VonJens Joachimschließen
Im Wahlkreis 185 (Darmstadt) will Philip Krämer, der frühere Landesvorsitzende der Grünen in Hessen, das Direktmandat erringen.
Darmstadt - Auch der Darmstädter Bundestagsabgeordnete Philip Krämer (Grüne) war am vorigen Mittwoch zunächst konsterniert. Nachdem der umstrittene Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur Verschärfung der Asyl- und Migrationspolitik auch mit Stimmen der in Teilen rechtsextremen AfD und der FDP angenommen worden war, teilte der einzige Grüne-Bundestagsabgeordnete aus Südhessen mit, er sei „tief betroffen“ und „besorgt über den Zustand unseres demokratischen Miteinanders und die Stabilität unseres politischen Systems“.
Der 32-jährige frühere Vorsitzende der hessischen Grünen, der 2021 noch im Wahlkreis Odenwald als Direktkandidat angetreten war und sich nun im Wahlkreis Darmstadt um das Direktmandat bewirbt, äußerte, er frage sich, warum es „der demokratischen Mitte“ so schwerfalle, „bei schwierigen Themen Mehrheiten zu finden und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten“.
Bundestagswahl in Darmstadt: Philip Krämer ist Kandidat der Grünen
Am Wochenende bekräftigte Krämer, der dem Realo-Flügel der Grünen zuzurechnen ist und als Stadtverordneter seit Jahren mit der CDU zusammenarbeitet, er sei davon überzeugt, dass sich Politik künftig „stärker auf das Verbindende in der Gesellschaft konzentrieren“ müsse.
Gleich nach der Bundestagssitzung rief Krämer zur Teilnahme an einer „vielfältigen Kundgebung“ auf dem Darmstädter Friedensplatz auf. Seinem Aufruf, den auch die Grünen, die SPD, Andreas Larem (SPD) – Krämers Kollege und Konkurrent um das Direktmandat –, die Partei Volt, der queere Verein „vielbunt“ sowie das evangelische Dekanat und die evangelische Jugend in Darmstadt unterstützten, folgten nach Angaben der Polizei am frühen Samstagnachmittag rund 2000 Menschen.
Philip Krämer (Grüne) plädiert für das Finden von Kompromissen
Auch wenn er es für „verantwortungslos“ halte, mit den Stimmen der AfD einen Antrag oder ein Gesetz zu beschließen, so halte er daran fest, dass es „guter demokratischer Stil“ sei, „Kompromisse zu finden und sich gemeinsam um Konsens und Lösungen zu bemühen“. Die jüngsten Demonstrationen mit großer Beteiligung der Zivilgesellschaft machten ihm Mut, sagte Krämer.
Erst am frühen Samstagmorgen war Krämer aus Berlin kommend in Darmstadt bei seiner Frau und seiner Tochter angekommen. Aber schon wenige Stunden später stand er auf einem Wochenmarkt in Pfungstadt, um für sich und seine Partei um Stimmen zu werben.
Wahlkreis 185
Zum Wahlkreis 185 gehören neben der Stadt Darmstadt auch die Kommunen Alsbach-Hähnlein, Bickenbach, Eppertshausen, Erzhausen, Griesheim, Messel, Modautal, Mühltal, Münster, Ober-Ramstadt, Pfungstadt, Roßdorf, Seeheim-Jugenheim, Weiterstadt, die alle im Landkreis Darmstadt-Dieburg liegen.
Die anderen neun Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg zählen zum Wahlkreis 186, der zudem alle Kommunen des Odenwaldkreises sowie die Kommunen Hainburg, Mainhausen, Rodgau, Rödermark und Seligenstadt im Kreis Offenbach umfasst. jjo
Grüne in Darmstadt werben um Erststimmen für Philip Krämer
Beim Neujahrsempfang der Darmstädter Grünen gab sich Krämer am Samstagabend kämpferisch. Ohne seinen Konkurrenten und seine Mitbewerberin von SPD und CDU zu erwähnen, sagte er, er wolle „angreifen“, um das Direktmandat zu erringen.
Mit Verweis auf das geänderte Wahlrecht und Wahlprognosen gab der frühere Darmstädter OB Jochen Partsch (Grüne) zu bedenken, dass die CDU-Direktkandidatin Astrid Mannes möglicherweise überhaupt nicht in den Bundestag einziehen werde, und es nun auf die Erststimme – „die „Krämer-Stimme für die Stadt und die Region“ ankomme.
Darmstadt: Direktkandidat der Grünen steht nicht auf der Landesliste
Krämer, der im Februar 2022 sein Bachelorstudium der Philosophie und Soziologie abgeschlossen hat und sich als Kulturmanager bezeichnet, ist auf der Landesliste der Grünen nicht abgesichert.
Bei der Aufstellung der Liste für die Bundestagswahl unterlag er auf dem Landesparteitag in Marburg bei der Abstimmung um Platz 6 seinem Fraktionskollegen Boris Mijatovic aus Kassel. Und er fiel auch durch, als er für Platz 8 kandidierte. Danach stellte sich Krämer, der im Bundestag stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses ist und auch dem Verteidigungsausschuss angehört, nicht mehr zur Wahl.
Philip Krämer (Grüne) wirbt für eine Politik des Miteinanders
Auf seinen Plakaten bringt Krämer sein Politikverständnis mit dem Wort „Miteinander“ zum Ausdruck. Er spricht sich für eine „wehrfähige“ Bundeswehr aus, befürwortet die Lieferung von schweren Waffen in die Ukraine, weil diese die Sicherheit Europas verteidige.
Und für ihn steht „Klimaschutz im Zentrum einer zukunftsfähigen Gesellschaft“. Weil die Klimakrise nicht schlafe, so Krämer, brauche es die Grünen in der Bundesregierung, um ihrer „Herr zu werden“.
