deutschlands stark angestiegen sein.

Durch Krieg in der Ukraine: Tuberkulose-Fälle in Bremen nehmen deutlich zu

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, stiegen die Fälle in der Hansestadt Bremen von 29 in der ersten Hälfte des Jahres 2021 (1. bis 30. Kalenderwoche) auf 41 im entsprechenden Vergleichszeitraum dieses Jahres. „Hier gibt es einen Zusammenhang mit Flucht- und Migrationsbewegungen seit Kriegsbeginn aus der Ukraine“, sagte Lukas Fuhrmann, Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, dem Weser-Kurier, der zuerst darüber berichtete. Diese Krankheit sei in der Ukraine weiter verbreitet als in Deutschland.

Alle Flüchtlinge aus der Ukraine werden bei der Erstuntersuchung auf Tuberkulose getestet – bei Erwachsenen wird in Bremen zusätzlich die Lunge geröntgt. (Archivbild)

Alle Flüchtlinge des Ukraine-Kriegs würden bei der Erstuntersuchung auf Tuberkulose getestet. Bei Erwachsenen werde zusätzlich die Lunge geröntgt, sagte Fuhrmann. Die Betroffenen seien bekannt und würden entsprechend behandelt. Eine Sorge vor einer massenhaften Ausbreitung bestehe nicht. In Niedersachsen stieg die Zahl der Tuberkulosefälle in dem Vergleichszeitraum nur leicht von 151 auf 164 Fälle.

In Niedersachsen wurden jedoch in den jeweils ersten 30 Kalenderwochen der Jahre 2021 und 2022 aktuell deutlich mehr Influenza-Fälle registriert. Die Zahl stieg von 25 auf 886 Fälle. In Bremen nahmen die Zahlen in diesem Vergleichszeitraum von 2 Influenzafällen auf 98 zu.

Niedersachsen registriert deutlich mehr Influenza-Fälle als 2021 – Kaum Anstieg bei Tuberkulose-Fällen

Eine wissenschaftliche Erklärung für diesen Anstieg gebe es derzeit nicht, sagte der Sprecher des Landesgesundheitsamts Niedersachsen, Holger Scharlach. Ungewöhnlich sei die vergleichsweise hohe Infektionszahl im Sommer, weil die Influenza als Winterkrankheit gelte. Der Leiter des Instituts für Immunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, Reinhold Förster, warnte vor einer Fehlinterpretation der Zahlen.

Der Vergleich mit dem Vorjahr führe zu falschen Schlussfolgerungen, weil 2021 die Infektionszahlen außergewöhnlich niedrig gewesen seien. Notwendig sei der Vergleich der Zahlen über mehrere Jahre – gerade auch bei Influenza-Erkrankungen, die ohnehin von Jahr zu Jahr stark unterschiedlich ausfielen. Ob der Anstieg im Jahr 2022 mit dem Wegfall der strengen Corona-Regeln im Zusammenhang stehe, sei Spekulation. (mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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