Am Burggraben in Grünberg

Gehweg plötzlich viel zu schmal: Auch der Bürgermeister kann‘s nicht glauben

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Zwischen Burggraben, Borngasse und An der Stadtkirche fällt der Gehweg zurzeit durch den Bau eines Parkplatzes sehr schmal aus. Hier müssen Passanten mit Kinderwagen und Rollstuhl auf die Straße ausweichen.
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In der Altstadt von Grünberg (Kreis Gießen) ist nach dem Bau eines privaten Parkplatzes kaum mehr Platz für Fußgänger auf dem dortigen Gehweg.

Grünberg – So mancher Passant in Grünberg (Kreis Gießen) dürfte sich in den vergangenen Wochen bei dem Blick auf den Gehweg am Burggraben sehr gewundert haben: Nicht einmal mehr 40 Zentimeter misst das kurze Stück zwischen dem Parkplatz am Burggraben, Borngasse und An der Stadtkirche in der Breite. Der erhalten gebliebene Gehweg am Burggraben taugt kaum mehr für schlanke Menschen ohne Kinderwagen, Rollstuhl oder Kind an der Hand. Das hat sich nunmehr auch herumgesprochen, und schon während der letzten Sitzung der Stadtverordneten fragte Klaus-Peter Kreuder (Grüne) diesbezüglich bei Bürgermeister Marcel Schlosser an, wie es dazu kam.

Der Reihe nach: Der dortige Bauherr hatte bereits 2021, noch während der Amtszeit von Schlossers Vorgänger Frank Ide, seinen Bauantrag gestellt. An der benannten Stelle sollte damals noch eine Garage entstehen. Aus Letzterer wurde jedoch nichts, stattdessen entstand dort mittlerweile ein Parkplatz. Und für diesen wurde ein Teil des Gehwegs überbaut.

»Das Ganze kommt einem schon wie ein Schildbürgerstreich vor«, sagt auch Bürgermeister Marcel Schlosser mit Blick auf die übrig gebliebene Gehwegbreite. Aber die Stadtverwaltung sei an dieser Stelle vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Der dortige Bauherr habe jedoch nichts falsch gemacht: »Der überbaute Bereich gehört zu seinem Grundstück«, erklärt Schlosser.

„Wie ein Schildbürgerstreich“ – Bürgermeister im Kreis Gießen reagiert auf schmalen Gehweg

Das durch den Parkplatzbau entstandene Problem hat eine lange Vorgeschichte: Im Vorfeld des Hessentags in Grünberg 1980 wurden viele Gehwege in der Altstadt neu angelegt. Dafür wurden diese an manchen Stellen, wie auch am Burggraben, auf Privatgrundstücke gebaut. »Das wurde damals von den Besitzern geduldet«, sagt der Rathauschef.

Was damals kein Problem war, kann unter Umständen heute zu einem werden. Denn die gleiche Besitz-Situation wie am Burggraben spiegelt sich auch an anderer Stelle: »Die Situation besteht im gesamten Altstadtbereich«, erklärt der Rathauschef. Und damit könnte es auch an anderen Stellen in den kommenden Jahren zu ähnlich gelagerten Problemen kommen.

Zumindest am Burggraben soll der Gehweg aber wieder breiter werden, erklärt Schlosser. »Wir sind dazu im Gespräch und Abstimmungen mit dem Eigentümer.« Eventuell werde die Stadt diesem einen Teil des Grundstücks abkaufen, um wieder mehr Platz für Passanten zu schaffen. Das erfordere jedoch Zeit und Abstimmungen. Der dortige Bauherr sei kooperationsbereit. Schlosser: »Ziel ist es, dass wir dort wieder einen richtigen Gehweg hinbekommen.« (Constantin Hoppe)

Die Vorbereitungen für den Bau der Südumgehung für Reiskirchen und dem Ortsteil Lindenstruth im Kreis Gießen laufen. Eine andere Umgehung wird dafür nicht mehr gebraucht.

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