VonGeorg Leppertschließen
Die Stadt Frankfurt erweitert ihre Angebote für Drogenabhängige. Gesundheitsdezernentin Elke Voitl sieht die politische Debatte kritisch.
Frankfurt - Elke Voitl machte keinen Hehl daraus, was sie davon hält, dass in diesen Tagen zunehmend aufgeregt über das Bahnhofsviertel diskutiert wird. „Das eventuell auch durch den Wahlkampf induzierte Getöse verbunden mit öffentlich gemachten Briefwechseln zwischen Land und Stadt um das Frankfurter Bahnhofsviertel trägt wenig zu einer Verbesserung der Situation bei“, sagte die Gesundheitsdezernentin, die den Grünen angehört. Voitl spielte damit auf einen Brief an, der vom hessischen Innenministerium an Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) ging. Tenor: Die Stadt Frankfurt müsse endlich mehr tun, damit sich die Zustände in dem Stadtteil verbesserten.
Notwendig seien „konkrete Maßnahmen“, so Voitl am Freitag: „Nur so können wir ein Viertel schaffen, in dem die Menschen wieder miteinander leben, wohnen und arbeiten wollen.“
Bahnhofsviertel in Frankfurt: Fünf Millionen Euro für Hilfsangebote
Einige Hilfsangebote für Drogensüchtige hat die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt jetzt beschlossen. Mit ihnen will das Regierungsbündnis den Frankfurter Weg weitergehen, wonach Abhängige nicht als Kriminelle, sondern als kranke Menschen behandelt werden.
Konkret sind knapp 20 Projekte geplant, für die die Stadt Frankfurt fünf Millionen Euro als Sofortprogramm ausgibt. Unter anderem werden die Plätze für die Substitution und medizinische Grundversorgung von 30 auf 50 erhöht. Drogenkranke, die nicht krankenversichert sind, sollen so von medizinischem Personal behandelt werden und Substitutionsmittel bekommen.
Bahnhofsviertel: Tagesbetten im La Strada
Mehr Möglichkeiten schafft die Stadt auch bei den elf Notschlafplätzen im Drogenhilfezentrum La Strada. Die Einrichtung bekommt mehr Personal, so dass die Betten auch tagsüber genutzt werden können. Das Gesundheitsdezernat will damit weitere Rückzugsmöglichkeiten für die Nutzerinnen und Nutzer von Crack schaffen.
Auch die medizinische Ambulanz K9 an der Karlsruher Straße wird ausgebaut. Sie hat künftig an allen Wochentagen geöffnet. Schwerstabhängige können in der Einrichtung ihre Wunden versorgen lassen. Bisher war das aber nur an drei Tagen in der Woche möglich. Das dortige Nachtcafé hat bereits fast rund um die Uhr geöffnet; dieses Angebot bleibt bestehen.
Bahnhofsviertel: Crack-Abhängige bekommen Utensilien zum Konsum
Zudem will die Stadt 1000 sogenannte Crack Container im Bahnhofsviertel verteilen lassen. In den Sets enthalten sind eine Pfeife und verschiedene andere Utensilien, die einen hygienischen Konsum ermöglichen sollen. Außerdem gibt es Flyer in fünf Sprachen, etwa zur Minimierung des Schadens bei der Einnahmen von Crack.
„Wir lassen uns nicht davon abhalten, weiterhin substanziell zu arbeiten“, sagte Voitl. Das Viertel müsse den dort lebenden Menschen erhalten bleiben – „allen, die im Viertel leben, arbeiten und sich bewegen“. Die Situation im Stadtteil müsse aber verbessert werden, denn er sei „das Entree und ein Herzstück der Stadt, ein tolles Viertel mit viel Potenzial“. (Georg Leppert)

