Soziale Medien

Hass und Falschinformationen: Bildungsstätte Anne Frank kritisiert TikTok

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Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt übt scharfe Kritik an TikTok. Das soziale Netzwerk fördere die Radikalisierung junger Menschen.

Frankfurt - Soziale Medien beeinflussen die Weltpolitik und die öffentliche Meinung. Sie dienen als Informationsquellen, bieten Menschen eine Möglichkeit zum Austausch, zum Lernen und zur Meinungsbildung. Die Gefahr, dass sich Menschen in von der Mehrheitsgesellschaft inhaltlich abgekoppelten Echoboxen radikalisieren, liegt allerdings ebenso in der Natur der Sache – und diese steigert sich im aktuellen politischen Klima zusehends.

Besonders ein Netzwerk fällt als Treiber von destruktiven Positionen immer wieder auf: TikTok. Die Kurzvideos der chinesischen Plattform sind nur so lang, dass sie gerade in die immer weiter schrumpfende Aufmerksamkeitsspanne der Konsumenten passen. Einst mit lustigen Tanzvideos berühmt geworden, sollte man das soziale Netzwerk heute als einflussreiches politisches Instrument ernst nehmen. Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt kritisierte die Plattform am Montag scharf für ihre Verbreitung von Israelhass im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza.

Hassrede auf TikTok: Bildungsstätte in Frankfurt kritisiert soziales Netzwerk

Hass, Hetze und Falschinformationen kursieren auf den unzähligen Seiten von TikTok in unterschiedlichster Form. Algorithmen sollen die Plattform zwar vor solchen destruktiven Inhalten schützen und die Urheber dieser davon abhalten, weitere Inhalte zu veröffentlichen, doch häufig sind die entsprechenden KI-Systeme nicht zuverlässig genug. Außerdem haben die Verbreiter von Fake-News in vielen Fällen ganz eigene Wege, um die Algorithmen zu umgehen. So werden beispielsweise ganz unschuldig wirkende Begriffe als Schlüsselwörter verwendet, die erst in der etwaigen Zielgruppe im eigentlich gemeinten Kontext verstanden werden, wie Social-Media-Forscherin Kate Gunton erklärt.

Die Bildungsstätte Anne Frank kritisiert TikTok. Das soziale Medium trage zur Radikalisierung junger Menschen bei.

Die Bildungsstätte Anne Frank teilte am Montag mit, dass es Hassprediger:innen auf TikTok ein Leichtes sei, ihre Inhalte zu verbreiten und die Radikalisierung insbesondere junger Menschen voranzutreiben. Antisemitismus und Rassismus stünden hier auf der Tagesordnung, wie auf keinem anderen sozialen Netzwerk. „Kein anderes soziales Medium versorgt eine so vulnerable Zielgruppe mit derart verstörendem Content – weitgehend ohne Aufsicht“, so die Bildungsstätte.

Soziales Netzwerk verzerrt die Informationslage

Auch im Hinblick auf den Krieg im Gazastreifen seien in den vergangenen Monaten vermehrt gefährliche Informationen in Umlauf gebracht worden. Die Bildungsstätte Anne Frank übt deshalb scharfe Kritik an der chinesischen Plattform. Es würden immer wieder Inhalte verbreitet, in denen an den Umständen des Terrorangriffs der Hamas auf Israel gezweifelt werde. Sogar die bloße Existenz des Attentats werde infrage gestellt. Außerdem werde die Verantwortung wiederholt Israel statt der radikal-islamistischen Hamas zugeschoben.

Nicht nur Worte werden zu Waffen. Auch mit Technologie wird Krieg geführt: KI-generierte Bilder tauchen auf, um gefährliche und radikale Narrative zu füttern. „Es ist ein Krieg der Bilder und Behauptungen, in dem sich Einzelpersonen kaum zurechtfinden können“, erklärt die Bildungsstätte.

Viele reichweitenstarke Influencer springen auf den Zug auf. Sie nutzen die Gelegenheit, um selbst Aufmerksamkeit zu gewinnen und stellen die Geschehnisse häufig auf stark vereinfachte Weise dar. Die Erzählungen können bei den Nutzer:innen als gefährliches Halbwissen hängen bleiben. Komplexe Zusammenhänge werden dabei zu reinen schwarz-weiß Entscheidungen verzerrt, die vielschichtigen Facetten der Problematik oft schlicht ignoriert.

Insbesondere im Hinblick auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 kursieren auf TikTok viele Falschinformationen.

Solche Verzerrungen kann man auch im Hinblick auf die Politik in Deutschland beobachten. Die AfD-Parteichefin Alice Weidel beispielsweise zeigt sich auf TikTok immer wieder als sympathische und nahbare Persönlichkeit - von rechten Hassreden und Ausländerfeindlichkeit keine Spur. Damit gewinnt sie in den sozialen Medien eine immer größer werdende Community junger Menschen für sich.

Bildungsstätte Anne Frank fordert Konsequenzen für Falschinformationen

Die Macht der sozialen Netzwerke, insbesondere die von TikTok, müsse ernst genommen werden, mahnt die Bildungsstätte Anne Frank. Es sei Aufgabe der Politik, aktiv gegen Hassrede, Desinformationen und Verschwörungsmythen vorzugehen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden und den Konzernen hinter den Plattformen dürfe es nicht gestattet sein, sich ihrer Verantwortung für die Meinungsbildung in der Gesellschaft zu entziehen. Auch in die digitale Bildung solle konsequent investiert werden, fordert die Bildungsstätte. (Maibrit Schültken)

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa/Symbolbild

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