VonClaudia Kabelschließen
Die Darmstädter Grünen reagieren auf den Rücktritt der Bundesspitze. Inmitten der Herausforderungen hoffen sie auf neuen Schwung. Der neu gewählte Wahlkreiskandidat Philip Krämer sieht dabei die Energiewende als Schlüssel.
Der Rücktritt der Bundesspitze der Grünen hat auch die Darmstädter Grünen nicht unberührt gelassen. Es sei eine „herausfordernde Woche“ gewesen, man hoffe auf „neuen Schwung“, sagte Co-Parteisprecher Heiko Depner bei der Wahlkreisversammlung am vergangenen Dienstagabend im Justus-Liebig-Haus.
Die 79 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder des Kreisverbands Darmstadt und Darmstadt-Dieburg wählten mit großer Mehrheit den Bundestagsabgeordneten Philip Krämer aus Darmstadt zu ihrem Wahlkreiskandidaten für die Bundestagswahl im nächsten Jahr.
Grünen-Politiker Philip Krämer vertritt bisher den Odenwald im Bundestag
Krämer vertritt aktuell den Odenwaldkreis in Berlin und hatte sich nun beworben, um nach Darmstadt zu wechseln. Er war der einzige Kandidat. „Ich komme aus dieser Stadt, und ich liebe diese Stadt“, sagte Krämer in seiner zehnminütigen Vorstellungsrede. Er sei viel in der Region unterwegs und erfahre, dass man als Grüner oft „kritisch beäugt“ wird. Sie seien jedoch die einzige Partei, die etwas gegen den Klimawandel tue. Deswegen sei es wichtig, auf die Menschen zuzugehen und um ihr Vertrauen zu kämpfen.
Krämer hält es für „nicht aussichtslos“, erstmals in Darmstadt das Direktmandat für die Grünen zu holen. 2021 hatte Daniela Wagner, Ehefrau des ehemaligen Oberbürgermeisters Jochen Partsch (beide Grüne), das Direktmandat verpasst. Es ging an Andreas Larem (SPD), der seither den Wahlkreis vertritt. Astrid Mannes rückte Ende Januar über die CDU-Landesliste als Nachfolgerin von Ingmar Jung nach.
Philip Krämer kritisiert in Darmstadt die aktuelle Migrationsdebatte
Um die zahlreichen Fragen der Mitglieder zu beantworten, standen Krämer gerade mal zehn Minuten zur Verfügung. Er sollte sich in dieser Zeit unter anderem zum „massiven“ Austritt der jungen Mitglieder äußern, zu seiner Haltung in der aktuellen Migrationsdebatte, dem Nahostkonflikt und wie man zurück zu grünen Werten finden könnte. „Ökonomie und Ökologie zusammenzubringen und nicht als Widerspruch zu sehen, das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagte Krämer mit Blick auf die Energiewende.
Die aktuelle Migrationsdebatte hält er für „antieuropäisch“, benötigt werde aber eine europäische Lösung. Zu den Parteiaustritten bei der Grünen Jugend sagte er, er finde „es schade, wenn uns Leute verlassen, aber vielleicht sind sie bei der Linkspartei besser aufgehoben“. Krämer vertritt in der aktuellen Legislaturperiode die grüne Bundestagsfraktion als stellvertretender Vorsitzender im Sportausschuss, im Verteidigungsausschuss und in der Enquetekommission „Lehren aus Afghanistan“.
