Tierschutz

„Drei schlechte Jahre, und wir sind pleite“: Frankfurter Tierheim ist in Geldnot

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Der Frankfurter Tierschutzverein verlangt mehr Zuschuss von der Stadt - dreimal so viel wie bisher, sonst nimmt er keine Fundtiere mehr an. „Drei schlechte Jahre, und wir sind pleite“

Fechenheim - Der Tierschutzverein (TSV) Frankfurt hat in seiner Mitgliederversammlung beschlossen, den Vertrag mit der Stadt zum Jahresende zu kündigen. Außerdem droht er, von Januar an keine gefundenen oder sichergestellten Tiere mehr im Fechenheimer Tierheim aufzunehmen, wenn bis dahin kein neuer Vertrag mit veränderten Konditionen zustande gekommen ist.

Darüber informierte der Vorsitzende Michael Hallstein am Montagabend die Mitglieder des Ausschusses für Personal und Sicherheit der Stadtverordneten. Es geht ums Geld. Hallstein erklärte, die Finanzlage des Vereins habe sich wegen gestiegener Energie-, Personal- und Tierarztkosten stark verschlechtert. Nur durch Nachlässe habe sich etwa ein 1,9-Millionen-Euro-Loch im Geschäftsjahr 2022 stopfen lassen.

Tierheimleiterin Sabine Urbainsky und eine Klientin.

Knackpunkt ist aus Sicht des TSV der städtische Zuschuss. Er liegt nach einer komplizierten Berechnung inklusive Erbpachtanteil bei weniger als 250 000 Euro jährlich und somit bei 33 Cent pro Jahr und Einwohner:in. Zum Vergleich führte Hallstein kommunale Tierheimzuschüsse in Bochum (drei Euro), Köln (1,20 Euro), Offenbach (80 Cent) und Darmstadt (60 Cent) an.

Drei schlechte Jahre, und wir sind pleite.

Michael Hallstein, Vorsitzender Frankfurter Tierschutzverein

Frankfurter Tierheim in Geldnot: 2,2 Millionen muss der Verein für den Betrieb aufbringen

2,2 Millionen Euro müsse der Verein jährlich für den laufenden Betrieb aufbringen. Bisher klappte das einigermaßen dank Vermittlungsgebühren, Spenden und Erbschaften – jetzt nicht mehr, beklagen Tierheim- und Vereinsvorstand. Ein außerplanmäßiger Zuschuss von 100 000 Euro im vorigen Jahr für Sanierungsarbeiten half auch nicht dauerhaft. Hallstein: „Drei schlechte Jahre, und wir sind pleite.“

Um kostendeckend arbeiten zu können, sei ein städtischer Zuschuss von mindestens einem Euro pro Jahr und Bürger:in nötig, empfahl der Deutsche Tierschutzbund schon 2010. Diesen Betrag fordert der TSV nun ein, mithin eine Verdreifachung auf rund 765 000 Euro jährlich plus knapp 74 000 für die Erbpacht. Andernfalls müsse die Stadt zusehen, wie sie mehr als tausend Tiere jährlich unterbringe.

Das Ordnungsamt, für Belange des Tierheims zuständig, sagte der FR dazu, die Behörde brauche einen politischen Impuls, sprich: den Auftrag der Stadtverordneten, um tätig zu werden. Der Ausschuss versprach jedenfalls, das Anliegen zu prüfen. (Thomas Stillbauer)

Auch die vielen streunenden Katzen in Frankfurt sind eine ständige Gefahr für Vögel. So fordern Tierschutzorganisationen eine Kastrationspflicht für Katzen.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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