Cannabis-Legalisierung in Kassel

Cannabis-Legalisierung: Kasseler Schulen und Lehrerverband üben Kritik

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Die Bundesregierung plant die Legalisierung von Cannabis. Diese Entscheidung wird von Schulen und dem hessischen Lehrerverband kritisiert.

Kassel – Die kontrollierte Freigabe von Cannabis ist vom Bundestag beschlossen worden. Anbau und Besitz werden voraussichtlich ab April zwar nur für Volljährige erlaubt sein, trotzdem befürchten Experten eine Gefährdung des Kinder- und Jugendschutzes durch die Legalisierung.

Der Deutsche Bundestag hat das Cannabisgesetz verabschiedet: Ab dem 1. April ist der Anbau und Besitz von Cannabis in kontrollierten Mengen in Deutschland erlaubt. Experten aus der Region sehen dadurch den Kinder- und Jugendschutz gefährdet.

Wenn die Jugendlichen Cannabis haben wollen, werden sie einen Weg finden, daran zu kommen.

Dominik Becker, Schulleiter Georg-August-Zinn-Schule

Diese Befürchtung teilen auch Schulleiter aus Kassel. „Die Sorge ist da, dass Cannabis im Zuge der Legalisierung mehr und mehr Einzug auch an die Schulen erhält“, sagt Dominik Becker, Leiter der Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) in Kassel. Durch die Legalisierung werde das Cannabis in der Gesellschaft „normalisiert“. „Das kann die Jugendlichen in ihrer Sichtweise auf Cannabis beeinflussen. Dabei gilt es nach wie vor als Einstiegsdroge, die vor allem beim Konsum im Jugendalter zu Schäden führen kann“, sagt Becker. An der GAZ werde daher bereits Suchtprävention betrieben, bei der auch immer wieder Cannabis thematisiert werde. „Unser Ziel muss sein, präventiv Verständnis für die Gefahren zu schaffen“, sagt Becker.

Dominik Becker, Leiter der Georg-August-Zinn-Schule

Cannabis ist auch in der Suchtprävention an der Hegelsbergschule Thema, berichtet Schulleiterin Katja Schmoock. „Dabei ist es wichtig, den Blick nicht nur auf die Folgen des Konsums zu richten, sondern auch über mögliche Gründe für die Einnahme zu sprechen. Das können beispielsweise Stress, Verlust oder Ängste sein. Da müssen die Schülerinnen und Schüler Alternativen aufgezeigt bekommen und auch erfahren, wo sie sich Hilfe holen können“, sagt Schmoock.

Legalisierung von Cannabis: Kritik von Schulen und Lehrerverband in Kassel

Für Boris Mijatovic, Bundestagsabgeordneter der Kasseler Grünen, markiert das Cannabisgesetz einen „entscheidenden Fortschritt für eine humane und moderne Drogenpolitik“, wie der Politiker in einer Pressemitteilung verkündet. Das in Anbauvereinigungen kontrollierte legal verkaufte Cannabis enthalte keine schädlichen Strecksubstanzen, wodurch Schäden für Konsumenten minimiert würden. Außerdem werde mit dem Gesetz auch der Jugendschutz gestärkt. „Die kontrollierte Abgabe erfolgt ausschließlich an Erwachsene. Denn die Anbauvereinigungen dürfen nur Erwachsene als Mitglieder aufnehmen. Eine Abgabe von Cannabis an Jugendliche steht unter Strafe“, sagt Mijatovic.

Katja Schmoock, Schulleiterin Hegelsbergschule

Dass Jugendliche keinen Zugang zu dem legal verkauften Cannabis erhalten werden, bezweifelt Dominik Becker von der GAZ. „Wenn die Jugendlichen Cannabis haben wollen, werden sie einen Weg finden, daran zu kommen.“ Der Plan der Bundesregierung sieht vor, dass in einem Radius von 100 Metern Luftlinie um den Eingangsbereich von Schulen und Sportstätten nicht öffentlich konsumiert werden darf. Das sieht Becker kritisch: „Das muss dann schließlich auch kontrolliert werden.“ Er glaube nicht daran, dass der Schwarzmarkt durch die Legalisierung ganz verhindert werden kann.

Ähnlich sieht das Boris Krüger, Landesvorsitzender des Deutschen Lehrerverbands Hessen: „Der Schwarzmarkt wird entgegen der Absicht des Gesetzes nicht aufhören zu existieren. Denn Minderjährige werden sich dort weiterhin versorgen. Somit ist das Gesetz jetzt schon gescheitert.“ Der Verband befürchtet, dass das Cannabisgesetz auch massive Auswirkungen auf die Schulen haben werde. „Es vermittelt den Schülerinnen und Schülern den Eindruck, Cannabis sei ein cooles Erwachsenenprodukt, das man endlich freigibt.“

Das sagt der Cannabis-Social-Club

Für Dirk Herzog ist die vom Bundestag beschlossene Cannabis-Legalisierung ein Grund zur Freude. Gemeinsam mit seinem Sohn Amadée Herzog hat er den ersten Cannabis Social Club in Kassel gegründet. „Wir freuen uns, wenn Cannabis ab April legalisiert wird. Die Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass die Social Clubs das Cannabis ab Juli verkaufen dürfen“, sagt Herzog.

Die Mitgliederzahlen steigen jedoch nicht so, wie es sich das Vater-Sohn-Duo anfangs vorgestellt hat: „Derzeit haben wir an die 100 Mitglieder, die bereits ihren Beitrag bezahlt haben“, sagt Herzog. Auch die Suche nach Räumen gestalte sich schwieriger als gedacht. „Die Leute reagieren sehr verhalten, sobald sie von unseren Plänen hören.“ Doch davon wolle er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen.

Rubriklistenbild: © Christoph Halang/panthermedia.net

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