VonSebastian Petersschließen- Ute Lauknerschließen
Höhe und Standort interessierten viele Bürger, nun herrscht aber erst einmal Baustopp beim Elbtower in Hamburg. Grund: Bauherr Signa Prime Selection soll nicht rechtzeitig gezahlt haben.
Hamburg – In den letzten Wochen gab es vermehrt Berichte über finanzielle Schwierigkeiten bei Signa, dem Mutterkonzern des Elbtowers. René Benko, der österreichische CEO von Signa, ist derzeit dabei, Immobilien wie das Flüggerhaus am Rödingsmarkt in Hamburg zu verkaufen. Darüber hinaus wurden die Bauarbeiten an der Gänsemarkt-Passage vorübergehend gestoppt, anscheinend aufgrund des bisherigen Mangels an Mietern. Seit Freitagmorgen, 27. Oktober, ruhen die Bauarbeiten am Elbtower weitgehend.
Elbtower: Höhe, Standort und warum aktuell Baustopp herrscht
| Name: | Elbtower |
| Fertigstellung: | 2025 (voraussichtlich) |
| Bauherr: | Signa Prime Selection AG |
| Standort: | Nahe des Bahnhofs Hamburg-Elbbrücken |
Die Baukonzern Lupp hat eigenen Angaben zufolge den Rohbau des Elbtowers bei einer Höhe von etwa 100 Metern vorübergehend ausgesetzt. Matthias Kaufmann, der Geschäftsführer der Rohbaufirma, beruhigte jedoch die Öffentlichkeit gegenüber dem Hamburger Abendblatt mit der Aussage: „Wir gehen nach heutigem Stand davon aus, dass die Wiederaufnahme der Baustellentätigkeit zeitnah erfolgen kann.“ Es finden Gespräche mit den Investoren Signa und Commerz Real, einer Tochter der Commerzbank, statt.
Der Bauherr Signa Prime Selection hat bisher keine offizielle Erklärung zum Baustopp abgegeben. Am Donnerstag wurden kurzfristig Dreharbeiten des NDR Hamburg Journals auf der Baustelle abgesagt, angeblich aufgrund von Krankheitsfällen unter den Signa-Mitarbeitern, so der NDR. Die laufenden Baukosten belaufen sich auf 25 Millionen Euro monatlich, und die Gesamtkosten des Projekts werden auf fast eine Milliarde Euro geschätzt. Kritiker wie Heike Sudmann von der Linken und Markus Schreiber, ein Mitglied der Bürgerschaft und der SPD, zweifeln schon seit Jahren an der finanziellen Stabilität von Signa, dem auch die Mehrheit der Kaufhauskette Galeria gehört. Sudmann befürchtet, dass der Baustopp das Ende der ehrgeizigen Pläne für den Elbtower bedeuten könnte. Auch Unternehmer Klaus Michael Kühne hat in den Elbtower investiert, daher könnte Signa ihn um eine verstärkte Beteiligung bitten.
Städtische Hafencity-Gesellschaft hat Verträge ausgehandelt
Die städtische Hafencity-Gesellschaft ist verantwortlich für die Verträge mit der Elbtower-Gesellschaft, die während der Amtszeit von Olaf Scholz (SPD) als Bürgermeister in Hamburg ausgehandelt wurden. Damals wurde betont, dass die Verträge so wasserdicht seien, dass der Investor den Elbtower auf jeden Fall bauen müsse. Derzeit lehnt die HafenCity Hamburg GmbH eine Stellungnahme zum Baustopp des Hochhauses an den Elbbrücken ab, angeblich aufgrund von Urlaubszeit in der Chefetage.
Wenn es weitergeht, wird der über Hamburg wohl in ein paar Jahren hochhinausragende Elbtower sprichtwörtlich das „Tor zur Hansestadt“ beziehungsweise „Tor zur Welt“ mit dem gegenüberliegenden Holiday Inn-Hotel am Billwerder Neuer Deich bilden. Denn beide Turmbauten würden sich dann sozusagen gegenüberstehen. Zwischen beiden Türmen hindurch befindet sich streckenweise die vielbefahrene Bundesstraße 75, die in Richtung Stadt über Berliner Tor in die Innenstadt führt und in Richtung Süden über die Elbbrücken.
Während das Vier-Sterne Holiday Inn-Turmhotel allerdings „nur“ über 18 Etagen hoch ragt und damit dennoch auffällig und beeindruckend wirkt, wird der Elbtower an der Norderelbe noch eine ganze Reihe mehr Stockwerke haben – nicht weniger als 64. Derzeit kann sich wohl kaum jemand vorstellen, was das für ein hohes Gebäude sein wird, dass dort entstehen soll.
