VonAndreas Ungermannschließen
14.500 Liter Heizöl – so hieß es vergangene Woche – sind bei einem Lkw-Unfall am Ende eines Staus auf der A66 bei Flieden ausgelaufen. Die Auswirkungen beschäftigen auch eine Woche danach den Fischereisportverein Fliedetal, der sich um das Gewässer und dessen Qualität sorgt.
Flieden -„Vor acht Jahren erst war die Kläranlage in Flieden übergelaufen. Es war gerade soweit, dass sich die Fliede von dem eingelaufenen Schmutzwasser erholt hat. Jetzt haben wir mit dem ausgelaufenen Öl nach dem Unfall auf der A66 in der vergangenen Woche einen neuen Rückschlag erlitten“, sagt der Vorsitzende des Fischereisportvereins Fliedetal, Rüdiger Reuß. Der Verein hat den Abschnitt von Flieden bis unterhalb des Neuhofer Ortsteils Tiefengruben gepachtet.
A66-Unfall bei Fulda: Große Menge Heizöl in Fluss gelaufen
Der Vereinsvorsitzende rechnet nun mit massiven, langfristigen Gewässerschäden, von denen unter anderem Kleinsttiere betroffen seien. „Das war der größte Ölunfall, den wir je zu verzeichnen hatten“, konstatiert Reuß namens des Fischereisportvereins.
So drastisch drückt es der Landkreis Fulda zwar nicht aus. Aber die Einschätzung, dass durch das Öl schwerwiegende Folgen entstanden sind, teilt die Behörde. Die für den Wasser- und Bodenschutz zuständige Kreisverwaltung geht davon aus, dass rund 10.000 Liter Heizöl ausgelaufen sind, die zu massiven Belastungen im Bereich der Unfallstelle – sprich im Erdreich und im Gewässer – geführt haben.
Die Sanierungsarbeiten für das Erdreich und die Rückhaltebecken sind laut Auskunft der Kreispressestelle in vollem Gange. „An mehreren Stellen sind nach dem Unfalleintritt Ölsperren gesetzt worden“, erklärt der Landkreis Fulda zu den bisherigen Maßnahmen. Demnach sei dies an zwei Stellen in Neuhof sowie an jeweils einer Stelle in Kerzell und in Fulda der Fall. „Erdaushubarbeiten erfolgten vor allem im Grabensystem und rund um die Sicherheits- und Rückhaltebecken am Rande des Gewässers, um die Erde von versickertem Heizöl zu reinigen. Parallel dazu wurden und werden die Becken abgesaugt sowie die Ölsperren kontrolliert und das durch Streumittel gebundene Öl abgesaugt“, heißt es aus der Pressestelle des Landkreises.
Der Vorsitzende des Fischereisportvereins ist weiterhin besorgt, dass sich die Probleme länger hinziehen werden. „Auch wenn schon etliche Container Erde ausgehoben sind, so befinden sich sicherlich noch jede Menge Ölreste in dem Bereich. Sobald Tauwetter einsetzt, werden diese massiv in die Fliede eingeschwemmt werden“, befürchtet Reuß.
Erst im vergangenen Jahr war bei Rommerz in der Kemmete ein Fischsterben zu beklagen: Damals war Gülle in das Gewässer, das im Grünen Dreieck in Neuhof mit der Fliede zusammenfließt, eingeleitet worden. Mit der Dimension des ausgelaufenen Öls nach dem Unfall sei dies nicht vergleichbar, bewertet Reuß. Gleichwohl habe auch die Gülle in der Kemmete Auswirkungen auf die Fischbestände in der Fliede. „Denn die Fische schwimmen zum Ablaichen in die kleineren Gewässer“, erklärt Reuß und folgert: Somit dürfte auch die Gülleeinleitung Auswirkungen auf den Fischnachwuchs gehabt haben.
Die Polizei hatte die Ermittlungen aufgenommen, weil – anders als im jetzigen Fall – von einem vorsätzlichen Einleiten auszugehen war. Ein Verursacher sei jedoch bislang nicht ermittelt worden, berichtet die Polizei.


