VonAnke Hillebrechtschließen
Eine Machbarkeitsstudie sieht den zehnspurigen Ausbau der A5 bei Frankfurt als technisch umsetzbar an. Doch Bürger und Verbände sind alarmiert.
Hochtaunus – Nachdem eine Verbreiterung der A 5 wieder konkreter geworden ist, formt sich massiver Widerstand gegen einen möglichen zehnspurigen Ausbau der Autobahn. Eine von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie der Autobahn GmbH des Bundes kommt zum „zentralen Ergebnis, dass ein durchgehender 10-streifiger Ausbau der A 5 vom Frankfurter Kreuz bis zur Anschlussstelle Friedberg grundsätzlich technisch umsetzbar ist und zu einem guten Verkehrsfluss führen würde“.
Untersucht wurde auch die Variante eines achtspurigen Ausbau zwischen Nordwestkreuz und Friedberg (weiter südlich zehnspurig) sowie die „bauliche Trennung von Fern- und Regionalverkehr mit gegebenenfalls neuen Anschlussstellen“ zwischen Frankfurter Kreuz und Friedberg. Dabei könnten auf der ganzen Strecke „zwei 3-streifige Verteilerfahrbahnen für den Regionalverkehr und zwei 2-streifige ‚Expressfahrbahnen’ für den Fernverkehr“ entstehen.
Ausbau der A5 bei Frankfurt: Entschieden ist noch nichts
Entschieden ist noch nichts; Interessenverbände sind aber alarmiert und wollen gegensteuern. Mehr als 40 Verbände des Bündnisses „Stopp A 5 Ausbau“ rufen für Sonntag, 29. September, zu einer zur Großdemonstration auf der Autobahn auf. Startpunkt ist um 14 Uhr am Mainkai/Eiserner Steg in Frankfurt. Gemeinsam geht es nach einer Kundgebung über die Untermainbrücke zum Niederräder Ufer und direkt auf die Autobahn. Die Fahrrad-Demo soll gegen 16 Uhr mit einer Kundgebung am Uni-Campus in Bockenheim enden (Mehr auf stoppa5ausbau.de; dort ist auch ein Link zur Studie).
Der BUND-Kreisverband Hochtaunus ist „entsetzt über die Pläne, die das Leben und das Eigentum der Bürgerinnen und Bürger beeinträchtigen werden“. Die A 5 sei heute schon Lärm- und Abgasquelle für Bad Homburg, Friedrichsdorf, Oberursel-Weißkirchen, Oberursel-Bommersheim und Steinbach. Der BUND ruft Anwohner zur Demo auf und fordert den Hochtaunuskreis und dessen Kommunen dazu auf, sich der Absage an den Ausbau der A 5 anzuschließen.
Ausbau der A5 beutetet weitere Flächenversiegelung
Und die haben durchaus Grund dazu - nicht nur wegen der Zunahme von Lärm und Abgasen. Bad Homburg und Friedrichsdorf werden von der A 5 durchschnitten. Der Ostring, die wichtigste Umgehungsstraße der Kurstadt, verläuft parallel zur Autobahn. Und direkt dahinter liegt die Kläranlage in Ober-Eschbach, die gerade für rund 60 Millionen Euro saniert wird. „Das sind Tatsachen - eine Verbreiterung ginge nur auf der anderen Seite“, sagt dazu Homburgs Rathaussprecher Marc Kolbe.
Einen Ausbau unterstütze die Kurstadt, zehn Spuren sehe man allerdings kritisch. Nach einem Stadtverordnetenbeschluss wird derzeit geprüft, welche Auswirkungen ein zehnspuriger Ausbau und eine neue Abfahrt bei Ober-Eschbach auf den Verkehr in Bad Homburg hätte. „Auf Lärmschutz beharren wir“, stellt Kolbe klar. Auch Oberursel und Steinbach liegen nicht weit von der Trasse entfernt. „Die Stadt Oberursel sieht eine deutliche Kapazitätsausweitung auf der A 5 aus verkehrlicher Sicht kritisch, da für die Region Mehrverkehre induziert werden“, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung aus dem Rathaus der Brunnenstadt. „Eine grundhafte Erneuerung würde den Lärmschutz im Vergleich zu heute verbessern, was wegen Wänden und Wällen aber wiederum mit Einschränkungen von Sichtbeziehungen und Luftströmen einherginge. Die Verbreiterung der A 5 bedeutet eine weitere Flächenversiegelung, auch von landwirtschaftlich hochwertigen Böden.“
A5-Ausbau nur mit Lärmschutz - doch der wird teuer
Anders sieht es Steinbachs Bürgermeister Steffen Bonk (CDU). „Ein Ausbau könnte ein Gewinn sein, denn dann käme auch Lärmschutz.“ Den setzt Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD) beim Ausbau voraus. „Je nach Windrichtung hören wir die Autobahn“, so Bonk. Die Meinung seines Vorgängers, des jetzigen FDP-Vorsitzenden im hessischen Landtag, Dr. Stefan Naas, teile er. Naas hatte sich im HR-Sommer-Interview für den zehnspurigen Ausbau ausgesprochen. „Wir sind eine starke Wirtschaftsregion, wir leben vom Verkehr“, meint auch Bonk. Allerdings müssten vor einem Ausbau andere Optionen ausgelotet werden - Tempolimit, das Nutzen der Standstreifen oder smarte Leittechnik.
Dass auf der ganzen Ausbaustrecke Lärmschutz kommt, ist keinesfalls ausgemacht. Lärmschutzwände wirken laut Umweltverbänden oft nicht genug, und Einhausungen sind laut Machbarkeitsstudie vielerorts unwirtschaftlich. Auch würden Abfahrten dadurch komplizierter. Die Ausbaugegner befürchten, dass große Teile der Autobahn ohne Lärmschutz bleiben könnten.
„Der Ausbau der A5 auf zehn Spuren wäre ein Vergehen an Mensch und Natur“
„Der Ausbau der A 5 auf zehn Spuren wäre ein Vergehen an Mensch und Natur und ein Rückschritt in Sachen Verkehrswende und Klimaschutz“, schreibt der Verkehrsclub Deutschland (VCD), einer der Gegner des Ausbaus. Rund 1,1 Milliarden Euro soll der zehnspurige Ausbau laut Studie kosten. Geld, das die Gegner lieber in „die Beseitigung der Defizite im öffentlichen Nahverkehr und in bessere Verbindungen mit Bahnen und Bussen“ investiert sähen, wie es im gemeinsamen Aufruf heißt. Statt weiter Flächen zu versiegeln und Straßen auszubauen, sollte das marode Bahnnetz saniert werden, erklärt die BUND-Jugend.
Die Bad Homburger Feuerwehr, die bei Unfällen auf der A5 am Homburger Kreuz zuständig ist, findet den Ausbau nicht nur problematisch. „Bei einer Verbreiterung nimmt die Fahrsicherheit zu“, erklärt Feuerwehrchef Daniel Guischard. Kritisch könne aber die Umbauphase werden. „Während des Ausbaus muss sichergestellt sein, dass unsere Behelfszufahrten erreichbar bleiben.“ Würden die Fahrstreifen verengt, sei kein Platz für eine Rettungsgasse. Die Wehr müsse „frühzeitig in die Planungen mit einbezogen“ werden.
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