Gesundheit

Monatelange Wartezeit: Genervte Patienten in Hessen würden freie Arztwahl unter einer Bedingung eintauschen

  • schließen

In Hessen sind die Patienten von langen Wartezeiten auf einen Facharzt-Termin genervt. Die AOK nimmt eine Studie zum Anlass, Druck auf die Regierung auszuüben.

Kassel - Wer kennt es nicht: Man ist krank und muss zu einem spezialisierten Facharzt. Aber schon bevor der Termin feststeht, taucht im Kopf der Gedanke auf, dass bis dahin viel Zeit ins Land gehen kann. Häufig müssen die Patienten mehrere Monate warten.

Wie sehr die Menschen in Hessen davon genervt sind, zeigt eine Studie der AOK. Ihre forsa-Umfrage hat sich damit befasst, wie schwierig es für die Bevölkerung ist, einen Termin bei einem passenden Facharzt zu bekommen. Diese ergab, dass 70 Prozent der Menschen in Hessen die freie Wahl ihres Arztes gegen einen schnelleren Termin bei einem Facharzt tauschen würden, den die Hausarztpraxis vermittelt, nachdem man da war. Nur 26 Prozent der Befragten bevorzugten das Gegenteil. Sie wollen ihren Arzt lieber weiterhin selbst wählen, auch, wenn sie dadurch länger warten müssen.

AOK Hessen möchte Primärversorgungssystem

forsa-Umfrage:

Die Umfrage enthielt eine bundesweite telefonische Befragung und Online-Erhebung. Es wurden 8583 Menschen zwischen dem 27. März und 7. April befragt.

Die AOK-Gemeinschaft möchte mit der Umfrage dafür sorgen, dass ein Primärversorgungssystem in den Koalitionsvertrag der neuen Regierung aufgenommen wird. Die hausärztliche Versorgung würde dadurch zu einer Primärversorgung mit einem interprofessionell arbeitenden Team. Das würde die Patienten zielgerichtet und effizient durch das System leiten. „Ein Primärversorgungssystem würde für einen zielgerichteteren Zugang der Menschen zur Gesundheitsversorgung sorgen. Und das kann z.B. dabei helfen unnötige Doppeluntersuchungen zu reduzieren, was wiederum Terminkapazitäten freisetzt und damit Wartezeiten reduziert. Eine klassische Win-win-Situation, denn die Versorgung wird optimiert und die Beitragsgelder effizienter eingesetzt“, wird Ralf Metzger, Politik-Chef der AOK Hessen in der Pressemitteilung zitiert.

Primärversorgungssystem kommt gut bei Befragten aus Hessen an

Die Idee des Primärversorgungsansatzes kommt, laut AOK, bereits gut bei der Bevölkerung an. Zudem soll das neue System dafür sorgen, dass andere medizinische Berufe mehr in die Gesundheitsversorgung mit einbezogen und die Ärzte dadurch entlastet werden. 71 Prozent der Befragte in Hessen finden das sehr gut oder eher gut, laut forsa-Umfrage.

Die AOK Hessen möchte ein neues System einführen, das alle Patienten gleich behandelt und Wartezeiten verkürzt.

Die AOK-Gemeinschaft möchte außerdem etwas gegen die Benachteiligung bei der Terminvergabe von Menschen unternehmen, die gesetzlich krankenversichert (GKV) sind. 61 Prozent der GKV-Versicherten gaben bei der forsa-Umfrage an, dass sie bereits erlebt haben, dass Privatversicherte bevorzugt wurden. „Die Mehrheit davon hat dies mit 50 Prozent bei der telefonischen Terminvergabe erlebt, gefolgt von 30 Prozent bei der Online-Terminvergabe“, heißt es in der Pressemitteilung der AOK.

AOK Hessen ist für ein „verbindliches, standardisiertes Ersteinschätzungsverfahren“

20 Prozent der Menschen der gesetzlich krankenversicherten, die befragt wurden, haben gesagt, dass sie nur deswegen schon einmal einen zeitnahen Arzttermin bekommen haben, weil sie zusätzlich oder alternativ eine Selbstzahler- oder IGEL-Leistung („individuelle Gesundheitsleistung“) erbracht haben. „Ein Zustand, der so nicht haltbar ist“, wird Metzger weiter zitiert.

Um dem vorzubeugen, ist die AOK-Gemeinschaft für ein „verbindliches, standardisiertes Ersteinschätzungsverfahren“. Außerdem wünscht sie sich, dass die Terminvermittlungsstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen ausgebaut werden sowie eine verpflichtende Terminmeldung freier Termine durch Vertragsärzte. Patienten sollten in Zukunft Termine nach medizinischem Behandlungsbedarf und Dringlichkeit erhalten. (ljk)

Nur 15 Prozent der Menschen in Hessen sind nicht gestresst. Die AOK führte eine Befragung durch, welche Faktoren für Stress verantwortlich sind.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

Kommentare