VonKathrin Rosendorffschließen
Auf Tiktok gibt es zahlreiche Videos mit der AfD-Parteichefin Alice Weidel. Sie wird dort als sympathische, coole Frau inszeniert. Auch das ist Werbung für den Wahlkampf in Hessen.
Frankfurt – Alice Weidel ist vor ein paar Wochen plötzlich und ungefragt auf meinem „Für dich“-Feed auf TikTok aufgetaucht. Dabei habe ich nie etwas von der AfD, nicht mal etwas mit Politik auf TikTok angeklickt – und doch ist es die Partei, die als einzige in meinem Algorithmus, der eigentlich mit K-Pop, Promis und Tanzvideos gefüllt ist, auftaucht.
Um genau zu sein, ist es eben Alice Weidel, die ständig auftaucht. Nicht mal so sehr die Videos, die sie auf ihrem eigenen Account postet, sondern die die andere User:innen posten: Da gibt es natürlich diese für sie typischen, widerlichen Hetz-Reden wie sie erzählt von der Zeit, als sie in Frankfurt arbeitete und wie schlimm es doch sei, dass die Steuergelder „veranschlagt“ würden für Menschen, die im Hauptbahnhof „vor allem im Untergeschoss“ herumlungerten. Frankfurt sei eine Stadt, „die es nicht hinkriegt, dieses ganze Milieu vor der Haustür auszukärchern“: Dafür sei die AfD angetreten. „Diese Leute müssen weg. Frankfurt muss sauber werden.“
AfD: Tiktok-Videos zeigen Weidel als lässige, sympathische Frau
Und dann gibt es aber diese Videos, in denen die rechtsextreme Politikerin als lässige, witzige, sympathische Frau dargestellt wird. Da gibt es die im Auto fröhlich tanzende „Alice“. In einem anderen Video sagt sie mit einem Grinsen: „Ich würde nie mit meinen Kindern wandern gehen, ohne ein Bratwürstchen in der Tasche zu haben, das man irgendwo grillen kann.“ Darauf folgt ein Zusammenschnitt von Weidel-Momenten, die ein User namens „Lichtblickblau“ unterlegt mit dem Song „Barbie Girl“ von Rapperin Nicki Minaj. Der Song aus Greta Gerwigs feministischem „Barbie“-Film. Sogar das Barbie-Logo taucht auf. Als sei Weidel eine coole Feministin... Die Leute kommentieren Dinge wie: „Alice ab ins Kanzleramt. Oder: „Sie ist sehr bodenständig.“
In einem anderen Video zeigt ein junger Mann mit Migrationshintergrund ein Foto von Weidel als jüngere Frau. Er sagt: „Die hätte mich ruhig Kanacke nennen dürfen.“ Oder „Ich wär mit ihr zusammen ausländerfeindlich“. Soll lustig sein, aber ist, auch wenn unbeabsichtigt, doch Werbung. Sein Video hat knapp 250 000 Likes. Bislang.
Weidel gibt sich extrem empathisch
Und dann gibt es dieses Video, wo ein schwarzer, muslimischer Reporter, der sagt, er sei von der Sendung „STRG_F“ von NDR und Funk, sie interviewt. Er spricht sie auf ihre rassistischen Aussagen wie „Kopftuch-Mädchen“ und „Messer-Murats“ an. Weidel gibt sich extrem empathisch.
Auf die Frage, ob sich auch Menschen mit Migrationshintergrund bei der AfD einbringen könnten, sagt sie: „Why not?“: Hautfarbe spiele doch keine Rolle. Und das N-Wort fände sie auch nicht gut. Sie lächelt. Kein fieses Lächeln, ein sehr sympathisches. Hollywoodreif. Wie sollen junge Menschen das richtig einordnen können? Eine Userin kommentiert unter dem Video: „Ich als Muslime würde sie sofort wählen. Mich hat sie erreicht.“ (Kathrin Rosendorff)
Laut Hessentrend und Politbarometer sind viele Wahlberechtigte noch unschlüssig. Aktuell liegt die Union klar vorn.
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