Umgehungsstraße

„Das Geld kann man sich sparen“: Neue Debatte um Umgehungsstraße im Kreis Gießen

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Entlang der B 49 herrscht in Grünberg tagsüber starker Verkehr - wie hier am Donnerstagnachmittag.
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Die Vorbereitungen für den Bau der Südumgehung für Reiskirchen und dem Ortsteil Lindenstruth im Kreis Gießen laufen. Eine andere Umgehung wird dafür nicht mehr gebraucht.

Reiskirchen – Es ist schon einige Jahre her, dass es Neuigkeiten zur Grünberger Ortsumgehung gab. Natürlich wurde seitdem auch hier und da mal darüber gesprochen, selbst in öffentlichen Gremien, aber eher im Plauderton, nichts Verbindliches. Mit dem Start der Vorbereitungsarbeiten für die Südumgehung der B 49 für Reiskirchen gerät aber auch die Frage nach den Planungen für Grünberg wieder in den Fokus. Denn nach wie vor stehen beide Vorhaben als Teile eines gemeinsamen Projekts im Bundesverkehrswegeplan 2030.

Geht es jedoch nach Grünbergs Bürgermeister Marcel Schlosser (CDU), soll sich das so schnell wie möglich ändern: »Das Geld für diese Straße kann man sich sparen«, sagt der Rathauschef im Gespräch mit dieser Zeitung. Aus seiner Sicht sollte die Nordumgehung in Zukunft keine Rolle mehr für die Stadt spielen. »Diese Umgehung brauchen wir nicht mehr.« Und das, obwohl seine Fraktion das einst anders sah: Die CDU war bislang immer ein Fürsprecher der Planungen, stellte vor nunmehr zwölf Jahren erfolgreich den Antrag im Stadtparlament, die Vorausplanungen zu beginnen.

Grünbergs Bürgermeister sieht für Umgehung keinen Bedarf mehr

Auf rund 3,5 Kilometer Strecke, so war einst der Plan, soll die Umgehung nördlich von Grünberg entstehen und die Ortslage entlang der B 49 entlasten. Die geplante Trasse quert den Äschersbach und damit ein Landschaftsschutzgebiet sowie gleich zweimal die Gleise der Vogelsbergbahn - für jedes dieser Hindernisse würde ein Brückenbauwerk erforderlich. So zumindest der Planungsstand aus dem Jahr 2013. Die Kosten beliefen sich nach einer Berechnung im Jahr 2014 auf damals 16,3 Millionen Euro - heute dürfte diese Summe alleine wegen der Inflation deutlich darüber liegen.

Seit fast 50 Jahren steht die Trasse im Flächennutzungsplan der Stadt. In den 70er-Jahren wurde das Vorhaben geplant, in den 80er-Jahren aber vorerst verworfen. Im Verkehrswegeplan findet sich noch immer der Streckenverlauf von der B 49/unterhalb Lehnheimer Kreuz bis zur B 49/Göbelnröder Wald. Auch eine kleinere Version der Umgehung von der L 3127, Höhe Neuer Friedhof, zur Göbelnroder/Gießener Straße war eine Zeit lang im politischen Diskurs, wurde schließlich jedoch nicht weiter verfolgt.

Vorbereitungen für den Bau der Südumgehung in Reiskirchen haben begonnen

Der Vergleich mit der Reiskirchener Umgehungsstraße liegt wegen der ähnlichen Ausgangssituation nahe. Der tägliche Verkehrsfluss sei ähnlich stark, heißt es in der zehn Jahre alten Vorplanung. Doch bei einem genaueren Blick herrschen ganz andere Vorzeichen, sagt Schlosser: »In Reiskirchen und Lindenstruth leben viele Menschen direkt an der B 49, und diese sind stark durch den Verkehr und den Lärm belastet.« Darum könne er den Wunsch nach der Umgehungsstraße dort verstehen. Das sei in Grünberg anders, entlang der Bundesstraße in der Ortslage befänden sich vor allem Gewerbebetriebe und vergleichsweise wenige Wohnhäuser direkt an der Straße.

Viele Geschäfte profitierten zudem vom Durchgangsverkehr. Darum spreche sich auch der Grünberger Gewerbeverein gegen die Umgehung aus. »Mit der Umgehungsstraße würde man vielen Geschäften in der Stadt den Todesstoß verpassen«, sagt Schlosser. »Und wie sich die Verkehrszahlen in den kommenden Jahren entwickeln werden, kann auch niemand sicher vorhersagen.«

„Aktuell ist die Trasse in keiner Planung drin“

Darum habe die Stadtverwaltung mittlerweile bei der Straßenbaubehörde Hessen Mobil angefragt, ob die Planungen für eine Umgehungsstraße noch aktiv vorangetrieben werde. »Aktuell ist die Trasse in keiner Planung drin, aber wir wissen nicht genau, wie es aussieht«, sagte der Rathauschef. Er würde es bevorzugen, wenn die Straßenbaubehörde die Planungen beenden würde - sollten diese überhaupt noch verfolgt werden. Die Antwort der Behörde an die Stadt steht derweil noch aus.

Hätte es sogar Vorteile, wenn die Umgehungsstraße endgültig zu Grabe getragen würde? Ja, sagt Schlosser. Denn schon seit Jahrzehnten müssen Flächen entlang der geplanten Trasse freigehalten werden, um den Bau zu ermöglichen. Das macht die Ausweisung von Erweiterungsflächen, etwa fürs Gewerbe, schwierig. Schlosser: »Es wäre schön, wenn wir eine Bebauung der Flächen, etwa am Industriegebiet an der Londorfer Straße, planen könnten.« (con)

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