VonErik Scharfschließen
Zwischen Frankfurt und Friedberg könnte die A5 auf zehn Spuren erweitert werden. Die Pläne werden seit Jahren kontrovers diskutiert. Jetzt bringt eine Studie weiteren Zündstoff.
Frankfurt – Jeden Morgen quält sich die Blechlawine aus der Wetterau über die A5 in Richtung Frankfurt. Regelmäßig stockt der Verkehr, die Autobahn ist überlastet. Und geht es nach dem Verkehrswegeplan des Bundes, hilft dagegen nur der Ausbau auf zehn Spuren zwischen dem Frankfurter Kreuz und der Anschlussstelle Friedberg.
Studie hält A5-Ausbau auf zehn Spuren für „technisch möglich“
Das Thema schwelt nicht erst seit dem Wahlkampf rund um die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt im März 2023. Eigentlich war das A5-Projekt von der Beschleunigungsliste des Bundes verschwunden, auf Wunsch der Grünen um den damaligen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. Doch nach dem Wechsel in der Regierung will die Koalition von CDU und SPD den Ausbau nun wieder forcieren.
Den Rücken stärkt den Verantwortlichen in Wiesbaden eine Studie der Autobahn GmbH. Laut den am Mittwoch (5. Juni) veröffentlichten Ergebnissen, sei eine Erweiterung auf zehn Spuren zwischen Frankfurt und Friedberg grundsätzlich möglich. Dies würde auch zu einem guten Verkehrsfluss führen, heißt es. Die Studie war bereits 2019 in Auftrag gegeben worden.
Stadt Frankfurt bleibt bei ablehnender Haltung
Die Stadt Frankfurt reagierte umgehend: „Diese Ausbauabsicht in Verbindung mit der anhaltenden Unklarheit über effektiven Lärmschutz sorgt aktuell für erhebliches Unverständnis und Verärgerung in der Stadtgesellschaft – sowohl bei den unmittelbaren Anliegerinnen und Anliegern der A5 als auch in der Stadtpolitik“, teilte die Stadt mit. Zudem hätten die Stadtverordneten den Ausbau bereits am 2. Februar per Beschluss abgelehnt.
Einzigartige Idee
Der mögliche Ausbau der A5 wäre einzigartig. Bislang gibt es in Deutschland keine Autobahn, die jeweils fünf Richtungsspuren bietet. „Autobahnen mit fünfstreifigen Richtungsfahrbahnen sind - abgesehen von Verflechtungsstrecken zwischen dicht aufeinander folgenden Knotenpunkten - in Deutschland bislang nicht realisiert worden“, schreibt die Autobahn GmbH. Der Abschnitt zwischen Frankfurt und Friedberg wäre ein Novum in Deutschland.
Obendrauf würde der Verkehrsfluss in der Frankfurter Innenstadt nicht wirklich von noch mehr Autos profitieren. Das Frankfurter Straßennetz sei begrenzt, „ganz gleich wie umfassend die Autobahnen ausgebaut werden“, sagte Heiko Nickel, strategischer Verkehrsplaner im Mobilitätsdezernat.
Lärmschutz: A5 müssten laut Mansoori vollständig umbaut werden
Laut Verkehrsminister Kaweh Mansoori sei die Entscheidung pro Ausbau noch lange nicht „in Stein gemeißelt“. Seiner Einschätzung zufolge müsste die Autobahn zwischen Frankfurt und Friedberg vollständig umbaut werden, um allen Lärmschutz-Kriterien gerecht zu werden. Das würde die Kosten mutmaßlich in Milliardenhöhe explodieren lassen – und die Idee des ersten zehnspurigen Autobahnabschnitts in Deutschland gleich mit. (esa)
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