VonHannah Köllenschließen
Deutschlands Bundesregierung will Besitz und Konsum von Cannabis legalisieren. Jetzt gibt es in Kassel den ersten Cannabis Social Club.
Kassel – Nun ist es beschlossen: Die Bundesregierung will Cannabis legalisieren, diese Woche hat das Kabinett das Gesetz auf den Weg gebracht. Geht es nach Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, soll der Besitz und der Konsum von Cannabis bald auch in Deutschland legal sein – eine kontrollierte Abgabe über Vereine soll möglich sein. Von diesen sogenannten Cannabis Social Clubs hat das Vater-Sohn-Duo Dirk und Amadée Herzog nun den ersten in Kassel gegründet.
Bundesregierung will Cannabis in Deutschland legalisieren – Erster Social Club in Kassel
Kunden können sie noch keine empfangen, das geht erst, sobald das Gesetz in Kraft getreten ist. „Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden mit der Entscheidung aus Berlin“, sagt Dirk Herzog. Nicht gut finde er, dass der Konsum in den Clubs nicht gestattet sein soll, die Cannabis Social Clubs sollen lediglich als Verkaufsraum für Cannabis fungieren dürfen.
Der jährliche Mitgliedsbeitrag für den Club in Kassel betrage 200 Euro. Dieser würde zu Beginn für die „enorme Anfangsinvestition“ benötigt. „Es muss abgeschlossene Zellen und eine gute Klimaanlage geben“, sagt Amadée Herzog. „Wir reden hier von Laborbedingungen“, sagt der Kaufmann Dirk Herzog. Künftig soll der Jahresbeitrag dann, so der Plan der Herzogs, mit den Kosten für die tatsächlich abgenommenen Mengen Cannabis verrechnet werden. „Wir peilen Preise zwischen 10 und 12 Euro pro Gramm an“, sagt Dirk Herzog.
Cannabis Social Club in Kassel: „Aufklärung ist ein wichtiger Aspekt“
Insgesamt 12 Sorten, darunter beruhigende Indica sowie aufputschende Sativa, wollen die Herzogs im Cannabis Social Club Kassel anbauen. Durch eine Glasscheibe sollen die Kunden die Produktion beobachten können, damit wolle man „absolute Transparenz“ schaffen. Auch Aufklärung sei ein wichtiger Aspekt, denn „Cannabis ist und bleibt ein Rauschmittel“, sagt Amadée Herzog. Daher werde man Informationsflyer herausgeben und Fachpersonal vor Ort haben. „Beim Konsum an sich besteht eigentlich keine Gefahr, aber es können Langzeitfolgen auftreten“, sagt Amadée Herzog.
Vor diesen Folgen warnt Professor Martin Ohlmeier, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Kassel. „Der Konsum von Cannabis ist nicht selten der Auslöser für eine Psychose – und der Konsum wird durch die Legalisierung voraussichtlich deutlich steigen“, ist der Mediziner überzeugt. Das Risiko, eine Psychose oder Suchterkrankung zu entwickeln, sei durch Cannabis deutlich erhöht, vor allem bei jungen Menschen, weil sich das Gehirn noch entwickle. Der erhöhte THC-Gehalt mache das Cannabis heute besonders gefährlich. „Mittlerweile haben wir durch verschiedene Züchtungen einen bis zu zehn Mal so hohen THC-Gehalt. Das Potenzial für medizinische Probleme ist damit viel höher“, sagt Ohlmeier.
Cannabis Social Club in Kassel: Droge enthält wesentlich mehr Wirkstoff als früher
Das hoch dosierte Cannabis macht auch Barbara Beckmann Sorgen. „Dass Cannabis heute ist wesentlich stärker, da ist viel mehr Wirkstoff drin als früher“, sagt die Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche der Drogenhilfe Nordhessen. Im Schnitt seien die Kinder, die zu ihr in die Beratung kommen, im Alter von 13 Jahren zum ersten Mal mit Cannabis in Kontakt gekommen. Von denen, die dann im Jugendalter regelmäßig Cannabis konsumieren, würde später jeder Sechste auch bei anderen Drogen wie Ecstasy landen. „Der Jugendschutz muss unbedingt gewährleistet werden“, sagt Beckmann.
Lauterbachs Plan sieht vor, dass die Abgabe von Cannabis lediglich an Personen ab 18 Jahren erlaubt ist. Auch für das Herzog-Duo aus Kassel spiele der Jugendschutz eine wichtige Rolle. „Der Zugang zu unserem Club ist nur Mitgliedern gestattet. Auf elektronischen Mitgliedskarten werden alle Infos – auch das Alter – erfasst“, sagt Amadée Herzog. Ihnen ginge es nicht darum, Sorten mit dem höchsten THC-Gehalt anzubieten. „Wir wollen einfach ein Genussmittel herstellen“, sagt Herzog. Bereits seit Jahren seien sie mit einem Produzenten aus der Schweiz im Austausch, Amadée Herzog war in den USA, um sich dort weiteres Wissen über Cannabis anzueignen. „Das möchten wir jetzt hier nutzen“, sagt Amadée Herzog. (Hannah Köllen)
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