Wohnen im Elbtower? Gebäude bietet keine Chance auf private Wohnungen
Ausgedacht haben sich dieses spektakuläre Bauprojekt in der östlichen Hafencity die Architekten um David Chipperfield. Einem britischen Star-Architekten, der 1953 in London geboren wurde. 1985 gründete er in seiner Heimatstadt sein eigenes Architekturbüro. Später folgten weitere Büro-Dependancen in Berlin, Shanghai und Mailand.
Vor zwei Jahren stellte der Investor Signa Real Estate, deren Beirat unter anderem der erste Vorsitzende René Benko angehört, im Dezember 2020 in Hamburg einen Bauantrag für den Elbtower. Folgende Projekte werden unter anderem mit dem bekannten Multimilliardär Renè Benko und dem privaten Immobilienunternehmen Signa aus Österreich in Verbindung gebracht: Das Alsterhaus am Jungfernstieg in Hamburg, die (Karstadt-Kaufhof) Galeria Kette mit unter anderem einem Haus in der Mönkebergstraße und das bekannte Kaufhaus KaDeWe in Berlin.
Im März 2022 kam bereits die Zusage zur Elbtower-Baugenehmigung. Involviert in dieses aufregende Bauprojekt ist Hamburgs Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, neben der Hafencity Hamburg GmbH. Bis 15. Dezember leitete Dr. Dorothee Stapelfeldt als Senatorin diese Behörde. Seit dem 15. Dezember 2022 widmet sich nach dem freiwilligen Ausscheiden von Stapelfeldt die neue Senatorin Karen Pein nun auch dem Projekt.
Baustelle am Elbtower in Hamburg aktuell: Baugrube ausgehoben und Gründungsverankerungen gesetzt
Der Elbtower am östlichen Rand der neuen Hafencity im Elbbrückenquartier ist umstritten. Zum einen kann niemand heute wissen, wie sich das enorm hohe Turmgebäude in die Skyline Hamburgs einfügen wird, zum anderen sind alle doch auch irgendwie neugierig auf das, was da an Neuem kommt. Zunächst einmal wurde eine Baugrube ausgehoben und es wurden die Gründungsverankerungen gesetzt.
Es ging also eher erstmal in die Tiefe, statt in die Höhe und geschah daher wohl von den Hamburgerinnen und Hamburgern eher unbeachtet. Auch wer mit dem Auto über die Elbbrücken fährt kann zunächst nicht viel sehen, bis auf einen Bauzaun und eine paar rote Baukräne.
Elbtower – Planerische Fakten in Zahlen
Bruttogeschossfläche: 104.000 Quadratmeter
Grundstück: 21.055 Quadratmeter
Höhe: 245 Meter
Stockwerke: 64
Aussichtsterrasse: 55. Etage
Aber nun, wenn die Basisbauten des Fundaments am Boden erfüllt sind und die Betonplatte durchgetrocknet ist, wird der Elbtower nunmehr Etage für Etage in den Himmel wachsen. Doch für diesen Bauabschnitt-Schritt müssen noch die letzten Bedingungen aus dem Vertrag zunächst erfüllt werden. Sollten alle Voraussetzungen Anfang 2023 vertragsgemäß erfolgt sein, würde jeder den Baufortschritt sozusagen im Vorbeifahren mit dem Auto und der Bahn und vom nahegelegenen Elbbrücken-Bahnhof nachverfolgen können.
Elbtower Webcam: So sieht die Baustelle aktuell aus
Die Baufachleute würden in schwindelerregender Höhe von 245 Meter zunächst die ersten sein, die diesen gigantischen freien Blick über die Stadt Hamburg bei der Arbeit genießen können, aber später– und so ist es derzeit noch geplant – , sollen zumindest alle bis zur Aussichtsplattform in 225 Meter Höhe einen Zutritt erhalten und so diesen Überblick auf die Hansestadt ebenso genießen können. Doch bis es soweit ist, gilt es sich in Geduld zu fassen. Die planmäßige Fertigstellung ist übrigens nach eigenen Aussagen auf der Elbtower-Webseite für 2025 angegeben. Dort zeigen die Betreiber auch den aktuellen Stand der Baustelle am Elbtower über eine Webcam.
Der Elbtower ist nicht das einzige derzeitige Bauprojekt in der Stadt. Irgendwie scheint es beim Durchfahren und Herumlaufen, als würde derzeit an allen Ecken und Enden gebaut. Vom Lückenschluss über Neubauten, bis hin zu Umgestaltungen und prächtigen Promenaden, wie die am Hafen mit dem Namen „Jan-Fedder-Promenade“, und schicken Plätzen für das nachbarliche Miteinander, rüstet sich Hamburg für die Zukunft. Zehntausend neue Wohnungen pro Jahr waren unter der Leitung von Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt das Ziel der Baubehörde, ob es dabei bleibt, werden wir sehen.
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