Eskalation bei VW

„Historischer Angriff auf Arbeitsplätze“ im Werk Kassel: VW kündigt Haustariffamilie

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Der Volkswagen-Konzern macht die Drohung wahr. Haustarifverträge werden gekündigt, die Beschäftigungssicherung ist gekappt.

Kassel/Baunatal – Volkswagen macht ernst: Der Konzernvorstand hat die schon in der vergangenen Woche angedrohte Kündigung des VW-Haustarifvertrages wahrgemacht. Das bestätigt am Dienstagnachmittag auch Carsten Büchling, Betriebsratsvorsitzender im VW-Werk Kassel in Baunatal. Die 15.500 Beschäftigten am zweitgrößten deutschen VW-Standort sind von den Folgen – einschließlich der Kappung der bis 2029 geltenden Beschäftigungssicherung – betroffen.

„Volkswagen hat den Kern der VW-Haustariffamilie gekündigt“, betont auch Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo am späten Dienstagnachmittag. Bei der IG-Metall-Bezirksleitung in Hannover seien entsprechende Schreiben eingegangen.
„Es handelt sich jetzt noch einmal um eine Verschärfung“, sagt Büchling direkt nach einer Sitzung der IG Metall-Verhandlungskommission in Hannover. Der Betriebsrat in Baunatal verurteile aber den jetzigen Schritt genauso wie die Ankündigung in der vergangenen Woche.

Im VW Werk Kassel in Baunatal zittern 15.500 Beschäftigte um ihre Jobs. (Archivfoto)

Beschäftigte empfangen Technik-Vorstand in Baunatal mit Pfiffen und Trommelschlägen

Diese hatte am nordhessischen Standort für eine große Welle der Empörung gesorgt. Über 8000 Beschäftigte empfingen am Mittwoch (4. September) in der Halle 2 Technik-Vorstand Thomas Schmall mit lauten Pfiffen und Trommelschlägen. Viele der Mitarbeiter sprachen von Verunsicherung und großer Enttäuschung. Ob es jetzt im Baunataler Werk zu weiteren Aktionen kommen wird, konnte der Betriebsratschef gestern Nachmittag noch nicht sagen. „Wir werden das in den nächsten Tagen besprechen und in den Gremien beraten. Noch ist es zu früh“, so Büchling.

Der Betriebsrat in Wolfsburg fragt: „Wann fängt man endlich an zu reden?“ Noch im September müssten alle an den Verhandlungstisch. „Es geht um die Zukunft von 130.000 Beschäftigten – auch die Anschlusstarifverträge bei VW Sachsen sind gekündigt. Jetzt muss ein Auftakttermin her.“

Im Frühjahr stellte VW in Baunatal 850 Leiharbeiter ein

Laut Carsten Büchling wirken für die gerade erst eingestellten Azubis und die im Frühjahr an Bord geholten Leiharbeiter die bisherigen Regelungen erst einmal nach.

Hintergrund: Wegen der guten Auftragslage in der Fabrik hatte das Werk Kassel im Frühjahr gerade erst zusätzliche 850 Stellen für Leiharbeiter geschaffen. Auch deren Konditionen werden mit dem Sparprogramm des VW-Vorstandes angegriffen, so der Betriebsrat. Ebenfalls wird die bisher geltende Übernahmegarantie für Auslerner ins Visier genommen. Die Arbeitnehmervertretung spricht von einem „historischen Angriff auf Arbeitsplätze“.

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa

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