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Die Lage auf dem Kasseler Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Die Stadt wird ihre Wohnbauziele mit ziemlicher Sicherheit verfehlen.
Kassel - Eine Lösung für den Wohnungsmangel in Kassel ist nicht in Sicht. Bis 2030 werden in der Stadt 8000 neue Wohnungen benötigt. Dieser Bedarf wurde in einer von der Stadt beauftragten Prognose im Jahr 2019 ermittelt. Doch durch die Zins- und Baupreisentwicklung der vergangenen zwei Jahre ist dieses Ziel nicht mehr erreichbar. Alle großen Wohnbauprojekte sind gestoppt oder verzögern sich stark, weil sie wegen der Kostenexplosion umgeplant werden müssen.
Bereits vor dem Zinsanstieg Anfang 2021 lag das Neubauvolumen unter dem Bedarf. So waren jährlich etwa 400 Wohnungen entstanden – 800 wären nötig gewesen, um das Ziel zu erreichen.
Zins- und Baupreisentwicklung bereitet bei Wohnungsbau in Kassel Probleme
Von der Wohnungsbaugesellschaft GWH, die auf dem früheren Jordan-Areal in Süsterfeld-Helleböhn 280 Wohnungen bauen will, heißt es, dass die Zins- und Baupreisentwicklung die Realisation „nicht einfacher mache“. Der Wegfall von KfW-Mitteln und Änderungen beim Gebäudeenergiegesetz erschwerten die wirtschaftliche Machbarkeit zusätzlich. Vor zwei Jahren hieß es noch, der Hochbau solle 2023 beginnen. Aktuell geht die GWH von 2026 aus. Es werde versucht, Kostentreiber zu identifizieren und mit der Stadt Lösungen zu suchen. Eine öffentliche Förderung sei beantragt.
Die Nassauische Heimstätte/ Wohnstadt (NHW) steht vor ähnlichen Problemen. Sie will auf dem Gelände des ehemaligen Versorgungsamtes an der Frankfurter Straße 335 Wohnungen bauen. 140 weitere sollen auf dem Areal der früheren Koch-Klinik in Bettenhausen entstehen. Mit der Stadt würden Lösungen gesucht, um Kosten einzusparen, so ein Sprecher. Die ursprüngliche Planung müsse überarbeitet werden. Deshalb sei ein Baubeginn nicht absehbar. Vor zwei Jahren war noch von 2024 die Rede.
Die GWG hat ihre Neubaupläne im Lossegrund in Bettenhausen (120 Wohnungen) und an der Stadthalle (125 Wohnungen) auf Eis gelegt. „Sobald sich die Rahmenbedingungen ändern und verlässliche Fördermittel verfügbar sind, werden wir die Planung für beide Projekte wieder aufnehmen“, heißt es.
Vonovia hat ihr Bauvorhaben in Waldau mit 330 Wohnungen pausiert
Die Vonovia hat ihr Bauvorhaben in Waldau mit 330 Wohnungen pausiert. Sobald Zinsen und Baupreise es zuließen, werde es wieder aufgegriffen, so eine Sprecherin. Unter aktuellen Bedingungen müsse eine Neubauwohnungen 20 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kosten. Dies sei unrealistisch.
Die Vereinigten Wohnstätten 1889 planen in der aktuellen Lage keinen Neubau.
Neben der wirtschaftlichen Lage war von Bauherren und Architekten in den vergangenen zwei Jahren auch immer wieder moniert worden, dass der Personalmangel im Bauamt zu Verzögerungen bei Bauprojekten führe. Die Stadt wiederum beklagte, dass die Bauunterlagen oft unvollständig eingereicht würden. Dies erschwere die Arbeit in der Behörde zusätzlich. Einen Mangel an Fachpersonal hatte die Stadt eingeräumt und etliche Stellen auch neu besetzt. (Bastian Ludwig)
In Kassel fehlen in den nächsten Jahren 8000 Wohnungen. Gleichzeitig lebt jeder zweite Kasseler alleine - viele in einer größeren Wohnung oder in einem Haus.
