VonChristopher Hessschließen
Die Hochschule Fulda blickt auf fünf ereignisreiche Jahrzehnte zurück. Dabei gab es neben Meilensteinen und Wachstum aber auch Herausforderungen.
Fulda - Die Hochschule Fulda feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen – und blickt dabei auf einige Meilensteine zurück. Ob Gründungsfeier, die stetige Erweiterung oder das Erreichen des Promotionsrechts: Wir blicken beim Auftakt der neuen FZ-Serie in die Chronik der Fuldaer Hochschule.
50 Jahre Hochschule Fulda: Von drohender Schließung bis Promotionsrecht
Aus der Kaserne wird eine Hochschule: Das rote Ziegelhaus in der Marquardtstraße ist bis heute der markanteste Bau der Hochschule Fulda. In dem Gebäude, das zwischen 1899 und 1901 erbaut wurde, waren ab dem Ende des 19. Jahrhunderts Soldaten stationiert. Das heutige Hochschul-Gebäude wurde als Kaserne gebaut und genutzt, der rote Ziegelbau bildete das ehemalige Stabsgebäude. „Es wimmelte dort immer von Soldaten“, erinnert sich Ilse Thon. Die heute 100-jährige Fuldaerin wuchs unweit der damaligen Kaserne an der Leipziger Straße auf.
Mit der Entwicklung neuer Waffentechniken für das deutsche Heer im Zweiten Weltkrieg wurde die Anzahl der Regimenter im 19. Jahrhundert wesentlich vermehrt. Fulda war als Regiment Nr. 47 das zweite sogenannte kurhessische Artillerieregiment Preußens. Ilse Thon erinnert sich, dass ihr Vater sie sonntags immer mit in die Kaserne nahm. Dieser arbeitete dort als sogenannter Zahlmeister.
„Auf dem Gelände, wo heute die Hochschule ist, gab es auch einige Stellen für die Pferde der Soldaten.“ Noch heute erinnert sie sich gerne an die Zeit zurück. An der Leipziger Straße, die heute viele junge Studierende passieren, tummelten sich Soldaten, zur Zeit des Zweiten Weltkrieges auch viele französische Gefangene. „Häufig gab es Militärparaden. Diese zogen, an der Kaserne beginnend, die Leipziger Straße hinunter.“
Mit der Lehrerausbildung fängt alles an: Die Geschichte der Hochschule Fulda begann bereits im Jahr 1963, acht Jahre vor ihrer eigentlichen Gründung. In diesem Jahr wurde das pädagogische Fachinstitut (PFI) gegründet, der Vorläufer der Hochschule Fulda. Aufgabe des PFI sollte es sein, junge Leute mit Realschulabschluss schnell und praxisorientiert zu Fachlehrern auszubilden.
Ausgebildet wurden Lehrer für die Fächer Kunst, Werken, Musik, Hauswirtschaft und Sport. Parallel dazu wurde Allgemeinbildung unterrichtet. Das PFI war verglichen mit der heutigen Hochschule klein: Zur Eröffnung begrüßte der erste Direktor Dr. Wilhelm Himmerich etwa 100 Schülerinnen und Schüler, die von zwölf Lehrkräften betreut wurden, heißt es in einem Beitrag der Hochschule anlässlich des 40-jährigen Bestehens.
Fulda wird Standort der Hochschule Gießen: 1971 wurde das pädagogische Fachinstitut (PFI) aufgelöst – und Fulda Teilstandort der Fachhochschule Gießen. Gegründet wurden die Fachbereiche Pädagogik, Sozialpädagogik, Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung sowie Sozial- und Kulturwissenschaften. In Fulda wurden laut Angaben der Hochschule zu diesem Zeitpunkt 460 Studierende gezählt.
