Bahnverkehr

Riedbahnsperrung: Schlechte Kommunikation im Betriebsablauf

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Drei Wochen lang wurde im Januar die Riedbahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim gesperrt.
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Bei der Sperrung der Riedbahn im Januar gab es sehr viele Ersatzbusse, aber zu wenig Echtzeitdaten und Informationen über die Linien.

Es war eine Mammutaufgabe: Mehr als drei Wochen lang mussten im Januar 300 Zugfahrten pro Tag auf der Riedbahnstrecke von Frankfurt nach Mannheim umgeleitet oder durch bis zu 1000 Busfahrten täglich ersetzt werden. Eine Arbeitsgruppe hatte sich schon im August vorigen Jahres mit Trassen, Baustellen und Haltestellen beschäftigt. Im Nachgang der Streckensperrung zog der lokale Fahrgastbeirat des meistbetroffenen Landkreises Groß-Gerau nun Bilanz. Das große Chaos blieb nach Meinung der Beiratsmitglieder aus. Die Sperrung der Riedbahnstrecke lief demnach besser als erwartet – auch wenn es durchaus kritische Worte gab.

Die Riedbahnsperrung im Januar war quasi die Lackmusprobe für die große fünfmonatige Generalsanierung der Strecke im Sommer. Die Busse seien trotz des Wetters gerollt und hätten die allermeisten Anschlüsse geschafft, zog Erik Schoofs von der DB Regio Bus Ost GmbH ein positives Fazit. Allerdings zeigte sich, dass die Deutsche Bahn (DB) vor allem die Kommunikation im Betriebsablauf verbessern muss.

Bein Ersatzverkehr zur Riedbahnsperrung waren Infos für die Fahrgäste schwer zu bekommen

Die Weitergabe von Informationen an die Kunden und Kundinnen ließ zu wünschen übrig, bemängelten die Mitglieder des Fahrgastbeirats. In den ersten Tagen habe die Bahn zeitweise studentische Koordinatoren an einigen Stationen eingesetzt, aber dann abgezogen, sagte ein Fahrgast. Deshalb wurde es für ihn schwierig: Der digitale Fahrtzielanzeiger auf dem Ersatzbus wies nur auf die Destination „Frankfurt“ hin, die Linienbezeichnung fehlte aber. Deshalb stieg er einmal in den falschen Bus ein. Außerdem waren die Aushänge der Ersatzfahrpläne morgens, als es noch dunkel war, nicht zu lesen, weil die Beleuchtung fehlte, monierte ein anderer Fahrgast.

„Die Busfahrer haben null Deutsch gesprochen“, setzte es Kritik. „Die konnten nicht mal Ja und Nein“ – und konnten somit den verunsicherten Fahrgästen auch gar nicht weiterhelfen. Immerhin seien sie „nett, freundlich und pünktlich“ gewesen.

Fluktuationsquote der Fahrer:innen der Riedbahn-Ersatzbusse lag laut Bahn bei 30 Prozent

Erik Schoofs entschuldigte die mangelnden Deutschkenntnisse mit einer Fluktuationsquote von 30 Prozent allein in diesen drei Januarwochen. „Busfahrer zu bekommen ist schwer. Das mussten wir erkennen“, gab er zu. Alle hätten aber eine Einweisung bekommen.

Generalsanierung

Die Riedbahnstrecke von Frankfurt nach Mannheim soll vom 15. Juli bis Weihnachten 2024 generalsaniert werden. In dieser Zeit erneuert die Deutsche Bahn Gleise, rund 1200 Technikanlagen, 152 Weichen sowie mehr als 15 Kilometer Lärmschutzwände. Außerdem modernisiert das Unternehmen 20 Bahnhöfe.

Auch bei der großen Sperrung sollen täglich auf 13 Linien insgesamt 150 barrierefreie Überland- und Gelenkbusse unterwegs sein, die alle 5 bis 15 Minuten fahren. ann

Auf FR-Nachfrage hieß es vonseiten der Bahn, das Fahrpersonal der DB-eigenen Flotte – rund 70 neue Busse mit WLan und USB-Ladebuchsen – sei überwiegend aus dem europäischen Ausland gekommen. Weitere 80 Busse seien von beauftragten Busunternehmen geordert worden, die auch das Personal stellten. Im Vorfeld habe es zahlreiche Streckenkundenfahrten gegeben – was ein Fahrgast am 19. Dezember auch beobachtet hatte –, sowie eine ausführliche Einweisung in die IT – was jedoch aufgrund der fehlenden Deutschkenntnisse schwierig war, wie sich im Nachgang herausstellte. Zur Unterstützung der Fahrer:innen seien die Fahrtrouten der einzelnen Linien per Navigationsgerät angezeigt worden, so eine Bahnsprecherin.

Frühmorgens saßen nur drei bis vier Fahrgäste in den Riedbahn-Ersatzbussen

Echtzeitanzeigen seien die Ausnahme gewesen, bemängelte ein Fahrgast. „Beim Kunden kamen die Daten nicht an.“ Marcel Hebich von der DB SEV GmbH begründete das mit Fehlern bei den Schnittstellen mit den externen Dienstleistern. „Unser eigenes System hat zu 80 Prozent funktioniert“, sagte er. Bei der Riedbahnsanierung im Sommer wird sich dieses Problem wohl erledigt haben. Laut einer Bahnsprecherin werden dann ausschließlich 150 DB-eigene purpurne Busse unterwegs sein.

Livedaten wie hier gab es - wenn überhaupt - nur in den Bahn-eigenen Bussen.

Die Ersatzbusse seien auch stark überdimensioniert gewesen, berichtete ein Fahrgast. „Es waren viel weniger Leute im Bus als sonst im Zug.“ So kam es, dass er morgens um 5 Uhr mit nur zwei bis drei Personen im Bus saß. Ein anderer Fahrgast dagegen registrierte die große Dichte der Ersatzbusse erfreut. Eine Frau beschrieb die Situation am Frankfurter Hauptbahnhof als „chaotisch“, weil die Ersatzbusse zum Teil in zweiter Reihe parken mussten.

In Mörfelden-Walldorf wurden Anwohnerbeschwerden laut, weil so viele Busse durch eine Wohnsiedlung hindurch fuhren. Bis zum Sommer will man dort eine andere Lösung finden.

Bahn will Konzept für große Riedbahnsanierung im Sommer weitgehend übernehmen

Bei aller Kritik – in Teilen war der Schienenersatzverkehr für die Fahrgäste sogar vorteilhaft: Während des Bahnstreiks fuhren die Busse nämlich trotzdem. Ein Beiratsmitglied fand auch lobende Worte für die mobile Streckenkontrolle in Zivilfahrzeugen: Zwischen Biebesheim und Gernsheim hielt sie einen Bus auf und erteilte dem Fahrer „eine rustikale Ansprache“, wie er sich ausdrückte. Kurz zuvor hatte der Fahrer den Bus bei laufendem Motor verlassen und war in einem Tankstellenshop verschwunden.

„Wir werden das Konzept für die Riedbahnsanierung im Sommer im Großen und Ganzen so übernehmen“, sagte Erik Schoofs. Am Grundgerüst der Strecken werde sich nichts ändern, bei den Haltestellen der Ersatzbusse werde es noch kleinere Änderungen geben. Außerdem werde sich die Bahn überlegen, ob man wirklich so viele Ersatzbusse brauche.

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