VonBea Rickenschließen
Ein Paar aus dem Kreis Kassel wollte aus finanziellen Gründen auf einem Campingplatz leben. Warum das in der Region nicht ohne Weiteres klappt.
Habichtswald – Der Fall eines Paares aus Habichtswald, das aus finanziellen Gründen seine Wohnung gekündigt hat und künftig auf einem Campingplatz leben will, ist auf riesiges Leserecho gestoßen. Kernpunkt der Diskussion: Ist es legal, den ersten Wohnsitz auf einem Campingplatz anzumelden, um dort dauerhaft zu leben? In der Region scheint dies nicht möglich. Bundesweit gibt es allerdings einige Campingplätze, die diese Möglichkeit anbieten. Zum Beispiel der Campingplatz Seepark bei Gifhorn.
Wohnen auf einem Campingplatz: Wohnanmeldung ist nicht das Problem
Hindernis bei der Mehrzahl der Campingplätze ist nicht die Wohnanmeldung. Laut Anne Breitenstein vom Bundesinnenministerium ist eine Wohnung im Sinne des Bundesmeldegesetzes jeder umschlossene Raum, der zum Wohnen oder Schlafen benutzt wird. Ziehe jemand dauerhaft auf einen Campingplatz, sei somit auch sein Wohnwagen eine Wohnung im Sinne des Gesetzes. Damit bestehe nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar die Verpflichtung, sich zwei Wochen nach Bezug einer Wohnung - unabhängig davon, ob sie Haupt- oder Nebenwohnung ist - anzumelden.
Diese Verpflichtung gilt unabhängig davon, ob das dauerhafte Wohnen dort bauplanungsrechtlich gestattet ist. Und an dem Punkt scheitert das dauerhafte Wohnen auf Campingplätzen meistens.
Leben auf einem Campingplatz: Es muss bauplanungsrechtlich gestattet sein
Dazu Daniel Totz, Pressesprecher des Bundesbauministeriums auf HNA-Anfrage: „Grundsätzlich ist auf Campingplätzen, die zu den sogenannten Erholungssondergebieten gehören, kein dauerhaftes Wohnen zulässig.“ Gemäß einer Passage im Baugesetzbuch sei es jedoch möglich, in bisherigen Erholungssondergebieten, in denen bis 2018 dauerhaftes Wohnen ausgeschlossen war, auch eine Wohnnutzung zuzulassen, wenn die Gemeinde hierzu einen entsprechenden Bebauungsplan aufstelle.
Tatsächlich ist es der Wunsch vieler Menschen, sich in Zeiten steigender Mieten und Energiepreise sowie dem Nachhaltigkeitsgedanken wohnmäßig zu verkleinern. Dafür öffnen sich auch immer mehr Kommunen. So wird beispielsweise in Baunatal, Lohfelden und im Hofgeismarer Raum über die Ausweisung von Baugebieten für sogenannte Tinyhäuser diskutiert. Auch das Unternehmen Vital Camp in Zierenberg, das solche Zwergenhäuser vertreibt, berichtet über großes Interesse.
Das Paar aus Habichtswald will nun ein kleines Apartment mieten und zwischen Wohnwagen und Wohnung pendeln. Auf dem Campingplatz in Niedenstein ist ein dauerhaftes Wohnen nicht möglich. Dort hatte das Paar aus Habichtswald künftig sein Leben verbringen wollen. „Für den Platz gibt es dafür keine Genehmigung“, so Frank Grunewald, Bürgermeister in Niedenstein. Es sei im Interesse der Kommune, dass die Bürger die klassischen Baugebiete nutzten. Der Campingplatz solle allein zu Erholungszwecken zur Verfügung stehen und nicht zum Dauerwohnen genutzt werden, sagt Grunewald und folgt damit einer Linie, wie sie für die meisten Campingplätz in Deutschland gilt.
Dauerhaftes Wohnen auch auf eigenem Gartengrundstück schwierig
Auch auf dem eigenen Gartengrundstück ist dauerhaftes Wohnen schwierig. Das gilt auch für Tinyhäuser. „Wer ein Tinyhaus aufstellen will, muss einen Bauantrag stellen“, so Bauingenieurin Kathrin Wodara, die mit Vital Camp in Oelshausen zusammenarbeitet. Für den gewünschten Standort ist ein Bebauungsplan für die Wohnbebauung erforderlich. Unter anderem müssten die Größe stimmen und die Abstände passen.
Dem dauerhaften Wohnen auf dem Campingplatz stehen einige Hindernisse entgegen, wie Katrin Walmanns, Sprecherin des Regierungspräsidiums in Kassel erklärt. Es gebe zwar nicht den einen Paragrafen, der dauerhaftes Wohnen auf dem Campingplatz verbiete, aber es fehle meistens die Erschließung, es gebe erhebliche Einschränkungen beim Bauen im Außenbereich und ausreichender Brandschutz und Abstände seien auf den kleinen Parzellen auch nicht gegeben.
Vitalcamp verkauft seine Tinyhäuser zum Beispiel an Kunden, die eine Baulücke gefunden oder einen Platz in einer Tinyhaussiedlung oder einem Campingplatz ergattert haben. Aus Bayern, Baden-Württemberg und Norddeutschland kommen viele Kunden. Aber auch aus der Region: „In Bad Emstal konnte jetzt ein Tinyhaus auf einem Gartengrundstück aufgestellt werden“, berichtet Tobias Wupper, Niederlassungsleiter in Oelshausen.
Zuletzt wurden Häuser nach Balhorn und Calden geliefert. Das Unternehmen hat für seine Kunden auf der Internetseite selbst potenzielle Bauplätze, Siedlungen und Campingplätze zusammengestellt, die die Möglichkeit bieten, ein Tinyhaus aufzustellen. Von Bea Ricken