Gründung der Hochschule: Am 1. August 1974 war es so weit: Die Hochschule Fulda wurde – drei Jahre nach der Gründung der Hochschule Gießen – selbstständig. Sie zählte mittlerweile sieben Fachbereiche. Fulda wurde fünfter Standort einer staatlichen Fachhochschule in Hessen. Im ersten Wintersemester waren rund 750 Studierende immatrikuliert. Gründungsrektor war Tassilo Wettengl.
Hochschule kämpft um ihr Überleben: Sieben Jahre nach ihrer Gründung kämpfte die Hochschule um ihr Überleben. Denn: Die Hochschule platzte aus allen Nähten, wie es in einem Beitrag der Hochschule heißt. Bei ihrer Gründung bot die Hochschule Platz für 790 Studierende, 1981 zählte sie bereits 1350 Hochschüler. Vorlesungen seien teils im Gang abgehalten worden, 150 Leute drängten sich auf 60 Quadratmetern, bis zu sechs Professoren teilten sich ein Büro. „Die Zustände waren verantwortungslos“, erinnert sich der damalige Rektor, Professor Dr. Joseph Dehler.
Es sei geplant gewesen, den Standort Fulda zu schließen und die bestehenden Fachbereiche an die Gesamthochschule Kassel zu verlegen. Doch Gespräche mit Staatsministern und den SPD-Landtagsabgeordneten Rudi Hilfenhaus und Georg Blumenstiel schienen gefruchtet zu haben: Die Hochschule wurde nicht geschlossen, sondern auf 1000 flächenbezogene Studienplätze ausgebaut. Das wird sie auch danach stetig.
Serie
Zum 50-jährigen Jubiläum der Hochschule Fulda wird es in der Fuldaer Zeitung eine Artikel-Serie geben. Beim Auftakt geht es um die Chronik der Hochschule. Alle Teile der neuen Serie finden Sie in der Print-Ausgabe der Fuldaer Zeitung und im E-Paper.
Hochschule wird ausgebaut: Im Jahr 2001 erwarb die Hochschule die angrenzenden Gebäude, die zuvor vom Bundesgrenzschutz genutzt wurden. Aus den anfänglich 10.000 Quadratmetern wuchs die Fachhochschule so auf mittlerweile fast 80.000 Quadratmeter an. Auch die Studierendenzahl wurde in über 40 Jahren verzehnfacht.
Landesbibliothek gehört zur Hochschule: Die Geschichte der Hessischen Landesbibliothek (HLB) reicht weit zurück, die Fusion mit der Hochschule dagegen nicht: Gegründet wurde die HLB von Fürstbischof Heinrich von Bibra im Jahre 1776. Teil der Hochschule wurde sie 2001 und fusionierte mit der Bibliothek der FH. So steht die HLB seitdem an zwei Standorten den Studenten zur Verfügung.
Ausbau und Modernisierung: Seit ihrer Gründung wurde die Hochschule stetig ausgebaut – und modernisiert. 2010 wurden die Zentren für Catering, Management, Kulinaristik sowie Interkulturelle und europäische Studien gegründet, 2011 folgte die Gründung des Zentrums Gesellschaft und Nachhaltigkeit (CeSSt) und 2013 die Einweihung der neuen Bibliothek, der Mensa und des Student Service Center (SSC).
Ein Meilenstein: Fulda erlangt das Promotionsrecht: Als erste Hochschule für Angewandte Wissenschaften bundesweit erlangte Fulda im Oktober 2016 das Promotionsrecht für die Fachrichtung Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Globalisierung, Europäische Integration und Interkulturalität. Zudem erhielt sie die Genehmigung für die Promotionszentren Public Health sowie Soziale Arbeit.
Im November 2017 folgte das Promotionszentrum Angewandte Informatik. 2020 kam das Promotionsrecht für die Fachrichtung Mobilität und Logistik hinzu. Vor zwei Jahren wurde aus einem zeitlich begrenzten das Promotionsrecht auf Dauer. Derzeit promovieren rund 190 Doktoranden an der Hochschule.

