VonClaudia Kabelschließen
Eine Frau hält 40 Katzen in ihrer Wohnung in Groß-Gerau. Das Veterinäramt sucht verzweifelt nach einem Platz für die Tiere. Die Tierschutzorganisation Peta fordert jetzt Konsequenzen.
Groß-Gerau - Knapp ihrem Tod entgangen sind 40 Katzen in Groß-Gerau. Eine Frau hatte sie in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung gehalten. Wie das Veterinäramt des Kreises Groß-Gerau mitteilte, sollten die Tiere der Frau im Laufe dieser Woche weggenommen werden. Anlass dafür sei eine Tierschutzanzeige.
Doch zunächst gab es keinen Platz in Tierheimen in der Umgebung. Diese hätten signalisiert, sie könnten keine Katzen mehr aufnehmen, weil sie voll belegt seien. Auch eine Anfrage bei der Landestierschutzbeauftragten sei erfolglos geblieben, und auch die Tierhalterin selbst habe mit ihren Vermittlungsversuchen keinen Erfolg gehabt, berichtet Katrin Stein vom Kreisveterinäramt. „Die letzte Option, die wirklich niemand wollte“, sei die Tötung der Katzen gewesen.
40 Katzen in Wohnung in Groß-Gerau: Tier sind „ziemlich scheu“
Erfolg hatte schließlich die Anfrage beim Landestierschutzverband Hessen. Von dort hieß es auf Anfrage der Frankfurter Rundschau am Mittwoch, man habe für alle 40 Katzen Plätze in hessischen Tierheimen gefunden. Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, könne man jedoch keine Details nennen.
Laut Veterinäramt sind die Tiere reine Wohnungskatzen und „ziemlich scheu“. Über ihren Gesundheitszustand sei nichts bekannt, sodass sie schnell tierärztlich untersucht werden müssten. Als „alarmierendes Signal an unsere Politik“ bezeichnete die Tierschutzorganisation Peta den aktuellen Fall. Es sei nicht der erste Fall, bei dem Menschen eine große Zahl von Tieren sammelten, deren Bedürfnissen aber nicht gerecht werden könnten.
„Animal Hoarding“: Fälle im Kreis Groß-Gerau und Kreis Offenbach
Im April waren im Kreis Groß-Gerau 80 Katzen in zwei Wohnungen beschlagnahmt worden. Im Juli hatten Tieschützer im Kreis Offenbach 13 verwahrloste Katzen aus einer kleinen Wohnung gerettet. Bei diesem sogenannten „Animal Hoarding“ vermehrten sich Katzen unkontrolliert, kritisiert Peta-Referentin Jana Hoger. Obwohl die Tierheime am Limit seien und keine Kapazitäten mehr hätten, würden Züchter:innen „weiterhin ungehindert Jungtiere produzieren und auf Bauernhöfen unkastrierte Katzennachwuchs zur Welt bringen, für den sich kein Mensch verantwortlich fühlt“. Dies führe dazu, dass Tiere ausgesetzt und sich selbst überlassen werden.
„Animal Hoarding“: Peta fordert Kastrationspflicht und Zuchtverbot
Peta fordert deshalb eine landesweite Kastrations- und Registrierungspflicht für alle Freigängerkatzen. Um das Problem langfristig zu lösen, müsse zudem die Zucht verboten werden.
In Hessen ist es Kommunen überlassen, eine Verordnung zur Kastrationspflicht zu verhängen. In Groß-Gerau gibt es diese laut einer Übersicht des Tierschutzbunds bisher nicht. (Claudia Kabel)
Der Frankfurter Tierschutzverein verlangt mehr Zuschuss von der Stadt - dreimal so viel wie bisher, sonst nimmt er keine Fundtiere mehr an. „Drei schlechte Jahre, und wir sind pleite“
